Flammkuchen oder Pizza Bianca selber machen

Pizza ist so eine Sache bei Histaminintoleranz. Schließlich kommen hier ein paar potentielle “Übeltäter” zusammen, die anderen zwar munden, Betroffenen von Histaminintoleranz jedoch ordentlich Bauch- und auch Kopfschmerzen bereiten können. Dazu gehören neben Tomaten als Liberator auch Weizenmehl mit entzündlichem Potential sowie Hefe, die in einem Teig, der lange geht, aufgrund des Fermentationsprozesses für extra Histamin sorgt. Also was tun – auf Pizza ganz verzichten?

Pizza trotz HIT – Zutaten clever ersetzen

Das wäre ja nun wirklich schade. Schließlich schmeckt die Spezialität der italienischen Küche richtig gut. Außerdem: Wenn wir plötzlich auf alles verzichten, ja, was bleibt dann noch auf dem Speiseplan? Clever ersetzen ist also angesagt!

Statt Tomatenmark ergibt auch Paprikapüree (mit Karotten) eine leckere, rote Basis. Statt Weizenmehl kannst Du Dinkelmehl* verwenden, sofern Du nicht generell ein Problem mit Gluten hast. Und backen geht auch ohne Hefe. Mit genau diesen Alternativen gibt es bereits ein Rezept auf dem Blog – und zwar hier.

Statt rotem Untergrund möchte ich heute jedoch mal auf eine helle Basis zurückgreifen. Aus rossa wird bianca.

Wir haben für den Untergrund Crème fraîche (ohne Gelatine) verwendet. Du kannst jedoch z. B. auch cremigen Ricotta oder Ziegenfrischkäse nutzen. Da wir unbedingt einmal Flammkuchen selber machen wollten, haben wir auch beinahe den klassischen Belag – Zwiebelringe und Schinkenwürfel – auf die “weiße Pizza” gebracht.

Beinahe? Da wir grundsätzlich kein Schwein essen, habe ich alternativ zur Putensalami gegriffen. Das ist jedoch eine Option, die vielleicht nicht für jeden funktioniert. Schließlich gilt Salami, egal ob Pute oder nicht, generell als ziemliche “Histaminbombe”, weil die Wurst reifen muss. Mit der von mir verwendeten Sorte haben wir jedoch überraschend gute Erfahrungen gemacht. Ob das für Dich genauso funktioniert, solltest Du allerdings vorher individuell austesten.

Nicht ganz so problematisch sind Zwiebeln, wovon wir grundsätzlich die roten lieber mögen als die braunen oder weißen. Die schmecken einfach besser 😉 Wer jedoch empfindlich auf Salicylate reagiert, könnte Probleme mit den Zwiebelringen bekommen. Grundsätzlich ist das entzündungshemmend wirkende Lauchgewächs bei HIT keine schlechte Wahl. Doch die Zwiebel gilt als Liberator und wer es übertreibt, hat schon mal mit Blähungen oder anderen Beschwerden zu kämpfen. Hier musst Du Deine persönliche Toleranzschwelle finden.

Vielleicht hast Du gerade erst erfahren, dass Du HIT hast, und möchtest vorsichtig austesten, was geht. Dann solltest Du nicht unbedingt den original Flammkuchen mit Zwiebelringen und Schinken-/Salamiwürfeln “nachbauen”, sondern lieber zu einem anderen Belag greifen. Im Grunde kannst Du eine Pizza Bianca mit allem belegen, was Du sonst am liebsten auf Deiner histaminarmen Pizza hast. Probier es einfach aus!

Flammkuchen oder Pizza Bianca

Zubereitungszeit:

ca. 30 Minuten

Schwierigkeit:

einfach

Zutaten für 1 Blech:

  • 350 g Dinkelmehl (glatt)*
  • 200 ml lauwarmes Wasser
  • 2 EL Öl, z. B. Olivenöl
  • 1 Becher Crème fraîche (ohne Gelatine), alternativ: Ziegenfrischkäse, cremiger Ricotta etc.
  • 1 gr. Zwiebel
  • 1 Stück Putensalami oder andere verträgliche Wurst, in Würfel geschnitten
  • Salz & Pfeffer nach Geschmack
  • frische Kräuteroder anderes “Grünzeug” nach Geschmack, z. B. Oregano oder Vogerlsalat

Zubereitung:

  1. Mehl, Wasser, Olivenöl und Salz in einer Schüssel mit den Händen vermengen und zu einem Teig kneten.
  2. Backpapier auf der Arbeitsfläche ausbreiten und den Teig darauf setzen. Mit Mehl bestäuben und mit einem Nudelholz* dünn ausrollen. Den ausgerollten Teig samt Backpapier aufs Blech setzen.
  3. Zwiebel schälen und in dünne Ringe schneiden. Ein Stück Putensalami abschneiden, pellen und in Würfel schneiden.
  4. Teig großzügig mit Crème fraîche bestreichen. Putensalamiwürfel und Zwiebelringe darauf verteilen.
  5. Ofen auf 250° C vorheizen. Wir haben dafür praktischerweise ein spezielles Pizzaprogramm, Du vielleicht auch.
  6. Für ca. 10 Minuten backen. Der Flammkuchen ist fertig, wenn er an den Rändern goldbraun ist.
  7. Optional: Mit frischen Kräutern oder Salat garnieren. Eventuell mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Guten Appetit!

(c) Histamin-Pirat




Vegetarisch mit Liebe – von A bis Z (Rezension mit Rezept)

Vor allem Menschen, die sich vegetarisch oder gar vegan ernähren, stehen mit der Diagnose Histaminintoleranz meist vor einem Problem, das gesunde Menschen ganz einfach umschiffen können: Protein. Denn wer auf Fleisch verzichtet, muss sein Eiweiß aus anderen Quellen beziehen. Die Natur offeriert uns zum Glück zahlreiche Optionen: Samen, Kerne, Nüsse und auch Hülsenfrüchte sind richtige Proteinbomben. Da wäre nur ein Problem: Wer Histaminintoleranz hat, verträgt vor allem Nüsse und Hülsenfrüchte meist nur eingeschränkt. Das hat auch der Histaminer hier am eigenen Leib erfahren.

Histaminintoleranz ohne Fleisch – das geht, aber …

Grundsätzlich ist die vegetarische und auch vegane Ernährung mit Histaminintoleranz möglich. Man muss nur wissen, was man tut, und braucht vor allem Disziplin. Schließlich schränkst Du Deinen ohnehin eingeschränkten Speiseplan freiwillig weiter ein. Als kleiner Bonus: Zu viel Fleisch, vor allem verarbeitete Fleischwaren wie Wurst, ist ohnehin nicht gesund. Ja, Wurstwaren stehen laut WHO sogar im Verdacht, Krebs zu verursachen. Weil Fleisch zudem Entzündungsprozesse im Körper begünstigen kann, haben wir unseren Fleischkonsum auf ein Minimum reduziert.

Wer jedoch ganz darauf verzichtet, sollte für ausreichend Abwechslung sorgen, um genug Vitamin A, Eisen etc. zu bekommen. Denn pflanzliche Lebensmittel enthalten lediglich die Vorstufe von Vitamin A, Beta-Carotin, welche der Körper zunächst umwandeln muss. Dazu macht es im Fall von Karotten zum Beispiel mehr Sinn, die Möhrchen gekocht statt roh zu essen. Deine Eisenaufnahme kannst Du durch den gleichzeitigen Verzehr von Vitamin-C-haltigen Speisen verbessern. Aber wer achtet auf all das – immer?

Um regelmäßige Check-ups kommt man eigentlich auch als “normaler” Vegetarier und Veganer nicht herum. Doch vor allem für “Histaminer” ohne Fleisch gilt es, die B-Vitamin-Versorgung (insbesondere Vitamin B6 und B12) regelmäßig überprüfen zu lassen. Aber auch Eisen (Serum-Ferritin) wird beim Erstellen eines großen Blutbilds meist gleich mit überprüft. In Einzelfällen kann es Sinn machen, weitere Werte in Bezug auf die Nährstoffversorgung zu checken.

Als “Pflanzenfresser” sinnvoll ersetzen bei Histaminintoleranz

Was das Thema Protein angeht, fallen ein paar Veggie-Favoriten bei HIT in der Regel weg, darunter:

  • Walnüsse
  • Sonnenblumenkerne
  • Erdnuss
  • Erdmandel

Einige davon enthalten entweder selbst recht viel Histamin oder wirken als Liberator. Kommen bei Dir Allergien hinzu, wird die Liste womöglich noch länger.

