(Anzeige) Kochbox bei Histaminintoleranz – geht das überhaupt? BioRezeptkistl vorgestellt

Als Histamin-Pirat habe ich das Thema Histaminintoleranz für mich gekapert, habe Rezepte ausgetüftelt und viel Zeit in der Kombüse, vorm Bildschirm und über Büchern verbracht. Ist es mir manchmal zu viel? Klar. Ich habe auch Tage, an denen ich darauf verzichten könnte, durch den Supermarkt zu tigern, Packungen umzudrehen, nur um mich zu fragen: „Darf ich das?“. Tage, an denen ich mich freuen würde, mal ein Kochbuch aufzuschlagen und sagen zu können: „Genau, das mache ich jetzt.“

Aktuell schwirren Kochboxen durch die Werbung. Das Konzept vereint zwei tolle Ansätze: Wir nehmen Dir das Einkaufen und Rezepte-Tüfteln ab. Du musst nur noch kochen. Grundzutaten wie Mehl, Öl oder Butter solltest Du zuhause haben. Nudeln, Sahne/Obers, Obst und Gemüse bringen wir Dir vorbei, lautet die Devise. Vor allem für Berufstätige und Familien verspricht das jede Menge Erleichterung. Doch bei Histaminintoleranz stellt sich die Frage: Kochbox – geht das überhaupt mit HIT? Ich hab’s ausprobiert.

Frisch und bio – das BioRezeptkistl vom Adamah Biohof

Man glaubt gar nicht, wie viele Kochboxanbieter es mittlerweile gibt. Für mich bedeutet das: Offensichtlich besteht Nachfrage. Wir wollen selber kochen statt beim Lieferdienst zu bestellen. Trotzdem wäre es fein, dafür nicht erst Menüs planen zu müssen, nur um nach der Arbeit in den Supermarkt zu gehen, wo wir dann, kurz vor Ladenschluss, vielleicht doch zwei Zutaten nicht bekommen. Mit der Kochbox kommen die Zutaten sowie die passenden Rezepte direkt vor Deine Haustür. Bei den BioRezeptkistln (der Name lässt es erahnen) sind die Zutaten allesamt aus biologischer Landwirtschaft. Das ist mir wichtig.

Die von der Ernährungswissenschaftlerin und Köchin Julia Schwerd erarbeiteten Rezepte sind reichhaltig und der Rezeptplan vielseitig. Außerdem legt man bei Adamah Wert auf saisonale Köstlichkeiten. So kommt man rund ums Jahr in den Genuss von heimischem Gemüse – stets im Rhythmus der Natur. Was mir dabei besonders gefällt: Auch Raritäten wie Sauerampfer stehen auf dem Programm sowie Zutaten, an die sich so mancher von sich aus vielleicht nicht wagen würde. Denn was mache ich eigentlich mit Rote Bete?

Die Kisten werden wöchentlich bis an die Wohnungstür gebracht. Während Gemüse und Obst in einer Art offener Bäckerkiste kommen, finden sich Produkte, die wir sonst im Kühlregal bekommen, in einer Thermobox mit Kühlaggregat. So kann man sich sicher sein, dass Joghurt, Schmand & Co frisch in den eigenen Kühlschrank wandern.

Klassisch, vegetarisch oder für Eilige – die passende Kochbox für (fast) jeden Geschmack

Der Adamah Biohof bietet insgesamt drei Kochboxen an, aus denen Du wählen kannst. Das klassische BioRezeptkistl enthält Gemüse sowie Fleisch. Wer es lieber fleischlos mag, greift zum vegetarischen BioRezeptkistl. Für ganz Eilige, die nicht länger als 30 Minuten am Herd stehen wollen, gibt es das 30-Minuten-BioRezeptkistl.

Ich habe mir die vegetarische Kochbox bringen lassen.

Gute pflanzenbasierte Gerichte zu finden, ist bis heute in vielen Restaurants eine Herausforderung. Man möchte ja nicht nur Salat knabbern, sondern ein tatsächliches Gericht serviert bekommen. So war ich neugierig, was der Adamah Biohof aus den Köstlichkeiten vom Feld kredenzen würde. In meiner Testwoche gab es Schwammerlgulasch mit Semmelknödeln und Thymian, Wurzelrisotto mit Petersil-Zitronengremolata und Frühlingssalat sowie One-Pot-Orecchiette mit Melanzani-Paradeissugo und Zitronenzesten.

Bei kundigen Histaminern gehen da womöglich schon die Alarmglocken an: Schwammerln (Pilze), Zitrone, Paradeiser (Tomaten)?! Das würde den ein oder anderen Histaminer sicher umhauen und erstmal ins Sauerstoffzelt oder, wie hier in solchen Fällen, in die Badewanne befördern.

Während Zitronen hier ganz prima funktionieren und Limetten erfahrungsgemäß noch besser gehen, kommt es bei Pilzen und Tomaten sehr darauf an. Hin und wieder geht bei uns beides, sofern der Rest des Gerichts nicht noch einen fiesen DAO-Blocker oder einen Histaminknaller enthält. Alkohol wäre so ein Übeltäter, der den Histaminabbau hemmt (DAO-Blocker), und zu allem Überfluss gerne selbst auch Histamin enthält, sofern er nicht als histaminzertifiziertes Getränk auf dem Etikett Entwarnung gibt. Parmesan, also lang gereifter Käse, ist in jedem Fall so ein Histaminknaller, der hier wirklich nur in kleinen Mengen eingesetzt werden darf.

Der Histaminer hat daher vor allem von der One-Pot-Pasta, bei der wir die Melanzani (Aubergine) weggelassen haben, und vom Schwammerlgulasch eher probiert, als wirklich zugeschlagen.