Ansonsten bleiben aber ein paar nussige Alternativen. Cashewkerne und Mandeln, Haselnüsse und Pinienkerne, die zwar im Übermaß auch Bauchweh machen können, gehen als kleine Zugabe zum Salat meist dennoch ganz gut. Noch besser sind zum Beispiel diese veganen Zutaten mit Biss:

  • Hanfsamen
  • Pistazie
  • Macadamia
  • Kokosnuss
  • Kürbiskerne

Doch wie sieht es nun in Sachen Hülsenfrüchte aus? Haben wir anfangs ganz auf Hülsenfrüchte verzichtet, sind mittlerweile wieder welche auf dem Speiseplan. Doch welche? Als kleine Faustregel habe ich folgende Formel entwickelt: Was auch roh bedenkenlos gegessen werden kann, geht auch bei HIT ganz gut. Tatsächlich sind es nämlich vornehmlich die Pflanzenabwehrstoffe, die es erfordern, dass man Linsen, Kichererbsen & Co zunächst mal kochen muss, damit sie – auch von gesunden Menschen – vertragen werden. Die Hülsenfrüchte, die Gesunde aber auch so essen können, Erbsen zum Beispiel, enthalten weniger von diesen Stoffen. Daher sind sie für Histaminer durchaus Kandidaten für den Speiseplan.

Tipp: Auch Sprossen sind in aller Regel verträglicher als die Hülsenfrüchte an sich. Hast Du schon ein Keimglas* oder ein Sprossenhaus*?

Wie immer bei HIT und auch im Fall der Hülsenfrüchte gilt: Verbanne nichts vom Speiseplan, was Dir in Maßen eigentlich guttut. Beispiel für so ein Lebensmittel in der “Grauzone” gefällig? Zitrone. Das enthaltene Vitamin C unterstützt den Histaminabbau (und die Eisenaufnahme, s. o.). Dennoch gelten Zitrusfrüchte als Liberator, d. h. Dein Körper wird angeregt, sein eigenes Histamin aus den speichernden Mastzellen ins Blut abzugeben. Bei Zitronen und anderen Liberatoren kommt es entscheidend auf die Menge an, die das Ganze zum Gift oder zur Medizin macht.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf habe ich mich durch “Vegetarisch mit Liebe“* geblättert, natürlich auf der Suche nach etwas Leckerem auf Pflanzenbasis, das auch dem Histaminer bekommt.

Ein vegetarisches Kochbuch von A bis Z

Als ich das Kochbuch im Programm vom Südwest-Verlag entdeckt habe, hat mich zunächst der Titel “Vegetarisch mit Liebe“* angelacht. Dass ich es zur Rezension haben wollte, war dem Umstand geschuldet, dass es ganz anders aufgebaut ist, als jedes andere Kochbuch, das ich kenne: Das Buch geht einfach Zutaten von A wie Apfel bis Z wie Zucchini durch und liefert somit alphabetische Kücheninspiration. Du kannst also einfach bei Deinem Lieblingsobst oder -gemüse schmökern und findest bestimmt was Schmackhaftes.

Bis mich ein Rezept angesprungen hat, habe ich gar nicht lange blättern müssen. Unter B finden wir “Blumenkohlcurry mit gebratenem Reis”.

Schaut man sich die Zutatenliste an, wird schnell klar: Hier müssen wir nochmal Hand anlegen. Denn enthalten sind unter anderem Kichererbsen, Rosinen und jede Menge Gewürze – Curry eben. Doch das soll den Histamin-Piraten bekanntermaßen nicht aufhalten. Der kapert die Sache schon für sich!

Blumenkohlcurry mit gebratenem Reis

Zubereitungszeit:

ca. 1 Stunde

Schwierigkeit:

normal

Zutaten für 3-4 Personen:

  • 1/2 Kopf Blumenkohl/Karfiol
  • etwas Öl zum Braten, z. B. Kokos- oder Olivenöl
  • 1 rote Zwiebel (Vorsicht bei Salicylatintoleranz)
  • 1 kl. Tasse Basmati-Reis, Wasser, Butter/Öl und Salz zum Kochen
  • 60 g Cashewkerne
  • 100 g Erbsen (tiefgekühlt)
  • 3 Karotten
  • optional: 2 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten (Vorsicht bei Salicylatintoleranz)
  • 1/2 kl. Dose Kokosmilch (ohne Bindemittel!)*
  • Saft von 1/2 Limette
  • 2 EL gehackte Minze, frisch
  • ein paar Chilifäden*
  • 1 Pr. Kurkuma
  • 1 Pr. Kreuzkümmel
  • 1 Pr. getrocknetes Zitronengras
  • Salz & Pfeffer nach Geschmack

Erfrischende Joghurt-Sauce

  • 1 Becher Joghurt (4 % Fett)
  • Saft von 1/2 Limette
  • Msp. Kardamom
  • Salz & Pfeffer nach Geschmack

Zubereitung:

Reis gründlich durch ein Sieb* abspülen. In gesalzenem Wasser kochen. Kurz bevor der Reis fertig ist, ein bisschen Butter oder Öl unterrühren.

Für die Sauce alle Zutaten in einer Müslischüssel verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Bis zum Servieren in den Kühlschrank stellen.

Blumenkohlhälfte in Röschen zerteilen und gründlich abspülen. Karotten abspülen, schälen und in kleine Scheiben schneiden. Zwiebel schälen und würfeln. Öl in einer tiefen Pfanne erhitzen. Gemüse ca. 5 Minuten dünsten, bis der Blumenkohl hellbraun ist.

Cashewkerne und Erbsen zugeben und ca. 5 Minuten weiterbraten, bis die Cashews hellbraun sind.

Frühlingszwiebelringe und Gewürze zugeben. Kurz mitbraten, bis die Gewürze duften. Die Hitze reduzieren und Kokosmilch einrühren. Dann Limettensaft und noch etwas Salz zugeben. Den Reis einarbeiten. Minze unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit der Sauce servieren.

Tipp:

Du kannst, wie immer bei Curry, beim Gemüse variieren. Was hat denn gerade sonst noch so Saison? Mit einem Curry-Grundrezept sorgst Du auf diese Weise für Abwechslung auf dem Tisch.

Ich habe die Gewürze teils geändert und vor allem stark in der Menge reduziert. Falls Du Kurkuma, Kreuzkümmel & Co besser als der Histaminer verträgst, kannst Du hier ruhig noch etwas nachwürzen.

Statt der im Rezept angegeben Chiliflocken habe ich Chilifäden* verwendet. Die sind weniger scharf und bringen trotzdem milde Würze ins Gericht. Probier’s mal aus!

Zusammenfassung:

Vor allem Histaminer finden ein Kochbuch, das alphabetisch nach Zutaten sortiert ist, sicher ganz praktisch.So ist es jedenfalls mir ergangen. Neben dem Blumenkohlcurry gibt es noch eine Reihe anderer Rezepte im Buch, die sich leicht auf histaminarm trimmen lassen und meist schon glutenfrei sind. Die bunte Sammlung vegetarischer Köstlichkeiten geht übrigens auf den Blog “Love and Lemons” zurück, den ich vor der Lektüre noch nicht kannte. Nicht nur das Buch, auch die Website sieht vielsprechend aus.

Neben der cleveren Aufteilung gefällt mir am Buch vor allem die Abteilung mit den Basics am Schluss. Hier gibt es unter anderem ein Smoothie- und ein Pesto-Grundrezept, mit dem man weiterarbeiten kann.

Das schöne Hardcover macht aufgrund der praktischen Aufteilung, aber auch wegen der appetitlich angerichteten Speisen auf den Bildern richtig Lust auf kochen. Vielleicht magst Du ja auch mal hineinschnuppern? Hier sind die Fakten:

  • Vegetarisch mit Liebe“* von Jeanine Donofrio (Love and Lemons)
  • 320 Seiten, Hardcover
  • Rezepte von A wie Apfel bis Z wie Zucchini
  • zahlreiche Basics und Tipps für die Zubereitung
  • viele Rezepte sind glutenfrei und lassen sich leicht abwandeln, um sie histaminarm zu machen
  • 24,99 Euro, erschienen im Südwest-Verlag

Ich bedanke mich beim Südwest-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat




Entspannung im Handumdrehen: Mudras

Yoga ist ein wiederkehrendes Thema beim Histamin-Piraten. Denn im Yoga vereinen sich verschiedene Entspannungstechniken, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. Neben den Asanas (Bewegungsabläufen) sind das vor allem Pranayama (Atemtechniken) und Meditation. Dadurch wird Yoga zum ganzheitlichen Stressmanagement und das können wir bei HIT gut gebrauchen, denn wir wissen: Stress ist ein Histaminliberator.

Über die Zeit haben sich verschiedene Yoga-Stile herausgebildet, so dass jeder sein maßgeschneidertes Programm findet, das dem eigenen Geschmack sowie den individuellen körperlichen Voraussetzungen entspricht. Mir gefällt Yin Yoga sehr gut, aber im Grunde eignet sich jeder Stil, mit der Ausnahme von vielleicht Bikram-Yoga, wo der Körper aufgrund der warmen Umgebungstemperatur doppelt belastet wird.

Heute soll es einmal nicht um die Körperbewegungen im Ganzen gehen, sondern um die kleinen Gesten, die auch als Mudras bezeichnet werden. Statt “Baum” und “herabschauendem Hund” stehen Handposen wie das Herz-Mudra im Vordergrund.

Was sind Mudras?

Swami Saradananda schreibt in ihrem Buch “Entdecke die Kraft der Mudras: Der Energie-Kick für alle Lebenslagen”*:

Neben dem Gesicht ist kein Körperteil so ausdrucksstark wie die Hände. Mit ihrer Beweglichkeit können sie eine Vielzahl von Gesten und subtilen Bewegungen ausführen und so komplizierte Gedanken und tiefe Gefühle vermitteln.