Immer diese Experimente vom Histamin-Piraten! 😉 Das Wurzelrisotto war jedoch was Feines. Wie gesagt: Zitrone und Parmesan gehen hier in kleinen Mengen. Das muss für Dich nicht genauso sein. Endlich habe ich eine sinnvolle Verwendung für Rote Bete gefunden.

Das sehr erdig schmeckende Wurzelgemüse kann schnell in den Vordergrund treten und braucht daher einen erfrischenden Gegenspieler. Mit der Petersil-Zitronengremolata (wieder ein Wort gelernt) bekommt das Risotto einen spritzigen Geschmackskick. Da schmeckt sogar Rote Bete. Und: die Farbe! Optisch macht das Wurzelrisotto wirklich was her, was man gerade von Risotto sonst nicht behaupten kann. Wer empfindet so ein breiiges Gericht schon als Augenschmaus? Gaumenfreude, ja. Aber hier stimmt beides.

Das kommt mir nicht ins Kistl! Kochbox für individuelle Bedürfnisse zusammenstellen

Das eigentliche Problem bleibt aber: So praktisch durchgestylte Kochboxen sind, wenn es um Zeitersparnis geht, so unpraktisch sind sie, wenn man individuelle Ernährungsbedürfnisse mitbringt. Während man beim Adamah Biohof bereits auf persönliche Vorlieben von Vegetariern eingeht (das machen durchaus nicht alle Kochbox-Anbieter), fehlt es an einer Kochbox für Histaminer und für alle anderen „Intoleranten“. Oder doch nicht?

Alle Rezepte sind in der Datenbank vom Adamah Biohof gespeichert. Ein Klick und da bist Du schon! Anhand von Filtern wie Schwierigkeitsgrad oder Zubereitungszeit kannst Du, ein bisschen wie auf meiner Seite, die Rezepte durchforsten – ganz bequem von zu Hause aus. Hier finden wir dann auch die Filter „gutenfrei“ und „laktosefrei“. Nur „histaminarm“ und „fruktosearm“ gibt es (noch) nicht. Mit einer Ökotrophologin im Team setzt das der Adamah Biohof vielleicht doch irgendwann noch um. Bis dahin heißt es erstmal: Ja, Du musst weiter tüfteln, ABER …

… auf die Hauszustellung Deiner Bio-Zutaten musst Du nicht ganz verzichten. Neben den verschiedenen BioRezeptkistln bietet der Adamah Biohof noch weitere Boxen an, die Du nach Deinem Geschmack füllen kannst: zum Beispiel Deine Box mit BioGenuss der Woche.

Individuelle Box – eine Lösung in stressigen Zeiten

Als Histaminer weißt Du: Stress ist Gift. Und ja, wer mit Einschränkungen durch Histaminintoleranz zu kämpfen hat, findet Einkaufen manchmal richtig stressig und – Rezepte ausklügeln, umschreiben und anpassen sowieso. Mit individuellen Zutatenboxen kannst Du Dich in Deiner Kombüse ein wenig entlasten. Den Weg zum Supermarkt kannst Du Dir nämlich sparen, wenn Dir allwöchentlich eine Kiste vor die Tür gestellt wird, die Leckereien für die nächsten zwei bis drei Tage enthält, die Du vorher mit ein paar Klicks ausgewählt hast.

Ein wenig im Sinne von Meal Prep kannst Du Deine Speisen vorplanen. Nimm Dir einfach einen Tag in der Woche (z. B. Sonntag), um zu überlegen, was es in der kommenden Woche geben soll. Suche Dir Rezepte heraus (und passe sie gegebenenfalls an). Was brauchst Du dafür? Schreibe Dir alle Zutaten auf und dann ab dafür ins Bestellformular! Jetzt nur noch abwarten und Tee trinken.

Zutaten bestellen – ist das nicht schlecht für die Umwelt?

Aus Bequemlichkeit und/oder zur Zeitersparnis bestellen – ja, das macht die Generation Onlineshop gerne. In den letzten Jahren ist der Versandhandel enorm gewachsen und mit ihm die Verpackungsindustrie sowie das Paketaufkommen. Täglich fluten die Zustellfahrzeuge unsere Straßen. Das alles sorgt für zusätzlichen Müll und extra CO2-Emissionen. Dabei handelt es sich um eine vermeidbare Belastung. Wir könnten vor Ort einkaufen und so weiter.

Das weiß auch der Adamah Biohof. Als nachhaltiger Erzeuger und Händler spürt man hier die Verantwortung, die man für künftige Generationen hat. Deshalb ist die Zustellung CO2-neutral. In der Wiener Innenstadt kommen zunehmend Lastenräder für die Lieferung zum Einsatz. Die Mehrwegkisten habe ich bereits erwähnt. Auch sonstige Zutaten landen möglichst unverpackt oder in Papiertüten in der Kiste. Trotzdem gibt es auch hier noch Luft nach oben.

Der Pflücksalat kam z. B. in der Plastikbox (damit der nicht gequetscht wird, nehme ich an). Die Boxen sind mit einem „Frischesack aus kompostierbarem Material“ ausgelegt – das sind Plastiktüten aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, die jedoch auf dem herkömmlichen Komposthaufen auch nicht einfach so verrotten. Klar, hier könnte man in Zukunft zum Beispiel auch auf Papier setzen oder die Entwicklung einer hygienischen Verpackung abwarten, die noch nachhaltiger ist. Bis dahin macht Adamah jedoch schon mehr für die Umwelt als so manch anderer Zusteller – insbesondere im Kochbox-Bereich.

Wie stehst Du zu Kochboxen und der Hauszustellung von Kochzutaten? Hast Du es schon mal ausprobiert? Würde es Dich entlasten? Hinterlasse eine Flaschenpost mit Deiner Meinung.