Das haben wir im Alltag alle schon erlebt. Wir begleiten unsere Aussagen mit gewichtigen Gesten, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen. Dieses Verhalten hat auch Eingang in unsere Sprache gefunden, wenn wir zum Beispiel “mit erhobenem Zeigefinger” sprechen oder “abwinken” usw.

Moderne wissenschaftliche Forschungsergebnisse zeigen, dass durch die Bewegungen verschiedener Teile der Hand unterschiedliche Bereiche des Gehirns aktiviert werden. Seit der Antike lehrt die indische Philosophie, dass Fingerbewegungen und -berührungen den Fluss des Prana – der Leben spendenden Energie im Körper […] – beeinflussen.

So wie einige von den Fußreflexzonen vielleicht schon mal gehört haben, wo sich verschiedene Energiepunkte sammeln, die auf Berührung reagieren, gibt es solche Punkte auch an den Händen. Betrachtet man sich den Menschen aus der Perspektive von Ayurveda oder TCM, begegnet man verschiedenen Konzepten über Energiefluss im Körper.

Was in Indien unter der Chakren-Lehre zusammengesetzt wird, hängt eng mit den Meridianen der Traditionellen Chinesischen Medizin zusammen. Beiden Philosophien ist die Elemente-Lehre gemein, auf die auch Swami Saradananda in ihrem Buch eingeht.

So ordnet sie verschiedene Teil der Hand unterschiedlichen Elementen und auch Chakren zu, die ihrerseits wiederum mit verschiedenen Funktionen im Körper betraut sind. So lässt sich auch eine Verbindung zu verschiedenen Organen und anderen Körperteilen herstellen, die mithilfe der Mudras gezielt stimuliert werden können.

Für Histaminintoleranz sind meiner Erfahrung nach vor allem drei Elemente interessant: Feuer (u. a. Verdauung), Luft (u. a. Herzkreislaufsystem und Atmung) sowie Äther/Akasha (u. a. Hunger und Durst). Der Grund? Was die Verdauung bei HIT angeht, haben viele zu viel oder auch zu wenig “Feuer”, wodurch Nährstoffe nicht richtig aufgenommen werden. Der Gegenspieler hierfür ist “Erde”. Wenn wir uns geerdet fühlen, sind wir wieder im Gleichgewicht.

Zahlreiche Histaminrezeptoren sitzen aber auch im Bereich der Bronchien. Das spielt zum Beispiel bei allergischem Asthma eine Rolle. Wir merken den Einfluss aber auch bei Atemnot als Symptom eines anaphylaktischen Schocks. Hieraus ergibt sich, dass wir das Element “Luft” in Einklang zu den anderen Elementen bringen müssen.

“Äther” oder auch Akasha reguliert Hunger und Durst. Dieses Element wirkt beispielsweise auf unsere Kreativität und Ausdruckskraft, aber auch auf unseren “inneren Frieden”. Wer sehr unruhig ist, schlecht schläft usw. sollte sich auf dieses Element konzentrieren.

Mit “Element” ist ein Konzept gemeint, das nicht mit dem chemischen Element aus dem Periodensystem, das wir aus der Schule kennen, verwechselt werden sollte. Wasser ist also nicht H2O. Stattdessen handelt es sich um abstrakte Ideen, mit denen man sich seit Jahrtausenden Funktionsweisen erklärt – und, wie die Wissenschaft vermehrt feststellt, handelt es sich dabei nicht nur um esoterische Spinnerei.

Beispielsweise ist das Konzept vom chinesischen “Chi” durchaus vergleichbar mit dem, was Physiker als “Quanten” bezeichnen.

Für uns soll von Interesse sein, dass die Lebensenergie im Körper stets im Fluss sein soll. Sind wir krank, gibt es irgendwelche Blockaden oder Ungleichgewichte, die man mit verschiedenen Methoden lösen bzw. wieder ins Gleichgewicht bringen kann, so die Lehre von Ayurveda und TCM.

Heute soll es uns dabei jedoch nicht um Kräuter, Atemtechniken oder dergleichen, sondern um Handzeichen gehen, die man beim Meditieren oder einfach in der Mittagspause praktizieren kann.

Mudras und Meditation

Mudras können beim Meditieren helfen. Wer mit dem Meditieren gerade erst beginnt, wird merken, dass es eine ziemliche Herausforderung darstellt, einige Minuten in einer Position zu verharren. Es zwickt und zwackt und die Gedanken beginnen zu rasen. Dabei soll doch Meditation genau das Gegenteil bewirken: beruhigen!

Doch tatsächlich wird andersrum ein Schuh draus. Wer meditieren möchte, sollte bereits ruhig sein. Meditieren erfordert Übung und Geduld. Daher ist es wichtig, sich am Anfang nicht zu übernehmen. Drei bis fünf Minuten pro Tag reichen zu Beginn. Steigern kannst Du Dich immer noch!

Wer den Schneidersitz oder gar den sogenannten Lotussitz unbequem findet, kann auch einfach auf einem Stuhl Platz nehmen. Wichtig ist lediglich, aufrecht zu sitzen, damit der Atem fließen kann. Für die Meditationspraxis auf dem Boden gibt es Meditationskissen*, die man sich unter den Popo schieben kann, um eine aufrechte Sitzposition zu erreichen und zu halten.

Sitzt Du mit geradem Rücken, gilt es, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Manchen Menschen hilft es, die Augen zu schließen oder vor sich hin zu blicken. Zusätzlich kann es helfen, sich auf den eigenen Atem oder Herzschlag zu konzentrieren. Eine weitere Methode für all jene, die wie ich und der Histaminer eher zu der Kategorie “Zappelphilipp” gehören, sind Handzeichen. Durch die verschiedenen Berührungspunkte der Finger fängt man an, sich auf diese Gesten statt auf den gedanklichen Wust zu konzentrieren. Und schwups, kommt man zur Ruhe.

Meine Oma hat mir, als ich klein war, vor dem Schlafengehen oder wenn ich krank war, oft die Füße und Hände massiert. Klar, das wärmt einerseits, bringt aber auch die Energie zum Fließen. Jetzt, wo ich erwachsen bin, massiere ich mir morgens und abends selbst die Hände und Füße.

Swami Saradananda beschreibt in ihrem Buch auch einige Massagetechniken sowie Fingerübungen, die Du ausprobieren kannst.

Doch eigentlich dreht sich das Buch um die Vorteile der Mudras, insbesondere beim Meditieren und zum Stressmanagement. Meine drei liebsten Mudras, wenn es sowas gibt 😉 , finden wir im Kapitel, das dem Element “Luft” gewidmet ist.

Das Herz- oder Hridaya-Mudra, welches mir stets ein Lächeln auf die Lippen zaubert und sich erstaunlich warm anfühlt, macht den Anfang. Besonders gerne nehme ich diese Handposition ein, wenn ich auf dem Rücken liege und dabei die angewinkelten Beine nach außen fallen lasse, sodass sich die Fußsohlen berühren (Asana im Yoga: Supta Baddha Konasana/liegender Schmetterling).

Beim Hridaya-Mudra wird der Zeigefinger eingerollt, so dass die Fingerspitze den Daumenansatz berührt. Mittel- und Ringfinger berühren die Daumenspitze.

Beim Padma-Mudra oder der Lotus-Geste bilden beide Handteller eine Art Schale. Dadurch wird der Körper für frische Energie geöffnet. Dieses Handzeichen mache ich ganz gerne am Ende einer Meditations-Session.

Das Akasha-Mudra (Element Äther) gehört wohl zu den bekanntesten Handzeichen. Du hast es bestimmt schon einmal gesehen. Dabei berühren sich Daumen und Zeigefinger an der Spitze. Die restlichen Finger werden abgespreizt. Diese Geste soll den Geist klären und ist damit eine tolle Geste zum Meditieren.

So ähnlich schaut das Chin-Mudra (Element Luft) aus. Hierbei werden jedoch die restlichen Finger nicht abgespreizt, sondern angewinkelt. Beide erfüllen ähnliche Funktionen.

Swami Saradananda schreibt:

Als sich die Fingerspitzen berührten, habe ich eine starke Verbindung zwischen ihnen gespürt, sie fühlten sich an wie ein geschlossener Stromkreis und ich wollte sie nicht mehr trennen.

Wer jedoch sehr aufgeregt mit seiner Meditationsübung beginnt, freut sich womöglich noch mehr über ein “erdendes” Mudra. Das Jnana-Mudra wird tatsächlich dem Element Erde zugeordnet und wirkt ausgleichend und beruhigend. Die Zeigefingerspitze formt mit dem Daumen einen Kreis. Die Handfläche zeigt nach unten.

Durch die nach unten zeigenden Hände fühlte ich mich geerdet, geschlossen, versteckt, geheim, energetisch sehr verbunden und entspannter.

Wenn Du einmal in das Thema “Mudras” hineinschnuppern möchtest, kann ich Dir das Buch “Entdecke die Kraft der Mudras: Der Energie-Kick für alle Lebenslagen*” nur empfehlen.

Wenn Du mit geführten Meditationen statt in Stille zu sitzen beginnen möchtest, ist womöglich Andrew Wrenn ein guter Lehrer. Ich schätze den Yogi nicht zuletzt aufgrund seiner ruhigen Stimme. Er ist im Übrigen auch ein großer “Mudra-Fan”.

Kennst Du Mudras bereits und nutzt Du sie zur Entspannung und/oder beim Meditieren? Wenn ja, welche Gesten sind Deine Favoriten?

Zusammenfassung:

  • Entdecke die Kraft der Mudras: Der Energie-Kick für alle Lebenslagen*” von Swami Saradananda, übersetzt von Anna Hübinger
  • 160 Seiten, Softcover
  • Überblick über die verschiedenen Handhaltungen/Mudras bei Meditation und Yoga
  • Erklärung der Chakren
  • Einführung in die Elemente-Lehre von Ayurveda/TCM
  • simple Ideen zum Stressmanagement, die auch bei Histaminintoleranz von Interesse sind
  • 16,99 Euro, erschienen im Lotos-Verlag

Ich bedanke mich beim Lotos-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat




Anti-Erkältungssuppe (Teil 2) …

Brrr, es ist kalt draußen! Ich sitze auch gerade mit schniefender Nase und einem Joe-Cocker-Kratzen im Hals vor dem Notebook, denn der dieses Jahr wechselhafte Winter hat mich nun doch erwischt. Es scheint so, als habe die kalte Jahreszeit den Start verschlafen. Kurzerhand wird der Winter also Anfang März nochmal nachgeholt – mit Erkältungswelle und allem Drum und Dran.

Bewusster Fleischkonsum – warum?

Obwohl wir uns hier lange Zeit (fast) vegetarisch ernährt haben, hat sich Fleisch mittlerweile wieder in den Speiseplan geschummelt. Der Verzehr bleibt jedoch bewusst und wir achten auf hochwertige Zutaten. Hauptgrund für die Wiedereinführung von Fleisch sind neben Vitamin B12 andere essentielle Nährstoffe, die nachweislich einfacher aus Fleisch zu beziehen sind: Vitamin A und Eisen.

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch ohne geht, aber in unserem betriebsamen Alltag muss es manchmal einfach schnell gehen und ich habe – trotz Food-Blogger-Dasein –nicht immer die Zeit oder den Nerv, so zu planen, dass alles flott geht, histaminverträglich ist und für ausreichend Abwechslung sorgt. Hinzu kommt, dass wir dem Schubladendenken generell abgeneigt sind. Essen sollte nicht zur Religion werden, sondern einem wohl bekommen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Fleisch x-beliebig aufgetischt werden sollte, denn schließlich handelt es sich ebenfalls um ein Lebewesen, das für uns sein Leben gelassen hat. Daher sind Fleisch und Fisch etwas, das wir uns lediglich ca. einmal die Woche gönnen und nicht einfach gedankenlos verschlingen.

Aktuell in Form des Anti-Erkältungsklassikers schlechthin:

Klare Hühnersuppe

Zubereitungszeit:

ca. 2–3 Stunden

Schwierigkeit:

normal

Zutaten für 2–3 Personen:

  • ca. 300 g Hühnerbrust oder Suppenhuhn
  • ca. 2 l Wasser
  • 1–2 TL (je nach Geschmack) Gemüsebrühe hefefrei – selbstgemacht oder gekauft*
  • 1 Pck. Suppengrün – gibt es als Mix fertig zu kaufen, enthalten sind meist Teile von Karotte, Kohlrabi, Pastinake, Petersilie, (Porree), (Knollensellerie), Petersilienwurzel – Die Zutaten in Klammern verträgt nicht jeder, am besten in kleinen Mengen austesten)
  • evtl. zusätzlich Karotten
  • ca. 5 Kartoffeln
  • evtl. zusätzlich frische Petersilie zum Garnieren

Zubereitung:

Hühnerfleisch unter handwarmem Wasser gründlich abspülen. Topf mit Wasser zum Kochen aufsetzen. Brühe darin auflösen und mit dem Hühnerfleisch kochen, bis es gar ist. Ich koche an dieser Stelle meist bereits einen Teil des Suppengrüns im Ganzen mit dem Fleisch mit, sodass der Geschmack in die Brühe übergeht.

Kartoffeln, Karotten etc. schälen. Tipp: Kartoffeln für bessere Verträglichkeit nach dem Schälen unter lauwarmem Wasser abspülen.

Das gekochte Fleisch sowie die Gemüseteile nach dem Garen aus der Brühe nehmen und in kleine Stücke zerteilen. Zurück in die Brühe geben.

Restliches Suppengrün, Kartoffeln und Karotten würfelig bzw. in Ringe schneiden und ebenfalls in die Brühe geben. Ca. 15–20 Min. köcheln lassen.

Die klare Hühnersuppe mit frischer Petersilie servieren.

Tipp:

Welche Art Hühnerfleisch, ob ein ganzes Suppenhuhn, Flügel oder Hühnerbrust, Du verwendest, ist auch eine Kostenfrage. Grundsätzlich geht jede Art von Hühnerfleisch. Lediglich bei Flügeln ist die Arbeit etwas mühsam, da die kleinen Knochen nach dem Garen erst herausgelöst werden müssen.

Du kannst beim Gemüse durchaus variieren – ganz nach Geschmack und Saison.

Viel Flüssigkeit in Form von Tee und Suppen wirkt schmerzlindernd bei Halsschmerzen und anderen typischen Erkältungsbeschwerden. Entzündunsgshemmende Wirkstoffe in den Zutaten sorgen für den extra Boost. Eine gute Wahl ist zum Beispiel Knoblauch (Achtung, bei Salicylatintoleranz!) und auch daraus lässt sich eine leckere Anti-Erkältungssuppe zaubern.

(c) Histamin-Pirat




Gewonnen: Wer darf sich über ein Probierpaket der Sonnentor-Latte-Sorten freuen?

Nachdem ich vor ein paar Wochen die neuen Sonnentor-Latte-Sorten „Rote Bete“, „Kardamom“* und „Kurkuma“* in der Filiale in der Wiener Neubaugasse verkosten durfte, kommt nun auch eine Leserin von Euch in den Genuss. Sie kann sich zum Beispiel Goldene Milch, pinken Kaffee oder feinwürziges Gebäck zubereiten. Ihr Favorit ist womöglich der farbenfrohe Kaffee, zumindest wenn es nach ihrem Kommentar geht:

Hmm, das klingt ja toll! Ich bin keine tägliche Kaffeetrinkerin, sondern für mich ist eine Tasse Kaffe immer etwas Besonderes, die ich mir nicht einfach nur zum wachmachen mache, sondern weil ich sie in aller Ruhe genießen möchte. Dabei experimentiere ich gerne, weshalb die Latte-Sorten eine tolle Abwechslung wären! Backen mit Roter Beete klingt auch toll, vor allem natürlich wegen der knalligen Farbe! Daher mache ich berne bei deinem Gewinnspiel mit.

Viele Grüße,
Sarah

Aber das erzählt sie uns hoffentlich nach Eintreffen des Pakets noch einmal selbst.

Der Zufallsgenerator hat entschieden:

 

Liebe Sarah aka Glückszauber, die E-Mail geht gerade an Dich raus. Herzlichen Glückwunsch!

Für alle, denen der Zufallsgenerator heute nicht hold war: Es gibt bestimmt mal wieder eine Chance, etwas beim Histamin-Piraten zu gewinnen 🙂

(c) Histamin-Pirat




Der Histamin-Pirat in der neuen Cooking-Ausgabe

Was als private Rezeptesammlung anfing, erfreut sich mittlerweile einer regelmäßigen Leser*innenschaft: der Histamin-Pirat. Uns gibt der Austausch immer wieder Impulse, Neues auszuprobieren. Außerdem ist es natürlich super, wenn andere von den Tipps profitieren und leckere, “histamintaugliche” Rezepte für sich finden.

Histamin-Pirat – Blog der Woche

Das österreichische Magazin Cooking hat dem Histamin-Piraten in der aktuellen Valentinstagsausgabe eine ganze Seite gewidmet: Blog der Woche. Hier erfährst Du, wie ich zum Bloggen gekommen bin, wer mich am Herd inspiriert und obendrauf gibt es noch ein leckeres Brotrezept.

Neben einem Bericht über meine Wenigkeit enthält das Kochmagazin zahlreiche herzige Rezepte, passend zum Valentinstag. Schnell noch zur Trafik und reingeschaut!

(c) Histamin-Pirat




Blog-Event: Die neuen Latte-Sorten von Sonnentor im Test (inkl. Gewinnspiel)

Kaffee und Histaminintoleranz – verträgt sich das?, ist eine Frage, die immer wieder auftaucht. Ich habe mich dem Thema hier schon einmal gewidmet. Die Kurzfassung lautet: jain – wie so oft bei HIT.