Ich bedanke mich beim Adamah Biohof für die gratis zur Verfügung gestellte Kochbox. Die gemachten Angaben sind weder vom Anbieter noch von anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

„Plastikfrei für Einsteiger“ – in einfachen Schritten zu einem bewussten Umgang mit Plastik (Rezension)

»Sag mal, Oma, womit habt ihr euch eigentlich früher die Zähne geputzt?« – »Na, mit einer Zahnbürste aus Holz«, sagte meine Oma in selbstverständlichem Ton. Ich war überrascht.

Für meine Generation ist Plastik vollkommen normal. Wir sind damit aufgewachsen. Vom Babybreiteller bis zu Omas Kittelschürze – alles war aus Kunststoff. Schließlich ist Kunststoff günstig und super vielseitig. Da ist nur ein Problem: Das Zeug zersetzt sich nicht.

Tonnenweise aufgeriebene Plastiküberreste, sogenannte Mikroplastik, schwimmen neben anderem Kunststoffmüll im Meer herum. Bestimmt hast Du die verheerenden Bilder von, dank der Strömung, zu Bergen aufgetürmtem Plastikmüll schon einmal gesehen. Oder die fiesen Folgen von achtlos weggeworfenen Feuerzeugen, die ihren Weg in den Magen von Vögeln gefunden haben. Fest steht: Die Menschen sind seit dem Plastikboom Mitte des 20. Jahrhunderts viel zu achtlos mit dem haltbaren Material umgegangen.

Mittlerweile werden Maßnahmen ergriffen. Einige Supermärkte haben bereits Plastiktüten ganz verbannt und verkaufen stattdessen Papiertüten und Stoffbeutel für den Transport Deines Einkaufs. Ohne Zweifel, damit wir das große Problem in den Griff bekommen, ist die Industrie gefragt. Doch auch jeder von uns kann seinen Beitrag leisten und damit nicht zuletzt die Wirtschaft zum Nachahmen anstiften. Denn sind wir mal ehrlich, Supermärkte springen nicht aus Nettigkeit auf den Plastikfrei-Zug auf, sondern weil immer mehr Menschen das fordern und so leben.

Denn solange Plastikverpackungen nicht gesetzlich verboten werden, kann nur er [der Verbraucher] das Produkt verändern. Mach dir eins klar: Du als Verbraucher kaufst ein Produkt nur, wenn es dir gefällt.

Und auch die Politik wird erst tätig, wenn ein Großteil der Wähler und Wählerinnen sie dazu zwingt.

Plastikfrei für Einsteiger – so kannst Du beginnen

Kürzlich habe ich Christoph Schulzes Buch „Plastikfrei für Einsteiger“* zur Rezension bekommen. Bisher achte ich bereits hier und da darauf, nicht unnötig Plastikmüll zu produzieren. Das Schwierigste hierbei war tatsächlich der Anfang. Während es nur vorausschauendes Denken braucht, um zum Einkaufen einen Beutel mitzunehmen, erfordern andere Maßnahmen zur Plastikmüllvermeidung wesentlich mehr Denkarbeit.

Das liegt vor allem daran, dass der Kunststoff so normal und allgegenwärtig ist. Wir glauben er ist geradezu alternativlos, bis wir über clevere Alternativen stolpern. Ich hatte einen ähnlichen Aha-Moment wie der Autor, als ich realisierte: Wow, es gibt sowas wie Holzzahnbürsten! (siehe oben)

Aus Erzählungen meiner Eltern wusste ich, dass ich noch geradeso zur Generation Stoffwindel gehörte. Die Dinger gibt’s heute immer noch. Bequemer ist sicherlich das Aufreißen, Anlegen und Wegwerfen einer Einwegwindel, umweltfreundlicher das Wiederverwenden.

Nicht jeder möchte diesen Aufwand betreiben, und das verstehe ich auch irgendwie. Trotzdem brachten mich die Stoffwindeln auf die Idee: Wenn es das für Babys gibt, wie sieht’s dann mit Stoffbinden für Frauen aus? Ja, auch die gibt es und ich bin längst umgestiegen*. Ein großer Vorteil, wenn man von den Pros für die Umwelt einmal absieht: Stoffbinden sind auf Dauer billiger. Ich persönlich finde sie auch angenehmer auf der Haut.

Wenn man so weit ist, hat man wirklich schon viel erreicht. Die Frage ist also: Wie plastikfrei möchtest Du leben?

Ist plastikfrei wirklich das Ziel?

Selbst wer auf die praktischen Einwegwindeln und abgepackten Damenbinden nicht verzichten möchte, kann etwas gegen die Müllberge für Jahrtausende tun. Zum Beispiel den Müll richtig entsorgen. Gebrauchte Windeln und Binden aus dem Wegwurfsortiment gehören trotz ihres hohen Kunststoffanteils nicht in die gelbe Tonne, sondern in den Restmüll. Umgekehrt kommen Joghurtbecher in die gelbe Tonne – am besten ungestapelt, weil sie so besser recycelt werden können.

Grundsätzlich finde ich, wie der Autor übrigens selbst, den Begriff „plastikfrei“ ein bisschen problematisch. Das klingt immer nach „entweder … oder …“, „alles oder nichts“, „schwarz oder weiß“. So ein Denken zwingt uns eine Entscheidung ab und klingt immer nach Verzicht. Das ist aufwändig, anstrengend … und schon steht der innere Schweinehund auf der Matte und kläfft: Darauf habe ich keinen Bock.

Wir versuchen nicht, plastikfrei zu leben, weil Plastik grundsätzlich schlecht ist, sondern weil wir lernen müssen, richtig damit umzugehen.

Für den Anfang fände ich daher einen Begriff wie „plastikarm leben“ treffender. Betroffene von Histaminintoleranz können damit sowieso gleich etwas anfangen. Histaminarm, das kennen wir. Tatsächlich braucht unser Körper Histamin. Ganz ohne geht nicht. Nur zu viel ist eben auch unerträglich. Jetzt brauchen wir Plastik nicht unbedingt, aber das wasserabweisende Material in allen möglichen Flexibilitätsstufen hat in gewissen Bereichen eben seine Vorteile. Man denke nur an den Operationssaal in Krankenhäusern mit Einweghandschuhen und allem Drum und Dran. Genauso finde ich wetterfeste Funktionskleidung durchaus praktisch. Nur im Essen oder auf der Haut brauche ich kein Plastik.

Außerdem hast Du bestimmt schon einige Utensilien zuhause, die aus Plastik bestehen. Sollst Du die nun einfach wegschmeißen? Das wäre ja Quatsch. Dann könnte ich diesen Blog-Artikel (auf meiner Plastiktastatur) zum Beispiel nicht schreiben.

Um den Einstieg zu erleichtern, solltest Du dort ansetzen, wo Du am meisten Wegwerfplastik produzierst. Die Einkaufstüten und Zahnbürsten* habe ich bereits erwähnt. Und die Joghurtbecher auch. Es gibt ja auch Joghurt im Glas. Dann sind da noch ganz andere Verbrauchsgegenstände, die in der Regel aus Plastik bestehen. Einwegrasierer, Strohhalme und – Convenience Food. Was Letzteres angeht, macht Dir wahrscheinlich ohnehin die Histaminintoleranz einen Strich durch die Rechnung. Fertiggerichte gehen gar nicht, schon allein weil da oft so viel Zusatzstoffe drin sind.

Plastikarm leben – eine Chance, auch bei Histaminintoleranz

Das Eindämmen von Plastikmüll birgt Vorteile, insbesondere für Betroffene von Histaminintoleranz.

  • Plastikfreie Alternativprodukte sind BPA-frei und damit hormonell nicht wirksam
  • Wer statt Fertiggerichte zu kaufen, selbst kocht (auch unterwegs – Stichwort: Meal Prep), weiß was drin ist

Christoph Schulz, der Gründer von CareElite, liefert in seinem Buch zahlreiche Tipps, wie und wo Du umdenken kannst, um bewusster mit Plastik umzugehen, das ja aus einem begrenzte Rohstoff – Erdöl – gewonnen wird. Übersichtliche Fragebögen fassen einen Teil jedes Kapitels nochmal zusammen und sorgen dafür, dass Du das „Um-die-Ecke-Gedachte“ gleich verinnerlichst. Dabei wirst Du merken, dass vieles ziemlich Oldschool ist und eigentlich nicht neu. Denn was hat denn Oma im (fast) plastikfreien Zeitalter gemacht?

Die Holzzahnbürste ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass wir mit dem plastikfreien Lebensstil einen wichtigen Schritt zurück zu unseren Wurzeln machen, um dann wieder einige feste, bewusste Schritte nach vorn zu gehen.

Weitere Ideen für Deinen Einstieg in einen bewussteren Umgang mit Plastik

  • Hast Du einen Unverpackt-Laden in Deiner Nähe?
  • Nö? Dann probier’s mal auf dem Wochenmarkt oder bei der türkischen Gemüsehandlung ums Eck.
  • Weniger wegwerfen: Wie sieht es mit Repair-Cafés aus?
  • Sag einfach Nein, wenn Dich der Barkeeper das nächste Mal fragt, ob Du zu Deinem Drink einen Strohhalm möchtest.
  • Du hast ein Smartphone? Informiere Dich über Apps wie ReplacePlastic, Refill, Regio-App und Too Good To Go.
  • Kaufe (und verkaufe) mehr second hand.

Was mir am Buch gefällt

Viele Tipps sind tatsächlich einfach umzusetzen und gehen, wie vom Autor versprochen, schnell in Fleisch und Blut über. Der clevere Kapitelaufbau sorgt für einen übersichtlichen Einstieg, ohne Dich gleich auf komplett plastikfrei bekehren zu wollen. Überhaupt, kommt das Buch prima ohne erhobenen Zeigefinger aus, sodass die Umstellung Spaß macht.

Ein Problem, das ich schon länger habe: Mülltüten ersetzen. Auch hierfür hat Christoph Schulz Ideen parat. Mit einer Faltanleitung zeigt er, wie man den Mülleimer so mit Zeitungspapier auskleiden kann, dass trotzdem nichts daneben geht. Das muss ich mal ausprobieren. Dann werde ich auch diesen Wegwerfartikel los.

Außerdem liefert Christoph Schulz praktische und umweltfreundliche Alternativen für Alltagsprodukte, von denen wir womöglich dachten, dass es sie nur aus Plastik gibt. Ja, es gibt Wasserkocher aus Borosilikatglas*. Hinzu kommen hilfreiche Apps – super für alle, die ein Smartphone haben, und es sinnvoll nutzen wollen. Richtig toll: Rezepte zum Selbermachen von Zahnpasta, Spülmittel & Co. Wow, Du kannst aus Efeu ganz einfach selbst Spüli machen!

Links zu Projekten und Organisationen, wo man sich engagieren kann, aber natürlich nicht muss, runden das Ganze ab.

Was mir nicht so gut gefällt

Ein paar Tipps im Buch verursachen mir dann aber doch Falten auf der Stirn, z. B. als Alternative zum Einwegrasierer empfiehlt der Autor neben dem Rasierhobel* noch eine Option: das Veröden der Haarwurzeln mittels Lasertherapie, ohne hierbei die Risiken einer solchen Behandlung auch nur anzudeuten.