Kaffee bei HIT? Ein klares Jain

Die gute Nachricht: Kaffee enthält kaum Histamin. Die schlechte: Koffein gilt als DAO-Blocker. Somit kommt es beim Kaffeegenuss einerseits auf Deine individuelle Toleranzschwelle an: Wie sehr kannst Du Deine wahrscheinlich ohnehin begrenzte DAO-Aktivität durch Kaffee einschränken? Andererseits sei allen Freunden des dunklen Heißgetränks gesagt: Espressobasierter Kaffee von pur bis Cappuccino enthält – vielleicht wider Erwarten – weniger Koffein als Filterkaffee. Daher kannst Du Dir einen exquisiten Café Latte am Tag womöglich doch munden lassen, jedenfalls eher noch als den Pott Kaffee, den die konventionelle Filtermaschine ausspuckt.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, ein heißes Milchgetränk mit Geschmack auch ohne störendes Koffein zu genießen. Und hier kommen die neuen Latte-Sorten von Sonnentor ins Spiel, die ich kürzlich beim Blog-Event in der Wiener Neubaugasse verkosten durfte. Dort wurden die würzigen Varianten zwar ebenfalls mit Espresso serviert, die schmecken aber auch ohne echt lecker.

Latte mit würzigem Geschmack

Zur Auswahl standen „Rote Bete“, „Kardamom“* und „Kurkuma“*. Statt purem Rote-Bete-Pulver, Kardamom- oder Kurkuma-Gewürz kommen die geschmacks-boostenden Mischungen als vollmundiges Gesamtkonzept daher. So setzen die Bio-Bauern mit Hauptquartier im österreichischen Sprögnitz auf folgende Kompositionen:

Rote Bete

Rote Bete, Hagebutten, Reismehl, Calciumcarbonat, Muskat, Piment, Kardamom, weißer Pfeffer, Nelken, Chili und Vanille

Kardamom

Kardamom, Rosenblüten, Muskat, Spinat, Lavendelblüten, Nelken und Vanille

Kurkuma

Kurkuma, Ceylon-Zimt, Kakao, Ingwer, Vanille, Süßholz und schwarzer Pfeffer

Obwohl alle Latte-Mischungen glutenfrei sind, fallen erfahrenen Histamin-Piraten bereits ein paar Zutaten aus eben histamintechnischer Sicht ins Auge, die ich zusätzlich fett markiert habe. So enthält Spinat recht viel Histamin. Kakao als Liberator sowie Süßholz und Muskat sind nicht für jeden einwandfrei verträglich, der mit HIT zu kämpfen hat. Richtig problematisch wird es, wenn Du beim Austesten gemerkt hast, dass Du mit Salicylaten neben Histamin Probleme hast. Dass die beiden – SI und HIT – ganz gerne mal im Team auftreten, habe ich hier erläutert.

Ist das eine Histamin-Sünde wert?

Doch wer seine Ernährungsumstellung längst aus dem Effeff beherrscht, hat sicher schon bemerkt, dass man auch mal „histamin-sündigen“ kann, ohne dass der nächste Tag mit einem Kater beginnt. Die Einsicht, dass es nicht nur um Verzicht gehen kann, ist eine wichtige, die für deutlich mehr Lebensqualität sorgt. „Substituieren statt eliminieren“ ist mein Schlachtruf hierfür. Viele Lebensmittel enthalten nämlich wichtige Vitamine und Mineralstoffe, auf die Du nicht verzichten kannst – sie sind essentiell, das heißt, der Körper kann sie nicht selbst herstellen. Hinzu kommt, dass Du als Histaminer beispielsweise von zusätzlichem Vitamin C profitierst.

Oft sind Lebensmittel daher eben nicht einfach „gut“ oder „böse“, sondern ein bunter Mix aus beidem. Kakao enthält neben einigen biogenen Aminen, die einen ähnlichen Abbauweg wie Histamin haben (was auch ein biogenes Amin ist), zum Beispiel Magnesium. In Maßen (nicht Massen) wird Schokolade daher bei uns ganz gut vertragen, sofern sonst nichts „Böses“ drin ist. Mehr dazu hier. Selbst Zitronen, die als Liberator gelten, haben wir wieder auf dem Speiseplan, weil, mit einem recht hohen Vitamin-C-Gehalt, die Vorteile von Zitronensaft bei uns überwiegen. Yeah!

Was bei Dir und in welcher Menge geht, solltest Du individuell ausprobieren. Daher kann ich keine allgemeine Empfehlung für die farbenfrohen Gewürzmischungen von Sonnentor aussprechen. Aber ich kann sie Dir nach dieser Vorbemerkung mal in ihrer ganzen Farbpracht zeigen.

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Und selbst wenn die Latte-Mischungen nicht in Deine Liste passen, bist Du zum Beispiel in Sachen Tee bei Sonnentor an der richtigen Adresse. Denn dort gibt es zum Beispiel Weißen Tee aus Bio-Landwirtschaft * sowie lose Kräutertees*, die Du pur genießen kannst oder aus denen Du Deine ganz persönliche Wohlfühlmischung zusammenstellen kannst.

Latte kann man auch essen

Während das Team von Wolfgang Coffee beim Blog-Event für weichen, blasenfreien Milchschaum nach 1A-Barista-Standard gesorgt hat, hat das Sonnentor-Kulinarik-Team einige Leckereien ausgetüftelt, die ebenfalls mit den Gewürzmischungen gepimpt gewesen sind. Gut, dass ich auf leeren Magen dort war 😉

So konnte ich mich einmal reihum durchprobieren. Es gab zum Beispiel Cupcakes mit pinkem Rote-Bete-Topping, kreisrund ausgestochene Müsliriegel – ebenfalls mit „Rote Bete Latte“ – sowie Milchreis mit Kardamom-Veredelung und einiges mehr. Wenn Du selbst einmal ausprobieren möchtest, was mit den neuen Gewürzmischungen so alles möglich ist, hast Du jetzt die Chance dazu.

Ich verlose ein Set, bestehend aus „Rote Bete“, „Kardamom“ und „Kurkuma“, womit Du schmackhafte Heißgetränke von Goldener Milch bis hin zu pinkem Cappuccino selbst zaubern kannst. Und wenn Du dann immer noch nicht genug hast, geht es daran, Törtchen, Kuchen oder sogar Brot bunt einzufärben – alles bio natürlich – mit den Latte-Mischungen von Sonnentor.

Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasse bitte eine „Flaschenpost“, in der Du mir verrätst, was Du mit den neuen Latte-Mischungen von Sonnentor so anstellen würdest. Die Teilnahme ist aus Österreich und Deutschland möglich und das Gewinnspiel läuft bis zum 23. Februar 2018 23:59. Das Los entscheidet zeitnah, wer gewonnen hat. Ich melde mich dann per E-Mail bei dem Gewinner oder der Gewinnerin.

Viel Glück!

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Puffer aus gekochten Kartoffeln …

Heute gibt es mal wieder ein besonders einfaches Rezept, das sich sowohl zur Resteverwertung als auch dann anbietet, wenn Du gerade nicht so viel im Kühlschrank hast. Wir haben die meisten der folgenden Zutaten ohnehin immer daheim – Du womöglich auch.

Da bei diesem Rezept Fisch verwendet wird, ist es nicht für alle verträglich. Je nach individueller Empfindlichkeit bitte den Räucherlachs einfach weglassen! Erwähnt sei jedoch, dass wir mit ein wenig Wildräucherlachs, sofern der nicht jeden Tag auf den Teller kommt, ganz gute Erfahrungen gemacht haben. “Normaler” Räucherlachs aus Aquakultur wird hingegen bei uns eher nicht vertragen. Wichtig ist zudem, eine einmal angefangene Packung möglichst bald zu verbrauchen.

Ähnliches gilt übrigens für Hüttenkäse. Der ist grundsätzlich recht histaminarm. Sobald eine Packung jedoch einmal angebrochen ist, verdirbt Hüttenkäse rasch. Während Frischkäse bei HIT schon mal 3–4 Tage im Kühlschrank gelagert und noch ohne Probleme gegessen werden kann, sollte Hüttenkäse, so unsere Erfahrung, doch innerhalb von 2 Tagen aufgebraucht werden.

So, nach dieser kurzen Vorbemerkung geht’s direkt in die Kombüse:

Kartoffelpuffer mit Wildräucherlachs und Hüttenkäsedip auf Blattsalat

Zubereitungszeit:

ca. 1 h

Schwierigkeit:

einfach

Zutaten für 2 Personen:

  • ca. 300 g Kartoffeln
  • 1 Pck. Hüttenkäse (bio & natur)
  • 1 EL Milch
  • 1 EL Frischkäse (bio & natur)
  • 1 – 2 Scheiben Wildräucherlachs
  • ca. 6 Salatblätter grüner Batavia (für jeden Puffer eins)
  • 1 Ei
  • etwas Kartoffelmehl
  • Leinsamenöl
  • Salz und Pfeffer
  • Kräutermischung nach Wahl bzw. Verträglichkeit
  • Öl zum Braten, z. B. Olivenöl

Zubereitung:

Anders als die meisten Puffer oder Reibekuchen, werden die folgenden aus gekochten Kartoffeln zubereitet. Ich mag das, weil sie dann nicht so faserig, aber auch weniger knusprig sind.