Die Windelfrei-Methode als weitere Alternative neben den waschbaren Stoffwindeln. Das klappt wahrscheinlich nur bei Helikopter-Eltern, die rund um die Uhr zuhause sind, und ist damit alles andere als alltagstauglich. Ähnlich problematisch: Spielsachen ausleihen?! Irgendwie nicht so hygienisch, vor allem wenn man bedenkt, dass Kinder Spielsachen gerne mal in den Mund nehmen. Umgekehrt finde ich Nachbarschaftsportale, zum Beispiel zum Ausleihen von Werkzeugen, sinnvoll. Aber die Bohrmaschine nehme ich ja in aller Regel auch nicht in den Mund 😉

Zusammenfassung:

  • “Plastikfrei für Einsteiger”* von Christoph Schulz
  • Tipps zum persönlichen Eindämmen von Plastikmüll, Rezepte für Naturkosmetik und mehr
  • empf. VK-Preis: € 14,99
  • Taschenbuch, erschienen Februar 2019
  • ISBN: 978-3-86882-993-8

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Ich bedanke mich beim mvg-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.



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(c) Histamin-Pirat

Der Histamin-Pirat-Adventskalender

In 24 Tagen zu einem besseren Lebensgefühl

Adventskalender

Noch 24 Tage bis Heiligabend und hier sind 24 Ideen, um besser mit zu viel Histamin umzugehen.

In diesem Adventskalender findest Du hinter jedem Türchen ein Schmankerl, eine Entspannungsübung oder eine clevere Info rund um Histaminintoleranz und Mastzellaktivierungserkrankungen.

Einfach klicken und herausfinden, was sich hinter dem heutigen Türchen verbirgt!

Ist personalisierte Medizin auch persönlicher? (Rezension)

Ich erinnere mich an einen Film mit Matthias Schweighöfer und August Diehl, „Frau Ella“*, der sich eigentlich (wie so oft) um die Liebe dreht, aber ganz nebenbei ein anderes Thema anreißt. Das von der Arzt-Patient*innen-Beziehung. Matthias Schweighöfer mimt im tragikomischen Roadmovie den Medizinstudenten Sascha, der sich mit Taxifahren seinen Lebensunterhalt verdient. Einmal abgelenkt am Steuer, baut er einen Unfall und landet prompt neben Ella Freitag, bald liebevoll „Frau Ella“ genannt, im Krankenhaus. Sascha hatte Glück im Unglück und für Frau Ella wird er zum unerwarteten Schutzengel. Die alte Dame steht vor einem größeren Eingriff, dessen Risiko-Nutzen-Rechnung jedoch in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters der Dame und aufgrund ihres Herzleidens wohl kaum aufgehen wird. Mit diesem medizinischen Hintergrundwissen und nach einem Erklär-Crashkurs für Frau Ella ist die Entführung aus dem Krankenhaus beschlossene Sache. Ein Medizinstudent mit einer betagten Dame im Schlepptau – so das Sprungbrett für die weitere Handlung. Am besten schaust du selbst mal rein.

Von Frau Ella zu ELGA

Ich bleibe heute fürs Erste jedoch genau dort stehen. Am Punkt, als Sascha in Ella Freitags Behandlungsplan eingreift und sie schließlich entführt. Die Patientin hat nicht verstanden, welche Risiken auf sie zukommen, wofür die Operation eigentlich gut ist oder ob sie wirklich notwendig ist. Man möchte meinen, das kommt eher selten vor. Doch dem ist nicht so. Tatsächlich trauen sich viele Patient*innen nicht, den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin nach solchen Dingen zu fragen oder sie (vor allem ältere Menschen) möchten dem ohnehin gestressten Fachpersonal mit solchen Fragen nicht zur Last fallen oder sie wissen ganz einfach nicht, wonach sie fragen sollen.

Eng gestrickte Zeitfenster, scheinbar unter dem Deckmantel der Kostenoptimierung, sind hauptverantwortlich für die fehlende oder misslungene Kommunikation zwischen Arzt/Ärztin und Patient/Patientin. Es fehlt ganz einfach die Zeit dazu, unter anderem weil Ärzte und Ärztinnen immer mehr mit bürokratischen Aufgaben betraut werden, die sie zwischen Visite und Anamnese auch noch erledigen müssen. Moderne Technologien sollen ihnen die Arbeit erleichtern. Checklisten und Protokolle sollen helfen, Kosten zu minimieren und Standards zu garantieren. Doch ist dem wirklich so?

Kann man damit wirklich Geld sparen oder kommt es durch mangelnde Face-to-Face-Kommunikation zu Fehlmedikation und anderen Behandlungsfehlern, also zu Mehrkosten? Wie persönlich ist unsere Medizin noch?

„Personalisierte Medizin“ – das ist so ein Trendbegriff. Vielleicht ist er nicht in aller Munde, aber im medizinischen Bereich durchaus en vogue. Zahlreiche Kongresse und Symposien widmen sich der Digitalisierung in der Medizin. Im selben Atemzug fällt dann gerne auch der Begriff der personalisierten Medizin. Doch was ist das eigentlich? Und ist es wirklich dasselbe? Welche Bedeutung haben diese Trends für den Patienten?

ELGA, kurz für elektronische Gesundheitsakte, sammelt in Österreich digital Patienteninformation, etwa zu verschriebenen Medikamenten, die von Ärzt*innen und Patient*innen eingesehen werden können. Die vernetzte Datenbank ELGA ist damit ein Tool der digitalen Medizin. Hierzu gehören aber auch andere Technologien des digitalen Zeitalters vom digitalen Röntgen bis hin zu computerassistierten Operationen. So weit, so gut.