Je nach Hunger kannst Du mehr oder weniger der angegebenen Kartoffeln nehmen. Zur Resteverwertung bieten sich Kartoffeln vom Vortag an. Vorausgesetzt, Du hast sie direkt nach dem Abkühlen auf Zimmertemperatur in einen luftdichten Behälter* umgefüllt und in den Kühlschrank gestellt.

Tipp: Vor der weiteren Verarbeitung noch mal in ein Sieb geben und abspülen.

Du kannst natürlich auch direkt von der rohen Kartoffel weg starten. Dazu, wie gewohnt, Kartoffeln schälen und in kleine Würfeln schneiden und in leicht gesalzenem Wasser mit etwas Kümmel (optional) kochen. Anschließend abseihen und mit Wasser gründlich abspülen.

Tipp: Durch das Abspülen mit kaltem Wasser kühlen die Kartoffeln nicht nur schneller für die Weiterverarbeitung aus, sondern sie werden dadurch auch verträglicher. Histamin ist bekanntlich wasserlöslich.

Die Kartoffeln mit etwas Leinsamenöl (ca. 2 EL), Salz, Pfeffer und Kräutern in einer Schüssel mit einem Kartoffelstampfer* zerkleinern bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Ich mag es noch ein bisschen stückig. Mit einem Ei und etwas Kartoffelmehl vermengen, bis ein glatter Teig entsteht. Daraus kleine Kugeln formen, so als ob Du Klöße machen wolltest, diese dann flach drücken. Von beiden Seiten goldbraun braten.

Für den Dip Hüttenkäse mit Frischkäse, etwas Milch und ca. 1 EL Leinöl, Salz, Pfeffer und frischen Kräutern mit einer Gabel vermengen.

Salatblättern waschen und z. B. mithilfe einer Salatschleuder* trocknen.

Auf einem Teller je einen Puffer mit einem großzügigen Klecks Dip und einem daumengroßen Stück Räucherlachs auf einem Salatblatt anrichten. Mit frischen Kräutern, wie Kresse oder Petersilie, garnieren und servieren.

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Jetzt neu: Piraten-Shop

Als Histamin-Pirat habe ich das Thema Histaminintoleranz für mich gekapert. Auf meinem Piratenschiff findest Du allerlei leckere Rezepte und zahlreiche Tipps rund um das Leben mit Histaminintoleranz und seit neuestem gibt es auch einen Shop.

Der Piraten-Shop: Motivierende Sprüche, die Mut machen

Hier findest Du kreative Designs für T-Shirt, Tasse und noch mehr. Die von mir gestalteten Artikel sollen Dich auf Deiner Histaminreise mit Humor und einem Augenzwinkern begleiten. Schließlich ist es oft schwer genug, mit gewissen Einschränkungen zu leben. Warum sich also nicht mit motivierenden Sätzen etwas Mut zusprechen?

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Im Partnershop von Spreadshirt kannst Du darüber hinaus auch Deine eigenen Artikel entwerfen. Die Schürzen, Handyhüllen und Caps geben übrigens auch als Geschenk eine gute Figur ab. Und weil der Piraten-Shop gerade erst eröffnet wurde, gibt es für die nächsten Tage noch 15 Prozent auf alles. Schau mal vorbei!

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Ich glaub’, ich werd’ verrückt … – Histamin, Medikamente und die (mentale) Gesundheit

Wer krank ist, leidet, und wer leidet, möchte nur möglichst bald wieder beschwerdefrei sein – eigentlich: gesund. Kein Wunder, dass der Wunsch nach einem Wundermittel groß ist! Die eine Pille, Kapsel oder Tablette – kaum hat man sie geschluckt, entfaltet sie ihre Wirkung und es geht einem wieder gut. Das wäre doch was!

Wundermittel gibt es nicht

Tatsächlich ist in unserer Gesellschaft, sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten, der Glaube an solche „Wundermittel“ gar nicht mal so klein. Wir nennen sie jedoch nicht „Wundermittel“. Es ist eben „Medizin“. Das Medikament muss man nehmen und schon bald ist der Patient genesen, soweit die Theorie. In der Praxis sieht es oft anders aus. Der Volksmund sagt zum Beispiel über grippale Infekte (nicht dasselbe wie Grippe!): Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage. Alternativ hat sich der Spruch „Eine Erkältung dauert mit Behandlung nur 7 Tage, ohne hält sie eine ganze Woche an“ eingebürgert.

Eine Erkältung wird in aller Regel von Viren ausgelöst und die sind nicht nur sehr wandelfähig, sondern davon gibt es auch einfach viiiel zu viele, als dass eine gezielte Behandlung bei einem grippalen Effekt von Erfolg sein könnte. Es gibt jedoch ein paar Hausmittelchen, die die Beschwerden lindern und den Leidensweg erleichtern. So hilft inhalieren, die Atemwege freizubekommen. Warme Getränke, vor allem ungesüßter Tee, legen sich wie ein Balsam auf den gereizten Rachen und versorgen den Körper, der gerade auf Hochtouren gegen die fiesen Eindringlinge vorgeht, mit ausreichend Flüssigkeit. Was der Körper gerade leistet, lässt sich auch am Thermometer anhand der erhöhten Körpertemperatur ablesen. Erst wenn diese in einen kritischen Bereich rutscht, sollten fiebersenkende Maßnahmen eingeleitet werden.

Wie ist das bei Histaminintoleranz?

Doch genug mit der Erkältung, die jemand mit intaktem Immunsystem ganz allein bewältigt! Wie ist das nun mit Histaminintoleranz? Genau wie oben bereits am Beispiel der Erkältung beschrieben, gibt es nicht die eine Wunderwaffe im Kampf gegen HIT. So wie für die Erkältung zahlreiche unterschiedliche Viren verantwortlich sein können, ist auch die Entstehung einer Histaminintoleranz nicht monokausal zu erklären. Meist spielen viele Faktoren eine Rolle und was genau HIT im Einzelfall auslöst, wird nach wie vor heiß diskutiert. Aufgrund dieser Lage ist es ziemlich schwierig, das Allheilmittel für HIT-Patienten zu entwickeln, denn jede Histaminintoleranz ist ein bisschen anders, wenn man so will.

Das Problem beginnt ja meist bereits mit der Diagnose. Nicht mal hier gibt es die eine Patentlösung, die für alle funktioniert. Stattdessen werden meist mehrere Diagnoseverfahren miteinander verbunden, um sicher zu gehen, darunter:

  • Eliminationsdiät mit anschließender Provokation (immer noch der Goldstandard der HIT-Diagnose)
  • Stuhl- oder Urinuntersuchung auf Histaminabbauprodukte (stark abhängig von Ernährung, Darmflora etc., zu starke Schwankung)
  • DAO-Wert oder -Aktivität mittels Bluttest feststellen (schwankt stark je nach individueller Ernährungsweise und Tagesverfassung und setzt strikte Standards an das Labor voraus)
  • 50-Skin-Prick-Test (basiert auf dem Pricktest zum Testen von Allergien, erfordert ein geschultes Auge des Arztes bei der Einschätzung)

Das liegt vor allem daran, dass Histamin so viele verschiedene Funktionen im Körper erfüllt, sowohl als Neurotransmitter als auch als Gewebshormon. Da es sich um einen körpereigenen Stoff handelt (anders als zum Beispiel Gluten, das wir nur mit der Nahrung aufnehmen), gehört HIT zu den „komplizierteren“ Intoleranzen, wenn es darum geht, den Wirkmechanismus genau zu verstehen.

Nach der Diagnose HIT: Therapieansätze

Was, wenn die Diagnose HIT steht? Jetzt geht es erst richtig los. Ärzte empfehlen meist eine histaminarme Diät und geben eventuell noch eine Lebensmittelliste zur Übersicht mit. Alternativ wird direkt mit der Kartoffel-Reis-Diät begonnen, die nicht ganz unumstritten ist, da sie zu Mangelerscheinungen beitragen kann, wenn dieses Werkzeug, um eine eigene Lebensmittelliste zu erstellen, sehr lange angewandt wird.

Mangelerscheinungen können übrigens durchaus den HIT-Symptomen ähneln und Mängel können natürlich auch zu histaminbezogenen Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Flush etc., beitragen. Die histaminabbauenden Enzyme DAO und HNMT sind unter anderem auf eine ausreichende Versorgung mit Zink, Magnesium, B-Vitaminen, Calcium und Mangan angewiesen. Darüber hinaus kann ein Vitamin-D-Mangel HIT-Symptome verschlimmern. Denn wie alle fettlöslichen Vitamine, beeinflusst auch Vitamin D das Immunsystem. Und Histamin, als Entzündungsmediator, ist eng mit dem Immunsystem verknüpft.

In jedem Fall ist es wichtig, eine eigene Lebensmittelliste zu entwickeln, und nicht etwa pauschal Lebensmittel auszuschließen, weil irgendeine Liste das vorgibt. Denn die Toleranzschwelle für einzelne Lebensmittel variiert stark von Betroffenem zu Betroffenem. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu einer persönlichen Lebensmittelliste zu kommen. In jedem Fall sollte ein Ernährungstagebuch geführt werden.