Doch machen solche Maßnahmen das Zusammentreffen von Arzt/Ärztin und Patient/Patientin auch persönlicher? Jeder, der einen am Smartphone klebenden Teenager zuhause hat, ist versucht zu sagen: Wohl eher nicht. Obwohl ständig in den sozialen Netzwerken unterwegs, wirkt der Nachwuchs irgendwie abwesend statt in Kontakt mit der Welt. Machen uns Technologien also nur abhängiger statt umgänglicher?

Personalisierte und digitale Medizin – ein Widerspruch?

Barbara Prainsack, Politikwissenschaftlerin mit medizinischem Background, hat dieser und anderen Fragen ein ganzes Buch gewidmet, das sich mit Problemstellungen moderner Bioethik befasst. „Personalized Medicine. Empowered Patients in the 21st Century?“* ist ein wissenschaftliches Buch, das jedoch so verständlich (aber auf englisch) geschrieben ist, dass es kaum Vorwissen voraussetzt. Ein gewisses Interesse für den Stoff sollte man als Leser oder Leserin dennoch mitbringen. Mit diesem Rüstzeug kann man sich auf einen wissenschaftlichen Exkurs freuen, der die Digitalisierung der Medizin mal aus einem ganz anderen Blickwinkel als nur dem der Technologie betrachtet.

Und das ist wichtig. Denn wie Cornel West zu sagen pflegt: „Die Handys können smart sein; doch wir sollten weise sein.“ Wann immer neue Technologien auftauchen, müssen wir uns daher einen Kopf darum machen, wie sie unser Leben und in weiterer Folge unsere Gesellschaft verändern. Personalisierte Medizin ist im Rahmen der medizinischen Digitalisierung zum „Buzzword“ geworden und meint in diesem Zusammenhang sowas wie maßgeschneiderte Medizin, weil sie auf individuelle Vorbedingungen einzugehen scheint. Vor einer Krebstherapie kann anhand spezieller Marker festgestellt werden, ob das Medikament auf den Tumor wirken wird oder nicht. Personalisierte Medizin setzt darüber hinaus auf das aktive Mitwirken des Patienten bzw. der Patientin, was oft als Stärkung der Patient*innenrechte oder als Aktivierung der Patient*innen besprochen wird. Beispielsweise erlauben spezielle Tools durch das Mitwirken von Menschen die Früherkennung von Krankheiten oder das schnelle Handeln im Notfall und können so zur Prophylaxe oder zur raschen Intervention beitragen, etwa indem ein Fitnessband zur Messung der Herzfrequenz getragen wird. Digitale Datenbanken fassen alle verschriebenen Medikamente an einem Ort zusammen und geben auf einen Blick frei, welche Vorerkrankungen vorliegen.

Elaborierte Gentests errechnen die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Krankheiten. Firmen wie 23andMe basieren ihr Geschäft darauf, solche Gentests anzubieten. Gegen einen Obolus und die Übermittlung des eigenen Genmaterials erhält man Auskunft über mögliche Krankheitsrisiken und Wahrscheinlichkeiten von Medikamentenverträglichkeit. Doch es handelt sich dabei eben nur um Tendenzen, keine in Stein gemeißelten Fakten. Denn die Gene mögen, metaphorisch gesprochen, zwar die Kugel in den Lauf legen, doch diverse Umwelteinflüsse entscheiden schließlich, ob der Abzug auch gedrückt wird. Aber nicht zuletzt wegen etwaiger Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Ausprägungen des MTHFR-Gens und Histaminintoleranz und Mastzellaktivierungserkrankungen erlangen solche Tests Aufschwung. Die Gefahr ist groß, dass man sich mit etwaig angebenden Normabweichungen am Ende nur verrückt macht.

Also wie persönlich sind solche Maßnahmen? Wie aktiv sind wir als Patient*innen tatsächlich in den medizinischen Prozess eingebunden? Die Idee personalisierter Medizin ist an sich so alt wie die Disziplin selbst. Schließlich musste das medizinische Personal schon immer nach individuellen Symptomen fragen, den Kranken oder die Kranke persönlich in Augenschein nehmen und schließlich eine passende Diagnose stellen.

Online-Plattformen zur Einsicht der verordneten Medikamente und andere Maßnahmen sollen Patient*innen mehr Kontrolle geben. Doch wie viel Macht erhalten sie wirklich? Und handelt es sich tatsächlich um eine Stärkung der eigenen Rechte, wenn die Mitwirkung an der Digitalisierung zum Zwang wird? Viele Maßnahmen laufen am Ende nur darauf hinaus, Kosten im medizinischen Sektor zu senken – und dazu gibt es die schöne Rhetorik über aktive Mitarbeit.

Doch in Bezug auf neue Technologien zur Selbstoptimierung, allen voran durch freiwillige Selbstüberwachung durch Fitnessbänder, erhalten wir zwar Informationen über gelaufene Schritte, Herzfrequenz etc., doch welche Infos kommen am anderen Ende der Datenübermittlung, also beim Hersteller, an? Und was geschieht dort damit? Darauf haben wir keinen Einfluss. Wir können der Datenübermittlung zustimmen und das Gadget nutzen oder eben nicht.

As digital surveillance becomes less invasive and less intrusive […], the ways in which people contribute to the personalization of their health care becomes more passive. Patients become data transmitters who typically have very little influence over what data are collected from them and how they are used. (S. 73)

Hinzu kommt der Suchtfaktor solcher Geräte und auf der anderen Seite die Abhängigkeit, etwa wenn medizinisches Personal elektronischen Alarmsignalen mehr vertraut als der eigenen Erfahrung. Barbara Prainsack macht mit dem digitalisierten Trend der Selbstoptimierung durch Fitnessbänder und andere Geräte ein weiteres Problem ausfindig: die Schuldfrage. In Zeiten, in denen solche „Hilfsmittel“ relativ erschwinglich zu haben sind, das Netz voll von Informationen rund um „gesunde Ernährung“ ist usw., liegt es nahe, Kranke für ihr Gesundheitsdefizit persönlich verantwortlich zu machen. Hättest du nur mehr Sport getrieben oder besser gegessen! Völlig außer Acht gelassen werden dabei systemische Probleme, die unabhängig von individuellen Bewegungs- und Essvorlieben für gesundheitliche Beschwerden sorgen können.

Today, individuals are increasingly being called upon – and are calling upon themselves – to enhance themselves, by eating the right food, by keeping fit, or by taking genetic tests to determine disease ceptibilities or potential genetic issues of their unborn. (S. 84)
The stigmatization of obesity is an instructive example of the relationship between medical evidence, societal truth, and personal practices. […] [P]roblems that are associated with higher body mass […] include diseases such as diabetes, coronary heart disease, and respiratory problems. But this is not the whole story. […] Instead, he [scientist Eric Oliver] argues, obesity is mostly correlated with health problems because in America, poor and ill people are likely to have higher body mass. Moreover, that people eat a lot and exercise little […] is a manifestation of America’s consumer culture. As long as politics and culture will not change, overeating will not go away. (S. 85)
This prioritization of data-driven science and „new public health“ […] strategies aiming at behavior changem at the cost of more investment into improving the social determinants of health, is a reflection of a political economy where the failures and losses of corporate actors are collectivized – think bank bailouts with public money – while the supposed failures and mistakes of citizens are individualized. (S. 87)

Ein ganz anderes Problem ist in Bezug auf Histaminintoleranz interessant. Das Problem der Biomarker. Bereits in der Rezension von Anne Hilds und Annelie Scheuernstuhls Buch habe ich das Thema kurz angerissen. Damals ging es um zu hohe Cholesterinwerte, die durchaus ein Alarmsignal für einige Krankheiten sind – also ein Biomarker – jedoch nicht die Krankheit selbst ausmachen. Daher müsste man dem Grund für die erhöhten Cholesterinwerte aufspüren und nicht einfach das Cholesterin künstlich mit Statinen niedrig halten.

Doch Biomarker sind beliebt, vor allem wenn man sie in Zahlen ausdrücken kann. Sie gaukeln eine gewisse Verlässlichkeit vor. Wie in der Mathematik. 1 + 1 = 2. Sie sorgen außerdem dafür, dass wir Patient*innengespräche kurz halten und so Kosten senken können. Statt lange Gespräche zu führen, wird ein schneller Test gemacht.

In many instances, biomarkers have replaced other clinical parameters, especially nonquantified, narrative, or palpable characteristics and variables that reflect a patient’s functioning and wellbeing. (S. 97)

Solange es keinen anerkannten oder verlässlichen Test zur Diagnose von Histaminintoleranz gibt, der uns klare Zahlen für ja oder nein ausspuckt, wird die Krankheit weiterhin so umstritten sein wie in diesem Zeit-Artikel. Patient*innen werden daher mitunter immer noch nicht ernst genommen, selbst wenn sie beispielsweise ein minutiös geführtes Ernährungs- und Symptomtagebuch vorweisen können, aus dem hervorgeht, dass zwischen den Beschwerden, bestimmtem Essen und Stress ein Zusammenhang besteht, dem nachzugehen wäre.

Mit Doktor Google auf dem Vormarsch sind es aber auch Ärzte und Ärztinnen, die um ihre Position fürchten oder schlichtweg zu viel Unfug im Netz gesehen haben und daher wie allergisch auf besserwisserische Patient*innen reagieren. Trotzdem müssen wir insbesondere in Zeiten digitaler Medizin Wege finden, Patient*innen aktiv einzubinden.

This would require that we take patients seriously as contributors of information and knowledge for personalization, and that we find ways to systematically include their knowledge, values and preferences into our „tapestries of health data“ […]. (S. 154)

Barbara Prainsack schlägt daher unter anderem vor, sowas wie „soziale Biomarker“ einzuführen. Damit ist eine Leerstelle gemeint, die Patient*innen mit ihren Wünschen, Vorlieben und Kenntnissen füllen können, um ihre Gesundheitsversorgung zu personalisieren und zu optimieren.

[…] [W]e need more human touch and more emphasis on personal and collective meaning, not just better algorithms. (S. 157)

Ein interessantes Beispiel für die Verquickung von digitaler und personalisierter Medizin mit dem Patienten bzw. der Patientin im Mittelpunkt liefert die Autorin ab Seite 167: die niederländische Plattform Mijnzorgnet.nl, die Patient*innen nicht nur Zugriff auf ihre Patient*innenakte erlaubt, sondern auch ein Forum zur Diskussion bietet sowie die Möglichkeit bereitstellt, eigene Gesundheitsdaten zu ergänzen.

In jedem Fall muss es dem medizinisches Fachpersonal genau wie dem Patienten bzw. der Patientin möglich sein, den Computer zu überstimmen. Die Technologie soll die Behandlung unterstützen, jedoch nicht dominieren oder an sich reißen. Das heißt auch, dass wir uns vom Zahlenfetisch befreien müssen und einander als Menschen auch in der medizinischen Praxis vermehrt zuhören müssen statt nach Schema F zu arbeiten. Neue Technologien zur Diagnose und Behandlung sowie riesige Computer, die selbst enorme Datenmengen rasch verarbeiten können, sind nur dann eine Bereicherung in der medizinischen Praxis, wenn wir richtig damit umgehen. Sie können jahrelange medizinische Expertise nicht ersetzen, nur unterstützen.