Die Ernährungsumstellung empfinden die meisten HIT-Patienten als mühsam und so wächst wieder einmal der Wunsch, der Genesung auf die Sprünge zu helfen. Mittlerweile hat auch die Pharmaindustrie Wind von der Histaminintoleranz bekommen und vertreibt entsprechende „Spezialprodukte“, wie zum Beispiel Daosin, das für die sogenannte Enzymersatztherapie genutzt wird.

Durch die Einnahme kurz vor dem Verzehr von Speisen wird dem Körper künstlich DAO zugeführt, in der Hoffnung so wieder mehr essen zu können bzw. auch mal mit Lebensmitteln von der „roten Liste“ „sündigen“ zu können. Doch Daosin ersetzt nur ein histaminabbauendes Enzym: DAO, aber nicht HNMT. Somit ist es gegen sogenannte Liberatoren sowie andere Histamintrigger, wie zum Beispiel Stress, machtlos. Hinzu kommt – und das ist nun ausdrücklich meine Meinung – dass Daosin nichts für die Langzeitanwendung ist (nicht nur, weil es recht teuer ist), sondern etwas für den „Notfall“, wenn man mal zum Essen eingeladen ist oder so. Durch die künstliche Zufuhr des fertigen Enzyms wird dem Körper bei langfristiger Einnahme vorgegaukelt, dass eh genügend DAO vorhanden ist und somit wird die meist ohnehin schon geringe körpereigene DAO-Aktivität weiter herabgesetzt. Daosin kann eine HIT nie heilen, sondern lediglich zeitweise zur Erleichterung eingesetzt werden.

Antihistaminika, die auch gegen Heuschnupfen und andere Allergien angewandt werden, werden ebenfalls zur Behandlung für HIT herangezogen. Doch was machen die eigentlich? Je nach Art des Antihistaminikums bindet der enthaltene Wirkstoff an unterschiedliche Histaminrezeptoren. Solche Rezeptoren sind sozusagen die „Symptomschaltzentrale“ und die Antihistaminika kappen quasi die Verbindung, so dass es nicht zu den unangenehmen Symptomen wie Kopfschmerzen, Flush, Herzrasen, Schwindel, Schüttelfrost etc. kommt.

Doch obwohl die Vorsilbe „anti-“ enthalten ist, wirken sie nicht wirklich „gegen“ Histamin – der Histaminspiegel wird nicht gesenkt. In Notfallsituationen macht der Einsatz von Antihistaminika Sinn, aber sie können nicht präventiv genutzt werden und sollten auch nicht langfristig angewandt werden. Sie helfen lediglich, das Leiden zu lindern, wenn man zum Beispiel etwas „Falsches“ von der eigenen Lebensmittelliste erwischt hat.

Von der eigentlichen Therapie – einer Ernährungsumstellung – einmal abgesehen, sind Daosin und Antihistaminika die Hauptbehandlungswege bei HIT. Im Fall von Mastzellaktivierungserkrankungen kommen häufig noch sogenannte Mastzellstabilisatoren hinzu, die verhindern, dass der Körper eigenes Histamin aus den Mastzellen freisetzt. Zahlreiche Lebensmittel von Kurkuma bis Heidelbeeren enthalten ebenfalls Stoffe, die mastzellstabilisierend wirken. Im Idealfall nimmt man so seine Medizin mit der Nahrung auf (das funktioniert nur leider nicht immer).

In Ausnahmefällen werden Schmerzmittel bei Beschwerden verabreicht, das natürlich nicht ohne Nebenwirkungen und obendrein ohne Wirkungsgarantie. Tatsächlich bringen die meisten Kopfschmerztabletten bei histamintypischer Migräne wenig.

Wir verzichten fast vollständig auf Medikamente in Tablettenform. Lediglich der gezielte Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln macht dann und wann Sinn für uns, nämlich dann wenn ein Mangel nachgewiesen worden ist. Zwei Bücher, die ich kürzlich gelesen habe, unterstreichen unseren Skeptizismus, denn Patienten werden oft übertherapiert oder sogar falsch behandelt.

Übermedikamentation und Fehlbehandlung – auch ein Thema bei Histaminintoleranz?

In seinen zwei Büchern „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität. Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert“* und „Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen. Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen“* zeichnet der dänische Arzt für Innere Medizin, Peter C. Gøtzsche, ein düsteres Bild, jedoch nicht, ohne gleichzeitig praktische Hinweise zu geben, wie der medizinische Sektor verbessert werden könnte.

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich vor so reißerischen Titeln nicht zwingend zurückschrecke. Don’t judge a book by its cover, lautet meine Devise. Denn tatsächlich handelt es sich um konstruktive Kritik, die man sich insbesondere als Patient, aber auch als angehender oder behandelnder Arzt durchaus auf der Zunge zergehen lassen kann. Beide Bücher sind jedoch in erster Linie für Patienten geschrieben. Sie sollen dem Patienten ein Werkzeug sein, mit dessen Hilfe er bewusste Entscheidungen zum eigenen Wohl treffen kann.

Mit einem kritischen Blick auf die Pharmaindustrie sowie der Erwähnung von Interessenskonflikten von Ärzten, versteht es sich von selbst, dass die Bücher einigen Ärzten und vor allem der Pharmaindustrie übel aufstoßen. So sind im Internet zahlreiche Verrisse der beiden Bücher zu finden. Doch ich bilde mir ganz gerne meine eigene Meinung und rate das auch jedem, der hier mitliest. Auch meine Meinung muss und soll daher nicht einfach für bare Münze genommen werden.

Drei Medikamentengruppen, die auch eng mit Histaminintoleranz zusammenhängen, greift Gøtzsche in seinen Büchern besonders heraus: Antidepressiva (und andere Psychopharmaka), Schmerzmittel sowie Protonenpumpenhemmer (bei Sodbrennen).

Antidepressiva – wirken sie wirklich gegen Depressionen?

Nach seinem ersten Buch über das medizinische System, Interessenkonflikte und die von der Pharmaindustrie gesponserten Studien sowie Nebenwirkungen allgemein hat Gøtzsche den Psychopharmaka ein eigenes Buch gewidmet. Die angesprochenen Kritikpunkte von Übermedikamentation über Interessenkonflikte bis hin zu manipulierten Studien und frappierenden Nebenwirkungen sind im Bereich der Psychiatrie besonders offensichtlich.

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei dem Folgenden vorausgeschickt, dass weder ich noch Peter C. Gøtzsche durch die Kritik an gängigen schulmedizinischen Behandlungsmethoden von psychischen Krankheiten, wie Depressionen oder Schizophrenie, das Vorhandensein dieser Krankheiten oder die Schwere dieser Leiden infrage stellen. Vielmehr ist es so, dass leider viele Medikamente nicht wirken oder schlimmer noch, Symptome noch verstärken oder weitere hervorrufen. Hinzu kommt, dass der Diagnosekatalog für psychische Krankheiten seit Jahren aufgeweicht wird, wodurch immer mehr Menschen in psychiatrische Behandlung kommen, obwohl sie vielleicht nur eine belastende, stressige Phase durchmachen, zum Beispiel nach dem Verlust einer nahestehenden Person.

Viele Betroffene von HIT haben den Umweg über die psychologische und/oder psychiatrische Abteilung gehen müssen, bevor sie bei ihrer eigentlichen Diagnose angelangt sind. Da für ihre Symptome, wie Herzrasen, keine organische Ursache gefunden werden kann, werden sie zuweilen in die Hypochonder-Ecke geschoben. Weil sie das Gefühl haben, Essen mache sie krank, weisen sie Symptome einer depressiven Verstimmung auf und werden mit Antidepressiva behandelt, welche HIT-Symptome oft verstärken und nur schwer abzusetzen sind.

Antidepressiva aus der Familie der SSRI (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor), zu deutsch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, erhöhen den Serotonin-Spiegel im Hirn, wodurch die Rezeptorempfindlichkeit herabgesetzt wird. Dieser Umstand macht es in der Folge enorm schwierig, Medikamente wie Sertralin, Citalopram, Paroxetin oder Fluoxetin abzusetzen. Denn ohne die Weitergabe des Medikaments fällt der Serotonin-Spiegel rapide ab. Entzugserscheinungen treten auf. Schließlich ist das Hirn (und der Körper – Serotonin beeinflusst unter anderem auch die Darmbewegungen) den künstlich hochgehaltenen Serotonin-Spiegel gewohnt.

Bei Antipsychotika, die den Dopaminspiegel senken, funktioniert das Spiel umgekehrt. Durch den künstlich gering gehaltenen Dopaminspiegel sind die Dopaminrezeptoren empfindlicher und auch hier kommt es bei plötzlichem Absetzen des Medikaments zu Entzugserscheinungen. Daher sollten Antidepressiva und Antipsychotika unter Aufsicht ausgeschlichen werden, also die Dosis sukzessive verringert werden.