Zusammenfassung:

  • Personalized Medicine. Empowered Patients in the 21st Century?“* von Barbara Prainsack
  • 271 Seiten, Taschenbuch
  • wissenschaftliches Werk zu bioethischen Fragen in Zeiten digitaler Medizin
  • Wie kann personalisierte Medizin in Zukunft aussehen?
  • Chancen und Risiken neuer Technologien im Fokus
  • 26,30 Euro, erschienen bei New York University Press

Ich bedanke mich bei Frau Prainsack für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

Käsespätzle mit Limetten-Joghurtsauce

Sie gehören zur deftigen Küche Österreichs einfach dazu – vor allem im Westen des Landes: Käsespätzle. Und der Histaminer isst sie unglaublich gern. So ganz histaminarm ist das Gericht aber nicht. Traditionell wird die Speise mit Röstzwiebeln garniert und nicht jeder mit Histaminintoleranz verträgt Zwiebeln. Alle Zwiebeln, außer weiße, gelten als Liberator – so die SIGHI-Liste. Damit hat die würzige Garnitur das Potential, im Körper Histamin freizusetzen, was im Übermaß zu Problemen führen kann.

Ein anderes Problem ergibt sich möglicherweise aus den Spätzle selbst. Wer sie nicht selbst macht – etwa weil die Zeit dazu fehlt – kauft sie. Dann sind sie meist aus Weizen. Ich habe bisher keine hellen Dinkelspätzle entdeckt. Und warum wir Vollkorn eher meiden, habe ich hier beschrieben.

Dann ist da noch der Käse. Die fettige Käseschicht kann auch jemandem auf den Magen schlagen, der nicht an HIT leidet. Doch für Menschen mit Histaminintoleranz stellt sich vor allem die Frage: Geht Käse als fermentiertes Produkt überhaupt? Jain. Wir gehen lang gereiftem Käse aus dem Weg und setzen alternativ auf junge Sorten wie Gouda.

Ein Einstiegsgericht, also für die Zeit kurz nach der Diagnose – in der so genannten Karenzphase, sind Käsespätzle also nicht.

Für eine “Sündenaktion” zwischendurch gehen Käsespätzle aber – hier zumindest. Nicht zuletzt, da ich mit einer umstrittenen Zutat “histamintechnisch” gegengesteuert habe: Limetten. Auch Zitrusfrüchte gelten als Liberator. Gleichzeitig enthalten sie jedoch relativ viel Vitamin C, was den körpereigenen Histaminabbau wiederum ankurbelt. Probiere am besten selbst, ob Limetten für Dich eine hilfreiche Rolle in der Küche spielen oder nicht. Weitere Helfer in diesem Rezept: Petersilie und Schwarzkümmel.

Nach der langen Vorrede (oder Vorwarnung) nun aber zum eigentlichen Rezept!

Käsespätzle (aus der Pfanne) mit viererlei Käse, Limetten-Joghurtsauce und Röstzwiebeln

Zubereitungszeit:

ca. 30 Minuten

Schwierigkeit:

normal

Zutaten:

  • Spätzle – Menge je nach Hunger
  • leicht gesalzenes* Wasser zum Kochen
  • ca. 400 g Naturjoghurt – am besten mit Bifido-Bakterien
  • 2 – 3 Stängel fr. Petersilie
  • verschiedene Sorten Käse (wir haben Joghurt-Käse, Feta, Gouda und ein ganz bisschen Bergkäse verwendet)
  • Röstzwiebeln
  • Saft einer halben Limette
  • Butter zum Braten
  • Salz, Pfeffer und etwas Schwarzkümmel*

Zubereitung:

  1. Spätzle nach Packungsanleitung in leicht gesalzenem Wasser kochen. Abseihen und kurz mit Wasser abspülen.
  2. Während die Spätzle kochen, kannst Du die Sauce zubereiten. Dazu Petersilie hacken, Limettensaft in den Joghurt einrühren, mit Salz, Pfeffer und etwas Schwarzkümmel würzen. Dann etwa 2/3 der gehackten Petersilie unterheben. In den Kühlschrank damit!
  3. Etwas Butter in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Ich habe mich vor einiger Zeit von den alten Teflon-Pfannen verabschiedet und verwende nun mit Keramik beschichtete Pfannen*. Diese Pfannen bieten den Vorteil, dass sie höher erhitzt werden können als Teflon-Pfannen, ohne giftige Dämpfe abzugeben, die ansonsten unter anderem für Migräne sorgen könnten. Doch da Keramik voll im Trend liegt, gibt mittlerweile auch viele Billig-Pfannen, bei denen die Beschichtung, selbst bei ordnungsgemäßer Nutzung – ohne Kratzschwamm und mit ausschließlich metallfreien Küchenhelfern, schnell kaputtgeht, wodurch schädliche Metalle wie Blei aus der Keramikbeschichtung ins Essen gelangen können. Daher lieber ein paar Euro mehr investieren und eine langlebende Pfanne der Gesundheit zuliebe verwenden.
  4. Die Spätzle zusammen mit dem Käse in die Pfanne auf mittlerer Hitze geben und regelmäßig umrühren, bis der Käse vollständig geschmolzen ist.
  5. Auf tiefen Tellern mit einem Klecks Sauce, der restlichen Petersilie und etwas Röstzwiebeln anrichten und genießen.

PS: Wie befreie ich meine beschichtete Pfanne nach dem Kochen vom eingetrockneten Käse, ohne sie zu zerkratzen? Einfach Wasser in die abgekühlte Pfanne füllen. Die Pfanne mit dem Wasser auf dem Herd erhitzen und der Käse schmilzt. Die Käse-Wasser-Mischung kann nun abgegossen werden und die Pfanne kann ganz einfach mit einem weichen Schwamm abgewaschen werden.

Guten Appetit!

(c) Histamin-Pirat