Wie in einem Teufelskreislauf werden solche Entzugserscheinungen oft als Krankheitssymptome fehlgedeutet, wodurch das Medikament schließlich im Dauerbetrieb genommen wird oder sogar die Dosis erhöht wird. Ironischerweise geht es daher, so eine Studie, auf die Gøtzsche verweist, Schizophrenie-Patienten in Entwicklungsländern, in denen die Medikamentenversorgung meist schlechter als bei uns ist, schneller wieder besser. Sie genesen mitunter sogar, weil sie oft ohne Medikamente behandelt werden.

Gøtzsche geht in seinem Buch jedoch noch weiter und verweist auf mehrere Studien, die vor allem bei jungen Menschen ein erhöhtes Suizidrisiko innerhalb der ersten Tage und Wochen nach Therapiebeginn mit Antidepressiva feststellen konnten (damit also negative Empfindungen erst auslösen und nicht behandeln!). SSRI erhöhen jedoch nicht nur das Selbsttötungsrisiko, sondern auch die Gewaltbereitschaft gegen andere. Immer wieder wird daher die Rolle von Antidepressiva und anderen Psychopharmaka im Zusammenhang mit Gewaltdelikten diskutiert. Beispielsweise ist Stephen Paddock, der am 1. Oktober 2017 mindestens 58 Menschen in Las Vegas getötet und zahlreiche weitere verletzt hat, im Juni Diazepam verschrieben worden. Eric Harris, der an der Schießerei an der Columbine High School beteiligt gewesen war, nahm das Antidepressivum Luvox ein. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Gøtzsche spricht sich in seinem Buch zudem vehement gegen die Zwangsbehandlung und die Fixierung in psychiatrischen Anstalten aus. In wenigen Pilotversuchen konnten weitaus bessere Behandlungsergebnisse auf der Basis von respektvoller Gesprächskultur bei Schizophrenen und anderen Patienten erzielt werden. Er weist außerdem darauf hin, dass degradierende Behandlungsmethoden wie die Fixierung an Betten, die Arzt-Patienten-Beziehung zerstören und nicht weniger, sondern mehr Personal erfordern würden. Schließlich müsse ja jemand den fixierten Patienten beaufsichtigen, was jedoch in der Praxis, sei es aufgrund von Personalmangel oder aus anderen Gründen, oft vernachlässigt wird.

Sehr kritisch steht Gøtzsche den biologischen Erklärungsansätzen für psychische Leiden gegenüber (das Thema Ernährungsmängel lässt er hier jedoch unerwähnt). Dass etwa ein Serotoninmangel für Depressionen verantwortlich sei, tut er als Märchen ab. Ganz so einfach ist es vielleicht nicht, dennoch sei an dieser Stelle zu denken gegeben, dass Psychologen und Psychiatern kein Test zur Verfügung steht, der am lebenden Patienten ein solches „Ungleichgewicht im Gehirn“ nachweisen könnte. Stattdessen wird anhand eines Symptomkatalogs diagnostiziert – oft jedoch nicht von Psychologen oder Psychiatern, sondern von Allgemeinmedizinern, die laut Gøtzsche 90 Prozent der Psychopharmaka verschreiben.

Das dazugehörige DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) wird alle paar Jahre in überarbeiteter Fassung herausgebracht. Mittlerweile sind wir bei DSM-5. Problematisch sind die immer weiter herabgesetzten Anforderungen, um als Patient in ein Diagnosemuster gesteckt zu werden. Hinzu kommt die Bestrebung, neue Krankheiten zu (er-)finden. Relevant im Zusammenhang mit HIT ist beispielsweise die Orthorexie, der zwanghafte Drang, nur „richtig“ essen zu wollen, eine bisher nicht anerkannte Essstörung, die aber womöglich in Zukunft in diesen Katalog aufgenommen werden könnte und HIT-Patienten wiederum in die „Psycho-Ecke“ stellen würde. Einen, meiner Meinung nach, sehr guten Artikel zu diesem Thema hat beispielsweise der Gynäkologe Sven Harrenberg auf seine Praxisseite gestellt.

Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung?

Schmerzmittel haben in der Langzeiteinnahme zahlreiche Nebenwirkungen, darunter beispielsweise das erhöhte Risiko für Thrombosen. Die sogenannten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) werden jedoch nicht nur bei Schmerzen verordnet, sondern auch bei chronisch-entzündlichen Krankheiten wie Rheuma, weil sie angeblich entzündungshemmend wirken. In einer Studie wurde dazu untersucht, ob Schmerzmittel tatsächlich Schwellungen lindern (und nicht nur Schmerzen), um diese entzündungshemmende Wirkung nachzuweisen. Das Ergebnis fiel negativ aus. Schmerzmittel lindern also wirklich nur Schmerzen und sollten nur im Notfall angewandt werden, etwa nach einer Operation oder bei sehr starken Schmerzen, wie sie beispielsweise bei der Behandlung von Krebs auftreten.

Protonenpumpenhemmer – das Allheilmittel gegen Sodbrennen?

Sodbrennen oder Reflux ist unangenehm und schmerzhaft. Bleibt der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre lange unbehandelt, sind Schäden, wie Vernarbungen an der Speiseröhre, nicht ausgeschlossen. Wer über Reflux klagt, bekommt daher schnell mal einen Protonenpumpenhemmer verschrieben. Tatsächlich, so schreibt Gøtzsche, werden 50 Prozent dieser Medikamente ohne Indikation verordnet.

Doch damit nicht genug, ähnlich wie bei den Antidepressiva und Antipsychotika treten beim plötzlichen Absetzen von Protonenpumpenhemmern Entzugserscheinungen auf, wodurch auch sie oft länger genommen werden, als es nötig wäre. Protonenpumpenhemmer bringen das Hormongleichgewicht durcheinander, was, ähnlich wie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin, eng mit Histamin verbunden ist. Gerät hier etwas aus der Balance, kann das auch HIT-Symptome verschlimmern. Bei Sodbrennen ist es daher viel wichtiger, die Ursache für den Reflux zu finden. Das kann zum Beispiel eine gestörte Darmflora und/oder eine Intoleranz sein.

Zusammenfassung

Medikamente sind per se nichts Schlechtes. Jedoch sollte jedem klar sein, dass mit einer Wirkung auch Nebenwirkungen möglich sind. Einige Medikamente machenbei Histaminintoleranz bei kurzfristiger Gabe oder im Notfall durchaus Sinn, empfehlen sich jedoch nicht für eine Langzeittherapie – das gilt zum Beispiel für Schmerzmittel und Antihistaminika. In Sachen HIT, wie bei anderen Beschwerden auch, ist Ursachenforschung gefragt, und meist ein Wandel in Lebenswandel sowie Ernährungsweise sinnvoll.

Peter C. Gøtzsche geht in seinem Buch nicht nur mit der Pharmaindustrie scharf ins Gericht, sondern wirft auch ein kritisches Blick auf die Alternativmedizin. Ich stimme zu, dass Quacksalberei von echten Heilpraktiken, vor allem für den Laien, zuweilen nicht ohne Weiteres zu unterscheiden ist. In dem Bereich wird viel Humbug verbreitet. Trotzdem kann man deshalb nicht alle Heilpraktiker oder Alternativmediziner über einen Kamm scheren.

Als konkretes Beispiel führt Gøtzsche eine Metastudie zur Behandlung mit Nachtkerzenöl bei Neurodermitis an, ohne jedoch im Fließtext seines Buchs darauf hinzuweisen, dass es sich lediglich um die orale Gabe handelt, die untersucht wird. Die Einnahme von Nachtkerzenöl bringt demnach keinen effektiven Nutzen bei dieser Hautkrankheit. Dass die topische Anwendung, also auf der Haut, durchaus wirksam ist, wird in seinem Buch verschwiegen.

Genau solche Auslassungen bzw. Generalitäten, die Gøtzsche selbst nur allzu gern kritisiert, unterlaufen ihm hier und da also selbst. Das zeigt sich an anderer Stelle im Buch auch, wenn er Patientenorganisationen oder Blogger kritisiert, die sich oft bereitwillig der Pharmaindustrie hingeben, was er ein paar Seiten später wieder relativiert – nicht alle Patientenorganisationen und Blogger sind so, zum Glück. Kurz nachdem ich diesen Abschnitt gelesen hatte und doch für recht hanebüchen empfand, erreichte mich – Ironie des Schicksals – eine E-Mail, die zu einem Kongress nach Berlin einlud. Hauptsponsor war Pfizer, wodurch eine Teilnahme für mich nicht infrage kam. Doch die Nachricht war Beleg für mich, dass das, was der Autor in seinem Buch beschrieben hat, tatsächlich stattfindet, wenn auch ohne mich.

Leider habe ich auf meine Interviewanfrage bisher keine Antwort vom Autor erhalten. Sollte sich das noch ändern, liefere ich das Gesprächstranskript gerne noch nach.

Ich könnte noch wesentlich mehr Details und vor allem die zahlreichen Verbesserungsvorschläge von Peter C. Gøtzsche hier vorstellen, allerdings ist der Artikel bereits jetzt sehr lang geraten. Wer also neugierig geworden ist, greift am besten selbst zur Lektüre. Hier die Daten:

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für die gratis zur Verfügung gestellten Rezensionsexemplare. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat