Histamin-Pirat

Tipps & Rezepte zum Leben mit Histaminintoleranz

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Entspannung im Handumdrehen: Mudras

Yoga ist ein wiederkehrendes Thema beim Histamin-Piraten. Denn im Yoga vereinen sich verschiedene Entspannungstechniken, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. Neben den Asanas (Bewegungsabläufen) sind das vor allem Pranayama (Atemtechniken) und Meditation. Dadurch wird Yoga zum ganzheitlichen Stressmanagement und das können wir bei HIT gut gebrauchen, denn wir wissen: Stress ist ein Histaminliberator.

Über die Zeit haben sich verschiedene Yoga-Stile herausgebildet, so dass jeder sein maßgeschneidertes Programm findet, das dem eigenen Geschmack sowie den individuellen körperlichen Voraussetzungen entspricht. Mir gefällt Yin Yoga sehr gut, aber im Grunde eignet sich jeder Stil, mit der Ausnahme von vielleicht Bikram-Yoga, wo der Körper aufgrund der warmen Umgebungstemperatur doppelt belastet wird.

Heute soll es einmal nicht um die Körperbewegungen im Ganzen gehen, sondern um die kleinen Gesten, die auch als Mudras bezeichnet werden. Statt “Baum” und “herabschauendem Hund” stehen Handposen wie das Herz-Mudra im Vordergrund.

Was sind Mudras?

Swami Saradananda schreibt in ihrem Buch “Entdecke die Kraft der Mudras: Der Energie-Kick für alle Lebenslagen”*:

Neben dem Gesicht ist kein Körperteil so ausdrucksstark wie die Hände. Mit ihrer Beweglichkeit können sie eine Vielzahl von Gesten und subtilen Bewegungen ausführen und so komplizierte Gedanken und tiefe Gefühle vermitteln.

Das haben wir im Alltag alle schon erlebt. Wir begleiten unsere Aussagen mit gewichtigen Gesten, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen. Dieses Verhalten hat auch Eingang in unsere Sprache gefunden, wenn wir zum Beispiel “mit erhobenem Zeigefinger” sprechen oder “abwinken” usw.

Moderne wissenschaftliche Forschungsergebnisse zeigen, dass durch die Bewegungen verschiedener Teile der Hand unterschiedliche Bereiche des Gehirns aktiviert werden. Seit der Antike lehrt die indische Philosophie, dass Fingerbewegungen und -berührungen den Fluss des Prana – der Leben spendenden Energie im Körper […] – beeinflussen.

So wie einige von den Fußreflexzonen vielleicht schon mal gehört haben, wo sich verschiedene Energiepunkte sammeln, die auf Berührung reagieren, gibt es solche Punkte auch an den Händen. Betrachtet man sich den Menschen aus der Perspektive von Ayurveda oder TCM, begegnet man verschiedenen Konzepten über Energiefluss im Körper.

Was in Indien unter der Chakren-Lehre zusammengesetzt wird, hängt eng mit den Meridianen der Traditionellen Chinesischen Medizin zusammen. Beiden Philosophien ist die Elemente-Lehre gemein, auf die auch Swami Saradananda in ihrem Buch eingeht.

So ordnet sie verschiedene Teil der Hand unterschiedlichen Elementen und auch Chakren zu, die ihrerseits wiederum mit verschiedenen Funktionen im Körper betraut sind. So lässt sich auch eine Verbindung zu verschiedenen Organen und anderen Körperteilen herstellen, die mithilfe der Mudras gezielt stimuliert werden können.

Für Histaminintoleranz sind meiner Erfahrung nach vor allem drei Elemente interessant: Feuer (u. a. Verdauung), Luft (u. a. Herzkreislaufsystem und Atmung) sowie Äther/Akasha (u. a. Hunger und Durst). Der Grund? Was die Verdauung bei HIT angeht, haben viele zu viel oder auch zu wenig “Feuer”, wodurch Nährstoffe nicht richtig aufgenommen werden. Der Gegenspieler hierfür ist “Erde”. Wenn wir uns geerdet fühlen, sind wir wieder im Gleichgewicht.

Zahlreiche Histaminrezeptoren sitzen aber auch im Bereich der Bronchien. Das spielt zum Beispiel bei allergischem Asthma eine Rolle. Wir merken den Einfluss aber auch bei Atemnot als Symptom eines anaphylaktischen Schocks. Hieraus ergibt sich, dass wir das Element “Luft” in Einklang zu den anderen Elementen bringen müssen.

“Äther” oder auch Akasha reguliert Hunger und Durst. Dieses Element wirkt beispielsweise auf unsere Kreativität und Ausdruckskraft, aber auch auf unseren “inneren Frieden”. Wer sehr unruhig ist, schlecht schläft usw. sollte sich auf dieses Element konzentrieren.

Mit “Element” ist ein Konzept gemeint, das nicht mit dem chemischen Element aus dem Periodensystem, das wir aus der Schule kennen, verwechselt werden sollte. Wasser ist also nicht H2O. Stattdessen handelt es sich um abstrakte Ideen, mit denen man sich seit Jahrtausenden Funktionsweisen erklärt – und, wie die Wissenschaft vermehrt feststellt, handelt es sich dabei nicht nur um esoterische Spinnerei.

Beispielsweise ist das Konzept vom chinesischen “Chi” durchaus vergleichbar mit dem, was Physiker als “Quanten” bezeichnen.

Für uns soll von Interesse sein, dass die Lebensenergie im Körper stets im Fluss sein soll. Sind wir krank, gibt es irgendwelche Blockaden oder Ungleichgewichte, die man mit verschiedenen Methoden lösen bzw. wieder ins Gleichgewicht bringen kann, so die Lehre von Ayurveda und TCM.

Heute soll es uns dabei jedoch nicht um Kräuter, Atemtechniken oder dergleichen, sondern um Handzeichen gehen, die man beim Meditieren oder einfach in der Mittagspause praktizieren kann.

Mudras und Meditation

Mudras können beim Meditieren helfen. Wer mit dem Meditieren gerade erst beginnt, wird merken, dass es eine ziemliche Herausforderung darstellt, einige Minuten in einer Position zu verharren. Es zwickt und zwackt und die Gedanken beginnen zu rasen. Dabei soll doch Meditation genau das Gegenteil bewirken: beruhigen!

Doch tatsächlich wird andersrum ein Schuh draus. Wer meditieren möchte, sollte bereits ruhig sein. Meditieren erfordert Übung und Geduld. Daher ist es wichtig, sich am Anfang nicht zu übernehmen. Drei bis fünf Minuten pro Tag reichen zu Beginn. Steigern kannst Du Dich immer noch!

Wer den Schneidersitz oder gar den sogenannten Lotussitz unbequem findet, kann auch einfach auf einem Stuhl Platz nehmen. Wichtig ist lediglich, aufrecht zu sitzen, damit der Atem fließen kann. Für die Meditationspraxis auf dem Boden gibt es Meditationskissen*, die man sich unter den Popo schieben kann, um eine aufrechte Sitzposition zu erreichen und zu halten.

Sitzt Du mit geradem Rücken, gilt es, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Manchen Menschen hilft es, die Augen zu schließen oder vor sich hin zu blicken. Zusätzlich kann es helfen, sich auf den eigenen Atem oder Herzschlag zu konzentrieren. Eine weitere Methode für all jene, die wie ich und der Histaminer eher zu der Kategorie “Zappelphilipp” gehören, sind Handzeichen. Durch die verschiedenen Berührungspunkte der Finger fängt man an, sich auf diese Gesten statt auf den gedanklichen Wust zu konzentrieren. Und schwups, kommt man zur Ruhe.

Meine Oma hat mir, als ich klein war, vor dem Schlafengehen oder wenn ich krank war, oft die Füße und Hände massiert. Klar, das wärmt einerseits, bringt aber auch die Energie zum Fließen. Jetzt, wo ich erwachsen bin, massiere ich mir morgens und abends selbst die Hände und Füße.

Swami Saradananda beschreibt in ihrem Buch auch einige Massagetechniken sowie Fingerübungen, die Du ausprobieren kannst.

Doch eigentlich dreht sich das Buch um die Vorteile der Mudras, insbesondere beim Meditieren und zum Stressmanagement. Meine drei liebsten Mudras, wenn es sowas gibt 😉 , finden wir im Kapitel, das dem Element “Luft” gewidmet ist.

Das Herz- oder Hridaya-Mudra, welches mir stets ein Lächeln auf die Lippen zaubert und sich erstaunlich warm anfühlt, macht den Anfang. Besonders gerne nehme ich diese Handposition ein, wenn ich auf dem Rücken liege und dabei die angewinkelten Beine nach außen fallen lasse, sodass sich die Fußsohlen berühren (Asana im Yoga: Supta Baddha Konasana/liegender Schmetterling).

Beim Hridaya-Mudra wird der Zeigefinger eingerollt, so dass die Fingerspitze den Daumenansatz berührt. Mittel- und Ringfinger berühren die Daumenspitze.

Beim Padma-Mudra oder der Lotus-Geste bilden beide Handteller eine Art Schale. Dadurch wird der Körper für frische Energie geöffnet. Dieses Handzeichen mache ich ganz gerne am Ende einer Meditations-Session.

Das Akasha-Mudra (Element Äther) gehört wohl zu den bekanntesten Handzeichen. Du hast es bestimmt schon einmal gesehen. Dabei berühren sich Daumen und Zeigefinger an der Spitze. Die restlichen Finger werden abgespreizt. Diese Geste soll den Geist klären und ist damit eine tolle Geste zum Meditieren.

So ähnlich schaut das Chin-Mudra (Element Luft) aus. Hierbei werden jedoch die restlichen Finger nicht abgespreizt, sondern angewinkelt. Beide erfüllen ähnliche Funktionen.

Swami Saradananda schreibt:

Als sich die Fingerspitzen berührten, habe ich eine starke Verbindung zwischen ihnen gespürt, sie fühlten sich an wie ein geschlossener Stromkreis und ich wollte sie nicht mehr trennen.

Wer jedoch sehr aufgeregt mit seiner Meditationsübung beginnt, freut sich womöglich noch mehr über ein “erdendes” Mudra. Das Jnana-Mudra wird tatsächlich dem Element Erde zugeordnet und wirkt ausgleichend und beruhigend. Die Zeigefingerspitze formt mit dem Daumen einen Kreis. Die Handfläche zeigt nach unten.

Durch die nach unten zeigenden Hände fühlte ich mich geerdet, geschlossen, versteckt, geheim, energetisch sehr verbunden und entspannter.

Wenn Du einmal in das Thema “Mudras” hineinschnuppern möchtest, kann ich Dir das Buch “Entdecke die Kraft der Mudras: Der Energie-Kick für alle Lebenslagen*” nur empfehlen.

Wenn Du mit geführten Meditationen statt in Stille zu sitzen beginnen möchtest, ist womöglich Andrew Wrenn ein guter Lehrer. Ich schätze den Yogi nicht zuletzt aufgrund seiner ruhigen Stimme. Er ist im Übrigen auch ein großer “Mudra-Fan”.

Kennst Du Mudras bereits und nutzt Du sie zur Entspannung und/oder beim Meditieren? Wenn ja, welche Gesten sind Deine Favoriten?

Zusammenfassung:

  • Entdecke die Kraft der Mudras: Der Energie-Kick für alle Lebenslagen*” von Swami Saradananda, übersetzt von Anna Hübinger
  • 160 Seiten, Softcover
  • Überblick über die verschiedenen Handhaltungen/Mudras bei Meditation und Yoga
  • Erklärung der Chakren
  • Einführung in die Elemente-Lehre von Ayurveda/TCM
  • simple Ideen zum Stressmanagement, die auch bei Histaminintoleranz von Interesse sind
  • 16,99 Euro, erschienen im Lotos-Verlag

Ich bedanke mich beim Lotos-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

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Anti-Erkältungssuppe (Teil 2) …

Brrr, es ist kalt draußen! Ich sitze auch gerade mit schniefender Nase und einem Joe-Cocker-Kratzen im Hals vor dem Notebook, denn der dieses Jahr wechselhafte Winter hat mich nun doch erwischt. Es scheint so, als habe die kalte Jahreszeit den Start verschlafen. Kurzerhand wird der Winter also Anfang März nochmal nachgeholt – mit Erkältungswelle und allem Drum und Dran.

Bewusster Fleischkonsum – warum?

Obwohl wir uns hier lange Zeit (fast) vegetarisch ernährt haben, hat sich Fleisch mittlerweile wieder in den Speiseplan geschummelt. Der Verzehr bleibt jedoch bewusst und wir achten auf hochwertige Zutaten. Hauptgrund für die Wiedereinführung von Fleisch sind neben Vitamin B12 andere essentielle Nährstoffe, die nachweislich einfacher aus Fleisch zu beziehen sind: Vitamin A und Eisen.

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch ohne geht, aber in unserem betriebsamen Alltag muss es manchmal einfach schnell gehen und ich habe – trotz Food-Blogger-Dasein –nicht immer die Zeit oder den Nerv, so zu planen, dass alles flott geht, histaminverträglich ist und für ausreichend Abwechslung sorgt. Hinzu kommt, dass wir dem Schubladendenken generell abgeneigt sind. Essen sollte nicht zur Religion werden, sondern einem wohl bekommen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Fleisch x-beliebig aufgetischt werden sollte, denn schließlich handelt es sich ebenfalls um ein Lebewesen, das für uns sein Leben gelassen hat. Daher sind Fleisch und Fisch etwas, das wir uns lediglich ca. einmal die Woche gönnen und nicht einfach gedankenlos verschlingen.

Aktuell in Form des Anti-Erkältungsklassikers schlechthin:

Klare Hühnersuppe

Zubereitungszeit:

ca. 2–3 Stunden

Schwierigkeit:

normal

Zutaten für 2–3 Personen:

  • ca. 300 g Hühnerbrust oder Suppenhuhn
  • ca. 2 l Wasser
  • 1–2 TL (je nach Geschmack) Gemüsebrühe hefefrei – selbstgemacht oder gekauft*
  • 1 Pck. Suppengrün – gibt es als Mix fertig zu kaufen, enthalten sind meist Teile von Karotte, Kohlrabi, Pastinake, Petersilie, (Porree), (Knollensellerie), Petersilienwurzel – Die Zutaten in Klammern verträgt nicht jeder, am besten in kleinen Mengen austesten)
  • evtl. zusätzlich Karotten
  • ca. 5 Kartoffeln
  • evtl. zusätzlich frische Petersilie zum Garnieren

Zubereitung:

Hühnerfleisch unter handwarmem Wasser gründlich abspülen. Topf mit Wasser zum Kochen aufsetzen. Brühe darin auflösen und mit dem Hühnerfleisch kochen, bis es gar ist. Ich koche an dieser Stelle meist bereits einen Teil des Suppengrüns im Ganzen mit dem Fleisch mit, sodass der Geschmack in die Brühe übergeht.

Kartoffeln, Karotten etc. schälen. Tipp: Kartoffeln für bessere Verträglichkeit nach dem Schälen unter lauwarmem Wasser abspülen.

Das gekochte Fleisch sowie die Gemüseteile nach dem Garen aus der Brühe nehmen und in kleine Stücke zerteilen. Zurück in die Brühe geben.

Restliches Suppengrün, Kartoffeln und Karotten würfelig bzw. in Ringe schneiden und ebenfalls in die Brühe geben. Ca. 15–20 Min. köcheln lassen.

Die klare Hühnersuppe mit frischer Petersilie servieren.

Tipp:

Welche Art Hühnerfleisch, ob ein ganzes Suppenhuhn, Flügel oder Hühnerbrust, Du verwendest, ist auch eine Kostenfrage. Grundsätzlich geht jede Art von Hühnerfleisch. Lediglich bei Flügeln ist die Arbeit etwas mühsam, da die kleinen Knochen nach dem Garen erst herausgelöst werden müssen.

Du kannst beim Gemüse durchaus variieren – ganz nach Geschmack und Saison.

Viel Flüssigkeit in Form von Tee und Suppen wirkt schmerzlindernd bei Halsschmerzen und anderen typischen Erkältungsbeschwerden. Entzündunsgshemmende Wirkstoffe in den Zutaten sorgen für den extra Boost. Eine gute Wahl ist zum Beispiel Knoblauch (Achtung, bei Salicylatintoleranz!) und auch daraus lässt sich eine leckere Anti-Erkältungssuppe zaubern.

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Gewonnen: Wer darf sich über ein Probierpaket der Sonnentor-Latte-Sorten freuen?

Nachdem ich vor ein paar Wochen die neuen Sonnentor-Latte-Sorten „Rote Bete“, „Kardamom“* und „Kurkuma“* in der Filiale in der Wiener Neubaugasse verkosten durfte, kommt nun auch eine Leserin von Euch in den Genuss. Sie kann sich zum Beispiel Goldene Milch, pinken Kaffee oder feinwürziges Gebäck zubereiten. Ihr Favorit ist womöglich der farbenfrohe Kaffee, zumindest wenn es nach ihrem Kommentar geht:

Hmm, das klingt ja toll! Ich bin keine tägliche Kaffeetrinkerin, sondern für mich ist eine Tasse Kaffe immer etwas Besonderes, die ich mir nicht einfach nur zum wachmachen mache, sondern weil ich sie in aller Ruhe genießen möchte. Dabei experimentiere ich gerne, weshalb die Latte-Sorten eine tolle Abwechslung wären! Backen mit Roter Beete klingt auch toll, vor allem natürlich wegen der knalligen Farbe! Daher mache ich berne bei deinem Gewinnspiel mit.

Viele Grüße,
Sarah

Aber das erzählt sie uns hoffentlich nach Eintreffen des Pakets noch einmal selbst.

Der Zufallsgenerator hat entschieden:

 

Liebe Sarah aka Glückszauber, die E-Mail geht gerade an Dich raus. Herzlichen Glückwunsch!

Für alle, denen der Zufallsgenerator heute nicht hold war: Es gibt bestimmt mal wieder eine Chance, etwas beim Histamin-Piraten zu gewinnen 🙂

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Der Histamin-Pirat in der neuen Cooking-Ausgabe

Was als private Rezeptesammlung anfing, erfreut sich mittlerweile einer regelmäßigen Leser*innenschaft: der Histamin-Pirat. Uns gibt der Austausch immer wieder Impulse, Neues auszuprobieren. Außerdem ist es natürlich super, wenn andere von den Tipps profitieren und leckere, “histamintaugliche” Rezepte für sich finden.

Histamin-Pirat – Blog der Woche

Das österreichische Magazin Cooking hat dem Histamin-Piraten in der aktuellen Valentinstagsausgabe eine ganze Seite gewidmet: Blog der Woche. Hier erfährst Du, wie ich zum Bloggen gekommen bin, wer mich am Herd inspiriert und obendrauf gibt es noch ein leckeres Brotrezept.

Neben einem Bericht über meine Wenigkeit enthält das Kochmagazin zahlreiche herzige Rezepte, passend zum Valentinstag. Schnell noch zur Trafik und reingeschaut!

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Blog-Event: Die neuen Latte-Sorten von Sonnentor im Test (inkl. Gewinnspiel)

Kaffee und Histaminintoleranz – verträgt sich das?, ist eine Frage, die immer wieder auftaucht. Ich habe mich dem Thema hier schon einmal gewidmet. Die Kurzfassung lautet: jain – wie so oft bei HIT.

Kaffee bei HIT? Ein klares Jain

Die gute Nachricht: Kaffee enthält kaum Histamin. Die schlechte: Koffein gilt als DAO-Blocker. Somit kommt es beim Kaffeegenuss einerseits auf Deine individuelle Toleranzschwelle an: Wie sehr kannst Du Deine wahrscheinlich ohnehin begrenzte DAO-Aktivität durch Kaffee einschränken? Andererseits sei allen Freunden des dunklen Heißgetränks gesagt: Espressobasierter Kaffee von pur bis Cappuccino enthält – vielleicht wider Erwarten – weniger Koffein als Filterkaffee. Daher kannst Du Dir einen exquisiten Café Latte am Tag womöglich doch munden lassen, jedenfalls eher noch als den Pott Kaffee, den die konventionelle Filtermaschine ausspuckt.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, ein heißes Milchgetränk mit Geschmack auch ohne störendes Koffein zu genießen. Und hier kommen die neuen Latte-Sorten von Sonnentor ins Spiel, die ich kürzlich beim Blog-Event in der Wiener Neubaugasse verkosten durfte. Dort wurden die würzigen Varianten zwar ebenfalls mit Espresso serviert, die schmecken aber auch ohne echt lecker.

Latte mit würzigem Geschmack

Zur Auswahl standen „Rote Bete“, „Kardamom“* und „Kurkuma“*. Statt purem Rote-Bete-Pulver, Kardamom- oder Kurkuma-Gewürz kommen die geschmacks-boostenden Mischungen als vollmundiges Gesamtkonzept daher. So setzen die Bio-Bauern mit Hauptquartier im österreichischen Sprögnitz auf folgende Kompositionen:

Rote Bete

Rote Bete, Hagebutten, Reismehl, Calciumcarbonat, Muskat, Piment, Kardamom, weißer Pfeffer, Nelken, Chili und Vanille

Kardamom

Kardamom, Rosenblüten, Muskat, Spinat, Lavendelblüten, Nelken und Vanille

Kurkuma

Kurkuma, Ceylon-Zimt, Kakao, Ingwer, Vanille, Süßholz und schwarzer Pfeffer

Obwohl alle Latte-Mischungen glutenfrei sind, fallen erfahrenen Histamin-Piraten bereits ein paar Zutaten aus eben histamintechnischer Sicht ins Auge, die ich zusätzlich fett markiert habe. So enthält Spinat recht viel Histamin. Kakao als Liberator sowie Süßholz und Muskat sind nicht für jeden einwandfrei verträglich, der mit HIT zu kämpfen hat. Richtig problematisch wird es, wenn Du beim Austesten gemerkt hast, dass Du mit Salicylaten neben Histamin Probleme hast. Dass die beiden – SI und HIT – ganz gerne mal im Team auftreten, habe ich hier erläutert.

Ist das eine Histamin-Sünde wert?

Doch wer seine Ernährungsumstellung längst aus dem Effeff beherrscht, hat sicher schon bemerkt, dass man auch mal „histamin-sündigen“ kann, ohne dass der nächste Tag mit einem Kater beginnt. Die Einsicht, dass es nicht nur um Verzicht gehen kann, ist eine wichtige, die für deutlich mehr Lebensqualität sorgt. „Substituieren statt eliminieren“ ist mein Schlachtruf hierfür. Viele Lebensmittel enthalten nämlich wichtige Vitamine und Mineralstoffe, auf die Du nicht verzichten kannst – sie sind essentiell, das heißt, der Körper kann sie nicht selbst herstellen. Hinzu kommt, dass Du als Histaminer beispielsweise von zusätzlichem Vitamin C profitierst.

Oft sind Lebensmittel daher eben nicht einfach „gut“ oder „böse“, sondern ein bunter Mix aus beidem. Kakao enthält neben einigen biogenen Aminen, die einen ähnlichen Abbauweg wie Histamin haben (was auch ein biogenes Amin ist), zum Beispiel Magnesium. In Maßen (nicht Massen) wird Schokolade daher bei uns ganz gut vertragen, sofern sonst nichts „Böses“ drin ist. Mehr dazu hier. Selbst Zitronen, die als Liberator gelten, haben wir wieder auf dem Speiseplan, weil, mit einem recht hohen Vitamin-C-Gehalt, die Vorteile von Zitronensaft bei uns überwiegen. Yeah!

Was bei Dir und in welcher Menge geht, solltest Du individuell ausprobieren. Daher kann ich keine allgemeine Empfehlung für die farbenfrohen Gewürzmischungen von Sonnentor aussprechen. Aber ich kann sie Dir nach dieser Vorbemerkung mal in ihrer ganzen Farbpracht zeigen.

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Und selbst wenn die Latte-Mischungen nicht in Deine Liste passen, bist Du zum Beispiel in Sachen Tee bei Sonnentor an der richtigen Adresse. Denn dort gibt es zum Beispiel Weißen Tee aus Bio-Landwirtschaft * sowie lose Kräutertees*, die Du pur genießen kannst oder aus denen Du Deine ganz persönliche Wohlfühlmischung zusammenstellen kannst.

Latte kann man auch essen

Während das Team von Wolfgang Coffee beim Blog-Event für weichen, blasenfreien Milchschaum nach 1A-Barista-Standard gesorgt hat, hat das Sonnentor-Kulinarik-Team einige Leckereien ausgetüftelt, die ebenfalls mit den Gewürzmischungen gepimpt gewesen sind. Gut, dass ich auf leeren Magen dort war 😉

So konnte ich mich einmal reihum durchprobieren. Es gab zum Beispiel Cupcakes mit pinkem Rote-Bete-Topping, kreisrund ausgestochene Müsliriegel – ebenfalls mit „Rote Bete Latte“ – sowie Milchreis mit Kardamom-Veredelung und einiges mehr. Wenn Du selbst einmal ausprobieren möchtest, was mit den neuen Gewürzmischungen so alles möglich ist, hast Du jetzt die Chance dazu.

Ich verlose ein Set, bestehend aus „Rote Bete“, „Kardamom“ und „Kurkuma“, womit Du schmackhafte Heißgetränke von Goldener Milch bis hin zu pinkem Cappuccino selbst zaubern kannst. Und wenn Du dann immer noch nicht genug hast, geht es daran, Törtchen, Kuchen oder sogar Brot bunt einzufärben – alles bio natürlich – mit den Latte-Mischungen von Sonnentor.

Um in den Lostopf zu hüpfen, hinterlasse bitte eine „Flaschenpost“, in der Du mir verrätst, was Du mit den neuen Latte-Mischungen von Sonnentor so anstellen würdest. Die Teilnahme ist aus Österreich und Deutschland möglich und das Gewinnspiel läuft bis zum 23. Februar 2018 23:59. Das Los entscheidet zeitnah, wer gewonnen hat. Ich melde mich dann per E-Mail bei dem Gewinner oder der Gewinnerin.

Viel Glück!

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Puffer aus gekochten Kartoffeln …

Heute gibt es mal wieder ein besonders einfaches Rezept, das sich sowohl zur Resteverwertung als auch dann anbietet, wenn Du gerade nicht so viel im Kühlschrank hast. Wir haben die meisten der folgenden Zutaten ohnehin immer daheim – Du womöglich auch.

Da bei diesem Rezept Fisch verwendet wird, ist es nicht für alle verträglich. Je nach individueller Empfindlichkeit bitte den Räucherlachs einfach weglassen! Erwähnt sei jedoch, dass wir mit ein wenig Wildräucherlachs, sofern der nicht jeden Tag auf den Teller kommt, ganz gute Erfahrungen gemacht haben. “Normaler” Räucherlachs aus Aquakultur wird hingegen bei uns eher nicht vertragen. Wichtig ist zudem, eine einmal angefangene Packung möglichst bald zu verbrauchen.

Ähnliches gilt übrigens für Hüttenkäse. Der ist grundsätzlich recht histaminarm. Sobald eine Packung jedoch einmal angebrochen ist, verdirbt Hüttenkäse rasch. Während Frischkäse bei HIT schon mal 3–4 Tage im Kühlschrank gelagert und noch ohne Probleme gegessen werden kann, sollte Hüttenkäse, so unsere Erfahrung, doch innerhalb von 2 Tagen aufgebraucht werden.

So, nach dieser kurzen Vorbemerkung geht’s direkt in die Kombüse:

Kartoffelpuffer mit Wildräucherlachs und Hüttenkäsedip auf Blattsalat

Zubereitungszeit:

ca. 1 h

Schwierigkeit:

einfach

Zutaten für 2 Personen:

  • ca. 300 g Kartoffeln
  • 1 Pck. Hüttenkäse (bio & natur)
  • 1 EL Milch
  • 1 EL Frischkäse (bio & natur)
  • 1 – 2 Scheiben Wildräucherlachs
  • ca. 6 Salatblätter grüner Batavia (für jeden Puffer eins)
  • 1 Ei
  • etwas Kartoffelmehl
  • Leinsamenöl
  • Salz und Pfeffer
  • Kräutermischung nach Wahl bzw. Verträglichkeit
  • Öl zum Braten, z. B. Olivenöl

Zubereitung:

Anders als die meisten Puffer oder Reibekuchen, werden die folgenden aus gekochten Kartoffeln zubereitet. Ich mag das, weil sie dann nicht so faserig, aber auch weniger knusprig sind.

Je nach Hunger kannst Du mehr oder weniger der angegebenen Kartoffeln nehmen. Zur Resteverwertung bieten sich Kartoffeln vom Vortag an. Vorausgesetzt, Du hast sie direkt nach dem Abkühlen auf Zimmertemperatur in einen luftdichten Behälter* umgefüllt und in den Kühlschrank gestellt.

Tipp: Vor der weiteren Verarbeitung noch mal in ein Sieb geben und abspülen.

Du kannst natürlich auch direkt von der rohen Kartoffel weg starten. Dazu, wie gewohnt, Kartoffeln schälen und in kleine Würfeln schneiden und in leicht gesalzenem Wasser mit etwas Kümmel (optional) kochen. Anschließend abseihen und mit Wasser gründlich abspülen.

Tipp: Durch das Abspülen mit kaltem Wasser kühlen die Kartoffeln nicht nur schneller für die Weiterverarbeitung aus, sondern sie werden dadurch auch verträglicher. Histamin ist bekanntlich wasserlöslich.

Die Kartoffeln mit etwas Leinsamenöl (ca. 2 EL), Salz, Pfeffer und Kräutern in einer Schüssel mit einem Kartoffelstampfer* zerkleinern bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Ich mag es noch ein bisschen stückig. Mit einem Ei und etwas Kartoffelmehl vermengen, bis ein glatter Teig entsteht. Daraus kleine Kugeln formen, so als ob Du Klöße machen wolltest, diese dann flach drücken. Von beiden Seiten goldbraun braten.

Für den Dip Hüttenkäse mit Frischkäse, etwas Milch und ca. 1 EL Leinöl, Salz, Pfeffer und frischen Kräutern mit einer Gabel vermengen.

Salatblättern waschen und z. B. mithilfe einer Salatschleuder* trocknen.

Auf einem Teller je einen Puffer mit einem großzügigen Klecks Dip und einem daumengroßen Stück Räucherlachs auf einem Salatblatt anrichten. Mit frischen Kräutern, wie Kresse oder Petersilie, garnieren und servieren.

(c) Histamin-Pirat

Jetzt neu: Piraten-Shop

Als Histamin-Pirat habe ich das Thema Histaminintoleranz für mich gekapert. Auf meinem Piratenschiff findest Du allerlei leckere Rezepte und zahlreiche Tipps rund um das Leben mit Histaminintoleranz und seit neuestem gibt es auch einen Shop.

Der Piraten-Shop: Motivierende Sprüche, die Mut machen

Hier findest Du kreative Designs für T-Shirt, Tasse und noch mehr. Die von mir gestalteten Artikel sollen Dich auf Deiner Histaminreise mit Humor und einem Augenzwinkern begleiten. Schließlich ist es oft schwer genug, mit gewissen Einschränkungen zu leben. Warum sich also nicht mit motivierenden Sätzen etwas Mut zusprechen?

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Im Partnershop von Spreadshirt kannst Du darüber hinaus auch Deine eigenen Artikel entwerfen. Die Schürzen, Handyhüllen und Caps geben übrigens auch als Geschenk eine gute Figur ab. Und weil der Piraten-Shop gerade erst eröffnet wurde, gibt es für die nächsten Tage noch 15 Prozent auf alles. Schau mal vorbei!

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Ich glaub’, ich werd’ verrückt … – Histamin, Medikamente und die (mentale) Gesundheit

Wer krank ist, leidet, und wer leidet, möchte nur möglichst bald wieder beschwerdefrei sein – eigentlich: gesund. Kein Wunder, dass der Wunsch nach einem Wundermittel groß ist! Die eine Pille, Kapsel oder Tablette – kaum hat man sie geschluckt, entfaltet sie ihre Wirkung und es geht einem wieder gut. Das wäre doch was!

Wundermittel gibt es nicht

Tatsächlich ist in unserer Gesellschaft, sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten, der Glaube an solche „Wundermittel“ gar nicht mal so klein. Wir nennen sie jedoch nicht „Wundermittel“. Es ist eben „Medizin“. Das Medikament muss man nehmen und schon bald ist der Patient genesen, soweit die Theorie. In der Praxis sieht es oft anders aus. Der Volksmund sagt zum Beispiel über grippale Infekte (nicht dasselbe wie Grippe!): Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage. Alternativ hat sich der Spruch „Eine Erkältung dauert mit Behandlung nur 7 Tage, ohne hält sie eine ganze Woche an“ eingebürgert.

Eine Erkältung wird in aller Regel von Viren ausgelöst und die sind nicht nur sehr wandelfähig, sondern davon gibt es auch einfach viiiel zu viele, als dass eine gezielte Behandlung bei einem grippalen Effekt von Erfolg sein könnte. Es gibt jedoch ein paar Hausmittelchen, die die Beschwerden lindern und den Leidensweg erleichtern. So hilft inhalieren, die Atemwege freizubekommen. Warme Getränke, vor allem ungesüßter Tee, legen sich wie ein Balsam auf den gereizten Rachen und versorgen den Körper, der gerade auf Hochtouren gegen die fiesen Eindringlinge vorgeht, mit ausreichend Flüssigkeit. Was der Körper gerade leistet, lässt sich auch am Thermometer anhand der erhöhten Körpertemperatur ablesen. Erst wenn diese in einen kritischen Bereich rutscht, sollten fiebersenkende Maßnahmen eingeleitet werden.

Wie ist das bei Histaminintoleranz?

Doch genug mit der Erkältung, die jemand mit intaktem Immunsystem ganz allein bewältigt! Wie ist das nun mit Histaminintoleranz? Genau wie oben bereits am Beispiel der Erkältung beschrieben, gibt es nicht die eine Wunderwaffe im Kampf gegen HIT. So wie für die Erkältung zahlreiche unterschiedliche Viren verantwortlich sein können, ist auch die Entstehung einer Histaminintoleranz nicht monokausal zu erklären. Meist spielen viele Faktoren eine Rolle und was genau HIT im Einzelfall auslöst, wird nach wie vor heiß diskutiert. Aufgrund dieser Lage ist es ziemlich schwierig, das Allheilmittel für HIT-Patienten zu entwickeln, denn jede Histaminintoleranz ist ein bisschen anders, wenn man so will.

Das Problem beginnt ja meist bereits mit der Diagnose. Nicht mal hier gibt es die eine Patentlösung, die für alle funktioniert. Stattdessen werden meist mehrere Diagnoseverfahren miteinander verbunden, um sicher zu gehen, darunter:

  • Eliminationsdiät mit anschließender Provokation (immer noch der Goldstandard der HIT-Diagnose)
  • Stuhl- oder Urinuntersuchung auf Histaminabbauprodukte (stark abhängig von Ernährung, Darmflora etc., zu starke Schwankung)
  • DAO-Wert oder -Aktivität mittels Bluttest feststellen (schwankt stark je nach individueller Ernährungsweise und Tagesverfassung und setzt strikte Standards an das Labor voraus)
  • 50-Skin-Prick-Test (basiert auf dem Pricktest zum Testen von Allergien, erfordert ein geschultes Auge des Arztes bei der Einschätzung)

Das liegt vor allem daran, dass Histamin so viele verschiedene Funktionen im Körper erfüllt, sowohl als Neurotransmitter als auch als Gewebshormon. Da es sich um einen körpereigenen Stoff handelt (anders als zum Beispiel Gluten, das wir nur mit der Nahrung aufnehmen), gehört HIT zu den „komplizierteren“ Intoleranzen, wenn es darum geht, den Wirkmechanismus genau zu verstehen.

Nach der Diagnose HIT: Therapieansätze

Was, wenn die Diagnose HIT steht? Jetzt geht es erst richtig los. Ärzte empfehlen meist eine histaminarme Diät und geben eventuell noch eine Lebensmittelliste zur Übersicht mit. Alternativ wird direkt mit der Kartoffel-Reis-Diät begonnen, die nicht ganz unumstritten ist, da sie zu Mangelerscheinungen beitragen kann, wenn dieses Werkzeug, um eine eigene Lebensmittelliste zu erstellen, sehr lange angewandt wird.

Mangelerscheinungen können übrigens durchaus den HIT-Symptomen ähneln und Mängel können natürlich auch zu histaminbezogenen Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Flush etc., beitragen. Die histaminabbauenden Enzyme DAO und HNMT sind unter anderem auf eine ausreichende Versorgung mit Zink, Magnesium, B-Vitaminen, Calcium und Mangan angewiesen. Darüber hinaus kann ein Vitamin-D-Mangel HIT-Symptome verschlimmern. Denn wie alle fettlöslichen Vitamine, beeinflusst auch Vitamin D das Immunsystem. Und Histamin, als Entzündungsmediator, ist eng mit dem Immunsystem verknüpft.

In jedem Fall ist es wichtig, eine eigene Lebensmittelliste zu entwickeln, und nicht etwa pauschal Lebensmittel auszuschließen, weil irgendeine Liste das vorgibt. Denn die Toleranzschwelle für einzelne Lebensmittel variiert stark von Betroffenem zu Betroffenem. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu einer persönlichen Lebensmittelliste zu kommen. In jedem Fall sollte ein Ernährungstagebuch geführt werden.

Die Ernährungsumstellung empfinden die meisten HIT-Patienten als mühsam und so wächst wieder einmal der Wunsch, der Genesung auf die Sprünge zu helfen. Mittlerweile hat auch die Pharmaindustrie Wind von der Histaminintoleranz bekommen und vertreibt entsprechende „Spezialprodukte“, wie zum Beispiel Daosin, das für die sogenannte Enzymersatztherapie genutzt wird.

Durch die Einnahme kurz vor dem Verzehr von Speisen wird dem Körper künstlich DAO zugeführt, in der Hoffnung so wieder mehr essen zu können bzw. auch mal mit Lebensmitteln von der „roten Liste“ „sündigen“ zu können. Doch Daosin ersetzt nur ein histaminabbauendes Enzym: DAO, aber nicht HNMT. Somit ist es gegen sogenannte Liberatoren sowie andere Histamintrigger, wie zum Beispiel Stress, machtlos. Hinzu kommt – und das ist nun ausdrücklich meine Meinung – dass Daosin nichts für die Langzeitanwendung ist (nicht nur, weil es recht teuer ist), sondern etwas für den „Notfall“, wenn man mal zum Essen eingeladen ist oder so. Durch die künstliche Zufuhr des fertigen Enzyms wird dem Körper bei langfristiger Einnahme vorgegaukelt, dass eh genügend DAO vorhanden ist und somit wird die meist ohnehin schon geringe körpereigene DAO-Aktivität weiter herabgesetzt. Daosin kann eine HIT nie heilen, sondern lediglich zeitweise zur Erleichterung eingesetzt werden.

Antihistaminika, die auch gegen Heuschnupfen und andere Allergien angewandt werden, werden ebenfalls zur Behandlung für HIT herangezogen. Doch was machen die eigentlich? Je nach Art des Antihistaminikums bindet der enthaltene Wirkstoff an unterschiedliche Histaminrezeptoren. Solche Rezeptoren sind sozusagen die „Symptomschaltzentrale“ und die Antihistaminika kappen quasi die Verbindung, so dass es nicht zu den unangenehmen Symptomen wie Kopfschmerzen, Flush, Herzrasen, Schwindel, Schüttelfrost etc. kommt.

Doch obwohl die Vorsilbe „anti-“ enthalten ist, wirken sie nicht wirklich „gegen“ Histamin – der Histaminspiegel wird nicht gesenkt. In Notfallsituationen macht der Einsatz von Antihistaminika Sinn, aber sie können nicht präventiv genutzt werden und sollten auch nicht langfristig angewandt werden. Sie helfen lediglich, das Leiden zu lindern, wenn man zum Beispiel etwas „Falsches“ von der eigenen Lebensmittelliste erwischt hat.

Von der eigentlichen Therapie – einer Ernährungsumstellung – einmal abgesehen, sind Daosin und Antihistaminika die Hauptbehandlungswege bei HIT. Im Fall von Mastzellaktivierungserkrankungen kommen häufig noch sogenannte Mastzellstabilisatoren hinzu, die verhindern, dass der Körper eigenes Histamin aus den Mastzellen freisetzt. Zahlreiche Lebensmittel von Kurkuma bis Heidelbeeren enthalten ebenfalls Stoffe, die mastzellstabilisierend wirken. Im Idealfall nimmt man so seine Medizin mit der Nahrung auf (das funktioniert nur leider nicht immer).

In Ausnahmefällen werden Schmerzmittel bei Beschwerden verabreicht, das natürlich nicht ohne Nebenwirkungen und obendrein ohne Wirkungsgarantie. Tatsächlich bringen die meisten Kopfschmerztabletten bei histamintypischer Migräne wenig.

Wir verzichten fast vollständig auf Medikamente in Tablettenform. Lediglich der gezielte Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln macht dann und wann Sinn für uns, nämlich dann wenn ein Mangel nachgewiesen worden ist. Zwei Bücher, die ich kürzlich gelesen habe, unterstreichen unseren Skeptizismus, denn Patienten werden oft übertherapiert oder sogar falsch behandelt.

Übermedikamentation und Fehlbehandlung – auch ein Thema bei Histaminintoleranz?

In seinen zwei Büchern „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität. Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert“* und „Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen. Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen“* zeichnet der dänische Arzt für Innere Medizin, Peter C. Gøtzsche, ein düsteres Bild, jedoch nicht, ohne gleichzeitig praktische Hinweise zu geben, wie der medizinische Sektor verbessert werden könnte.

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich vor so reißerischen Titeln nicht zwingend zurückschrecke. Don’t judge a book by its cover, lautet meine Devise. Denn tatsächlich handelt es sich um konstruktive Kritik, die man sich insbesondere als Patient, aber auch als angehender oder behandelnder Arzt durchaus auf der Zunge zergehen lassen kann. Beide Bücher sind jedoch in erster Linie für Patienten geschrieben. Sie sollen dem Patienten ein Werkzeug sein, mit dessen Hilfe er bewusste Entscheidungen zum eigenen Wohl treffen kann.

Mit einem kritischen Blick auf die Pharmaindustrie sowie der Erwähnung von Interessenskonflikten von Ärzten, versteht es sich von selbst, dass die Bücher einigen Ärzten und vor allem der Pharmaindustrie übel aufstoßen. So sind im Internet zahlreiche Verrisse der beiden Bücher zu finden. Doch ich bilde mir ganz gerne meine eigene Meinung und rate das auch jedem, der hier mitliest. Auch meine Meinung muss und soll daher nicht einfach für bare Münze genommen werden.

Drei Medikamentengruppen, die auch eng mit Histaminintoleranz zusammenhängen, greift Gøtzsche in seinen Büchern besonders heraus: Antidepressiva (und andere Psychopharmaka), Schmerzmittel sowie Protonenpumpenhemmer (bei Sodbrennen).

Antidepressiva – wirken sie wirklich gegen Depressionen?

Nach seinem ersten Buch über das medizinische System, Interessenkonflikte und die von der Pharmaindustrie gesponserten Studien sowie Nebenwirkungen allgemein hat Gøtzsche den Psychopharmaka ein eigenes Buch gewidmet. Die angesprochenen Kritikpunkte von Übermedikamentation über Interessenkonflikte bis hin zu manipulierten Studien und frappierenden Nebenwirkungen sind im Bereich der Psychiatrie besonders offensichtlich.

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei dem Folgenden vorausgeschickt, dass weder ich noch Peter C. Gøtzsche durch die Kritik an gängigen schulmedizinischen Behandlungsmethoden von psychischen Krankheiten, wie Depressionen oder Schizophrenie, das Vorhandensein dieser Krankheiten oder die Schwere dieser Leiden infrage stellen. Vielmehr ist es so, dass leider viele Medikamente nicht wirken oder schlimmer noch, Symptome noch verstärken oder weitere hervorrufen. Hinzu kommt, dass der Diagnosekatalog für psychische Krankheiten seit Jahren aufgeweicht wird, wodurch immer mehr Menschen in psychiatrische Behandlung kommen, obwohl sie vielleicht nur eine belastende, stressige Phase durchmachen, zum Beispiel nach dem Verlust einer nahestehenden Person.

Viele Betroffene von HIT haben den Umweg über die psychologische und/oder psychiatrische Abteilung gehen müssen, bevor sie bei ihrer eigentlichen Diagnose angelangt sind. Da für ihre Symptome, wie Herzrasen, keine organische Ursache gefunden werden kann, werden sie zuweilen in die Hypochonder-Ecke geschoben. Weil sie das Gefühl haben, Essen mache sie krank, weisen sie Symptome einer depressiven Verstimmung auf und werden mit Antidepressiva behandelt, welche HIT-Symptome oft verstärken und nur schwer abzusetzen sind.

Antidepressiva aus der Familie der SSRI (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor), zu deutsch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, erhöhen den Serotonin-Spiegel im Hirn, wodurch die Rezeptorempfindlichkeit herabgesetzt wird. Dieser Umstand macht es in der Folge enorm schwierig, Medikamente wie Sertralin, Citalopram, Paroxetin oder Fluoxetin abzusetzen. Denn ohne die Weitergabe des Medikaments fällt der Serotonin-Spiegel rapide ab. Entzugserscheinungen treten auf. Schließlich ist das Hirn (und der Körper – Serotonin beeinflusst unter anderem auch die Darmbewegungen) den künstlich hochgehaltenen Serotonin-Spiegel gewohnt.

Bei Antipsychotika, die den Dopaminspiegel senken, funktioniert das Spiel umgekehrt. Durch den künstlich gering gehaltenen Dopaminspiegel sind die Dopaminrezeptoren empfindlicher und auch hier kommt es bei plötzlichem Absetzen des Medikaments zu Entzugserscheinungen. Daher sollten Antidepressiva und Antipsychotika unter Aufsicht ausgeschlichen werden, also die Dosis sukzessive verringert werden.

Wie in einem Teufelskreislauf werden solche Entzugserscheinungen oft als Krankheitssymptome fehlgedeutet, wodurch das Medikament schließlich im Dauerbetrieb genommen wird oder sogar die Dosis erhöht wird. Ironischerweise geht es daher, so eine Studie, auf die Gøtzsche verweist, Schizophrenie-Patienten in Entwicklungsländern, in denen die Medikamentenversorgung meist schlechter als bei uns ist, schneller wieder besser. Sie genesen mitunter sogar, weil sie oft ohne Medikamente behandelt werden.

Gøtzsche geht in seinem Buch jedoch noch weiter und verweist auf mehrere Studien, die vor allem bei jungen Menschen ein erhöhtes Suizidrisiko innerhalb der ersten Tage und Wochen nach Therapiebeginn mit Antidepressiva feststellen konnten (damit also negative Empfindungen erst auslösen und nicht behandeln!). SSRI erhöhen jedoch nicht nur das Selbsttötungsrisiko, sondern auch die Gewaltbereitschaft gegen andere. Immer wieder wird daher die Rolle von Antidepressiva und anderen Psychopharmaka im Zusammenhang mit Gewaltdelikten diskutiert. Beispielsweise ist Stephen Paddock, der am 1. Oktober 2017 mindestens 58 Menschen in Las Vegas getötet und zahlreiche weitere verletzt hat, im Juni Diazepam verschrieben worden. Eric Harris, der an der Schießerei an der Columbine High School beteiligt gewesen war, nahm das Antidepressivum Luvox ein. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Gøtzsche spricht sich in seinem Buch zudem vehement gegen die Zwangsbehandlung und die Fixierung in psychiatrischen Anstalten aus. In wenigen Pilotversuchen konnten weitaus bessere Behandlungsergebnisse auf der Basis von respektvoller Gesprächskultur bei Schizophrenen und anderen Patienten erzielt werden. Er weist außerdem darauf hin, dass degradierende Behandlungsmethoden wie die Fixierung an Betten, die Arzt-Patienten-Beziehung zerstören und nicht weniger, sondern mehr Personal erfordern würden. Schließlich müsse ja jemand den fixierten Patienten beaufsichtigen, was jedoch in der Praxis, sei es aufgrund von Personalmangel oder aus anderen Gründen, oft vernachlässigt wird.

Sehr kritisch steht Gøtzsche den biologischen Erklärungsansätzen für psychische Leiden gegenüber (das Thema Ernährungsmängel lässt er hier jedoch unerwähnt). Dass etwa ein Serotoninmangel für Depressionen verantwortlich sei, tut er als Märchen ab. Ganz so einfach ist es vielleicht nicht, dennoch sei an dieser Stelle zu denken gegeben, dass Psychologen und Psychiatern kein Test zur Verfügung steht, der am lebenden Patienten ein solches „Ungleichgewicht im Gehirn“ nachweisen könnte. Stattdessen wird anhand eines Symptomkatalogs diagnostiziert – oft jedoch nicht von Psychologen oder Psychiatern, sondern von Allgemeinmedizinern, die laut Gøtzsche 90 Prozent der Psychopharmaka verschreiben.

Das dazugehörige DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) wird alle paar Jahre in überarbeiteter Fassung herausgebracht. Mittlerweile sind wir bei DSM-5. Problematisch sind die immer weiter herabgesetzten Anforderungen, um als Patient in ein Diagnosemuster gesteckt zu werden. Hinzu kommt die Bestrebung, neue Krankheiten zu (er-)finden. Relevant im Zusammenhang mit HIT ist beispielsweise die Orthorexie, der zwanghafte Drang, nur „richtig“ essen zu wollen, eine bisher nicht anerkannte Essstörung, die aber womöglich in Zukunft in diesen Katalog aufgenommen werden könnte und HIT-Patienten wiederum in die „Psycho-Ecke“ stellen würde. Einen, meiner Meinung nach, sehr guten Artikel zu diesem Thema hat beispielsweise der Gynäkologe Sven Harrenberg auf seine Praxisseite gestellt.

Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung?

Schmerzmittel haben in der Langzeiteinnahme zahlreiche Nebenwirkungen, darunter beispielsweise das erhöhte Risiko für Thrombosen. Die sogenannten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) werden jedoch nicht nur bei Schmerzen verordnet, sondern auch bei chronisch-entzündlichen Krankheiten wie Rheuma, weil sie angeblich entzündungshemmend wirken. In einer Studie wurde dazu untersucht, ob Schmerzmittel tatsächlich Schwellungen lindern (und nicht nur Schmerzen), um diese entzündungshemmende Wirkung nachzuweisen. Das Ergebnis fiel negativ aus. Schmerzmittel lindern also wirklich nur Schmerzen und sollten nur im Notfall angewandt werden, etwa nach einer Operation oder bei sehr starken Schmerzen, wie sie beispielsweise bei der Behandlung von Krebs auftreten.

Protonenpumpenhemmer – das Allheilmittel gegen Sodbrennen?

Sodbrennen oder Reflux ist unangenehm und schmerzhaft. Bleibt der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre lange unbehandelt, sind Schäden, wie Vernarbungen an der Speiseröhre, nicht ausgeschlossen. Wer über Reflux klagt, bekommt daher schnell mal einen Protonenpumpenhemmer verschrieben. Tatsächlich, so schreibt Gøtzsche, werden 50 Prozent dieser Medikamente ohne Indikation verordnet.

Doch damit nicht genug, ähnlich wie bei den Antidepressiva und Antipsychotika treten beim plötzlichen Absetzen von Protonenpumpenhemmern Entzugserscheinungen auf, wodurch auch sie oft länger genommen werden, als es nötig wäre. Protonenpumpenhemmer bringen das Hormongleichgewicht durcheinander, was, ähnlich wie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin, eng mit Histamin verbunden ist. Gerät hier etwas aus der Balance, kann das auch HIT-Symptome verschlimmern. Bei Sodbrennen ist es daher viel wichtiger, die Ursache für den Reflux zu finden. Das kann zum Beispiel eine gestörte Darmflora und/oder eine Intoleranz sein.

Zusammenfassung

Medikamente sind per se nichts Schlechtes. Jedoch sollte jedem klar sein, dass mit einer Wirkung auch Nebenwirkungen möglich sind. Einige Medikamente machenbei Histaminintoleranz bei kurzfristiger Gabe oder im Notfall durchaus Sinn, empfehlen sich jedoch nicht für eine Langzeittherapie – das gilt zum Beispiel für Schmerzmittel und Antihistaminika. In Sachen HIT, wie bei anderen Beschwerden auch, ist Ursachenforschung gefragt, und meist ein Wandel in Lebenswandel sowie Ernährungsweise sinnvoll.

Peter C. Gøtzsche geht in seinem Buch nicht nur mit der Pharmaindustrie scharf ins Gericht, sondern wirft auch ein kritisches Blick auf die Alternativmedizin. Ich stimme zu, dass Quacksalberei von echten Heilpraktiken, vor allem für den Laien, zuweilen nicht ohne Weiteres zu unterscheiden ist. In dem Bereich wird viel Humbug verbreitet. Trotzdem kann man deshalb nicht alle Heilpraktiker oder Alternativmediziner über einen Kamm scheren.

Als konkretes Beispiel führt Gøtzsche eine Metastudie zur Behandlung mit Nachtkerzenöl bei Neurodermitis an, ohne jedoch im Fließtext seines Buchs darauf hinzuweisen, dass es sich lediglich um die orale Gabe handelt, die untersucht wird. Die Einnahme von Nachtkerzenöl bringt demnach keinen effektiven Nutzen bei dieser Hautkrankheit. Dass die topische Anwendung, also auf der Haut, durchaus wirksam ist, wird in seinem Buch verschwiegen.

Genau solche Auslassungen bzw. Generalitäten, die Gøtzsche selbst nur allzu gern kritisiert, unterlaufen ihm hier und da also selbst. Das zeigt sich an anderer Stelle im Buch auch, wenn er Patientenorganisationen oder Blogger kritisiert, die sich oft bereitwillig der Pharmaindustrie hingeben, was er ein paar Seiten später wieder relativiert – nicht alle Patientenorganisationen und Blogger sind so, zum Glück. Kurz nachdem ich diesen Abschnitt gelesen hatte und doch für recht hanebüchen empfand, erreichte mich – Ironie des Schicksals – eine E-Mail, die zu einem Kongress nach Berlin einlud. Hauptsponsor war Pfizer, wodurch eine Teilnahme für mich nicht infrage kam. Doch die Nachricht war Beleg für mich, dass das, was der Autor in seinem Buch beschrieben hat, tatsächlich stattfindet, wenn auch ohne mich.

Leider habe ich auf meine Interviewanfrage bisher keine Antwort vom Autor erhalten. Sollte sich das noch ändern, liefere ich das Gesprächstranskript gerne noch nach.

Ich könnte noch wesentlich mehr Details und vor allem die zahlreichen Verbesserungsvorschläge von Peter C. Gøtzsche hier vorstellen, allerdings ist der Artikel bereits jetzt sehr lang geraten. Wer also neugierig geworden ist, greift am besten selbst zur Lektüre. Hier die Daten:

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für die gratis zur Verfügung gestellten Rezensionsexemplare. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

Heute, heute wird’s was geben …

Auf dem ganz verschneiten Blog weihnachtet es schon ordentlich. Doch erst mit dem passenden Weihnachtsessen ist die Stimmung perfekt. Dieses Jahr hat der Histaminer versprochen, das Kochen zu übernehmen und hat natürlich prompt ein Menü gezaubert. Es gibt

Zanderfilet an Preiselbeer-Feta-Hollandaise und Wildräucherlachs mit Petersilkartoffeln und Brokkoli

Klingt schräg? Ist es auch 🙂 Schmeckt aber.

Der Histaminer hat eine besondere Vorliebe für unkonventionelle Geschmackskombinationen und ist erstaunlicherweise sehr viel mutiger am Herd als ich. Mutig ist für viele nicht zuletzt die Entscheidung, Fisch zu machen. Geht das denn überhaupt bei HIT?, werden einige fragen. Aber ja, sofern die Zubereitung stimmt – mehr dazu hier – und die Fischauswahl passt. Tatsächlich gibt es ein paar Fische, die bei HIT eher nicht so gut vertragen werden. Zu nennen wäre hier zum Beispiel Makrele und auch Thunfisch, der übrigens ebenfalls zur Familie der Scombridae gehört. Mit wendigen Raubfischen haben wir, sofern die Frische stimmt, meist gute Erfahrungen gemacht und Zander ist doch schon was Feines, so zum Fest.

Zubereitungszeit:

ca. 1 h

Schwierigkeit:

normal bis fortgeschritten

Zutaten für 2 Personen:

  • 6 – 8 Kartoffeln
  • 2 – 4 Zanderfilets
  • 1/2 Kopf Brokkoli – die Röschen
  • ein Bund Petersilie
  • ein paar Scheiben Wildräucherlachs
  • Saft von 2 Zitronen
  • etwas Dinkelmehl
  • ca. 40 g Butter
  • ca. 50 g Preiselbeermarmelade
  • 1 EL Hanfsamen
  • 1 TL Kräutermix “Pizza” (Oregano, Basilikum, Majoran etc.)
  • 3 Eigelb
  • 2 EL Feta
  • 1 EL Kokosmilch
  • Kümmel
  • Salz, Pfeffer, Zucker
  • Öl zum Braten (z. B. Olivenöl)

Zubereitung:

Zunächst die tiefgefrorenen Zanderfilets unter warmem Wasser auftauen. Mit Küchenpapier trocken tupfen. Die Innenseite mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft einreiben. Die Außenseite (mit Haut) in Dinkelmehl wälzen.

Kartoffeln schälen und in kochendem Salzwasser mit etwas Kümmel garen. Der Histaminer gibt noch ein paar Tropfen Olivenöl ins Wasser – wie wenn man Pasta machen würde.

Für die Sauce die kochenden Kartoffeln im Topf für ein Wasserbad nutzen. Wir haben so eine praktische Schmelzschale*, die man einfach in den Topf hängen kann. Darin nun die Butter zusammen mit der Marmelade zum Schmelzen bringen und gelegentlich verrühren. Den Saft einer Zitrone sowie die Eigelb, Kokosmilch, Hanfsamen, Kräutermix, eine Prise Zucker, eine Prise Kümmel sowie den Feta hinzugeben und gelegentlich umrühren.

In einem Topf leicht gesalzenes Wasser zum Kochen bringen. Den Brokkoli bissfest garen (ca. 8 – 10 Minuten).

In einer Pfanne Öl erhitzen und die Zanderfilets von beiden Seiten braten – am besten mit Deckel oder Spritzschutz auf der Pfanne.

Kartoffeln in einem Sieb abseihen, Brokkoli abseihen und auf Tellern mit den Zanderfilets anrichten. Mit frischer Petersilie und etwas Wildräucherlachs garnieren und genießen.

Und was gibt es bei Euch zum Fest?

(c) Histamin-Pirat

Ich und mein Körper – warum meine Histaminintoleranz nicht wie Deine ist

Jede Histaminintoleranz ist ein bisschen anders. Bemerkbar macht sich das zunächst an unterschiedlichen Toleranzschwellen: Was den einen in geringen Mengen abschießt, kann der andere, zumindest in geringen Mengen, essen, ohne dass sich Beschwerden zeigen. Dann gibt es noch unterschiedliche Reaktionszeiten. Je nach dem, was gegessen wurde und wie es um den eigenen Histaminhaushalt steht, können Symptome zeitnah nach dem Verzehr histaminhaltiger Speisen auftreten oder teilweise doch mehrere Tage auf sich warten lassen. Allgemein treten verzögerte Reaktionen vor allem nach dem Verzehr sogenannter Histaminliberatoren auf. Selbst die Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen. Während manche vor allem mit Verdauungsbeschwerden zu kämpfen haben, klagen andere vermehrt über Herzstolpern und Kopfschmerzen oder Hautausschlag und Atemprobleme.

Auf einen wichtigen Unterschied kommen wir aber doch eher selten zu sprechen. Das sind die unterschiedlichen Ursachen.

Histaminintoleranz von Anfang an verstehen

Für viele ist es nicht einfach, die Ursache ihrer Beschwerden dingfest zu machen. Darin liegt auch keine Schande. Schließlich geht es vielen Ärzten nach wie vor genauso. So wird eine Histaminintoleranz (so wie die verwandten Mastzellaktivierungserkrankungen) meist erst im zweiten, dritten … Anlauf als solche identifiziert, wenn es einem Arzt gelingt, die Symptome sinnvoll zu einem Krankheitsbild zusammenzufügen und mithilfe labordiagnostischer Mittel bestätigen lässt.

Die Hürde besteht beispielsweise darin, festzustellen, dass das Herzstolpern nicht durch einen Herzklappenfehler oder ähnliches verursacht wird. Überweist der Hausarzt aufgrund dieser Symptomatik seinen Patienten zum Kardiologen und kann dieser nichts Organisches am Herzen finden, läuft man als Patient Gefahr, als eingebildeter Kranker abgestempelt zu werden. Das Gleiche gilt für den pochenden Kopfschmerz, für den es laut MRT oder CT keine Ursache zu geben scheint oder die zugeschnürte Brust, obwohl die Lunge organisch in Ordnung ist usw.

Dem Patienten hilft dann nur: hartnäckig bleiben und vor allem alles (!) erzählen. Ein Arzt muss beim Patientengespräch in die richtige Richtung gelenkt werden. Die vollständige Auflistung der Symptome – und scheinen sie dem Patienten und Arzt noch so unzusammenhängend – ist wichtig für den Denkanstoß. Denn zum Schluss fallen alle Puzzleteile doch zu einem sinnvollen Bild zusammen. Nur Geduld. Will der Arzt einen partout nicht ernst nehmen, hilft das Einholen der berühmten „zweiten Meinung“. Außerdem: Ein Arzt muss und kann nicht jede Krankheit kennen – da gibt es einfach zu viele. Auch deshalb macht der Ärztewechsel zuweilen einfach Sinn.

Wie Frau Dr. Annelie Scheuernstuhl im Interview mit mir erklärt hat, spielt es dabei nicht unbedingt eine Rolle, welchem Fachgebiet der Arzt zuzuordnen ist. Klar, die ganze Histaminsache ist eigentlich ein Problem der Inneren Medizin und auch der Immunologie. Doch zum Beispiel kennt sich auch unsere HNO-Ärztin überraschend gut mit dem Thema aus. Der Erfahrung nach sind es oft Dermatologen und Gynäkologen, die einem weiterhelfen können, sofern sich die „Götter in Weiß“ auch nach dem oder begleitend zum Studium weitergebildet haben. Eine naturheilkundliche Zusatzausbildung kann hier nicht schaden.

Die Auslöser für eine Histaminintoleranz sind bis heute noch nicht klar umrissen. Doch folgende Dinge scheinen eine wichtige Rolle zu spielen:

  • bakterielle Infektionen, Antibiotika, gestörte Darmflora
  • Pilzerkrankungen
  • Schwermetallbelastung
  • Nährstoffmängel, insbesondere Vitamin D, Zink, Magnesium und B-Vitamine
  • hormonwirksame Verhütungsmittel, gestörter Hormonhaushalt und Wechseljahre
  • bestimmte Vorerkrankungen der Schilddrüse, Krebs und andere

Schaut man sich die Liste an, kommt ein flaues Gefühl auf: Offenbar können eine Bandbreite von Problemen letztlich zur Histaminintoleranz führen, die, um es noch mal schwieriger für alle Beteiligten zu machen, auch noch so ein breit gefächertes Symptombild hat. Das liegt daran, dass das Gewebshormon Histamin, das an bestimmten Stellen im Körper auch wie ein Neurotransmitter wirkt, so viele Funktionen im Körper hat bzw. so viele unterschiedliche Prozesse beeinflusst. So steht Histamin nie für sich allein.

Um dem Problem auf die Schliche zu kommen, empfiehlt sich der holistische Blick eines naturheilkundlich ausgebildeten Arztes, der gleichzeitig mit den schulmedizinischen Diagnostikmethoden umzugehen weiß. Blut-, Urin- und Stuhlanalysen in der Kombination mit Tests wie dem 50-Skin-Prick-Test oder dem traditionellen Ernährungstagebuch erlauben dann doch eine eindeutige Diagnose: Histaminintoleranz ja oder nein.

Naturheilkunde trifft auf Schulmedizin: Das Beste aus Ost und West

Genau aus diesem Grund habe ich mich auf „Das sanfte Gesundheitsbuch für Frauen“* von Dr. med Georg Kneißl gefreut. Da geht es zwar nicht explizit im Histaminintoleranz, aber eben um „Frauenleiden“ und zwar aus naturheilkundlicher und schulmedizinischer Sicht in einem.

Zwar ist Histaminintoleranz kein reines „Frauenleiden“, doch wenn ich mir ärztliche Statistiken und auch das Feedback auf meinem Blog anschaue, sind es meist Damen, die daran erkranken bzw. die mir schreiben.

Doch da ich eine überaus kritische Leserin bin, hat das Buch noch vor der Lektüre die simple Frage aufgeworfen: Warum schreibt ein Mann so ein Buch? Doch darauf komme ich später noch einmal zu sprechen.

Eingangs liefert das Buch eine kurze Einführung in die 5-Elemente-Lehre und andere naturheilkundliche Prinzipien. Diese „Elemente“ sind dabei nicht als Stoffe, wie wir sie im chemischen Periodensystem finden, zu verstehen, sondern sie sind ein metaphorischer Ausdruck für bestimmte (Lebens-)Prinzipien. Sehr schön erklärt wird dies übrigens auch in Wong Kiew Kits Buch über Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)*. Für Kneißl ist die TCM-Lehre eine kraftvolle Hilfe bei der Diagnostik von Krankheiten, da hierbei eben der gesamte Patient (mit all seinen fünf Elementen) zusammengedacht wird.

Hat man es einmal über die 25 Einleitungsseiten hinaus geschafft, landet man beim ersten Element. Kneißl gliedert sein Buch in genau die fünf Elemente Metall, Erde, Holz, Feuer und Wasser, was logisch erscheint und mich ehrlich gesagt, sehr angesprochen hat. Je nach dem, welche Elementeschwächungen vorliegen, lassen sich bestimmte Krankheiten, aber eben auch deren Ursache erkennen. So wird im Gegensatz zur üblichen schulmedizinischen Herangehensweise nicht nur gegen die Symptome vorgegangen, sondern das vorliegende Ungleichgewicht möglichst beseitigt, um den Körper wieder in Einklang zu bringen.

Doch schon bald tun sich logische Schwächen im Buch auf. Hinzu kommen plumpe Generalitäten, die im Speziellen keine Gültigkeit haben müssen. So ist, ich habe darüber schon einmal geschrieben, Vollkorn nicht zwingend gesünder als Weißmehl. Kneißl sieht das anders und ist für einen naturheilkundlich ausgebildeten Arzt hier und da einfach zu salopp, zieht Allgemeinplätzchen dem holistischen Zugang, der stets auch ein individueller sein sollte, vor. Schade, liefert das Buch an anderer Stelle doch durchaus denkwürdige Anstöße:

  • Verzicht auf Lotionen, Cremes und Sonnenmilch mit Weichmachern (Phthalaten) wegen hormonähnlicher Wirkung
  • rhythmische Bewegungen und Tanzen zur Stärkung des Elements Metall
  • Verzicht auf Teflon-Pfannen (lieber Gusseisen oder hochwertiges Keramikkochgeschirr)
  • Verzicht auf Amalgam → erhöht das Allergierisiko (und auch das für Histaminintoleranz?)
  • generell kein Schweinefleisch essen
  • der Standard-28-Tage-Rhythmus der Anti-Baby-Pille muss nicht mit dem eigenen natürlichen Rhythmus übereinstimmen

Während ich die oben genannten Punkte so unterschreibe und davon ausgehe, dass mir viele naturheilkundlich geschulten Ärzte beipflichten würden, sehe ich viele andere Punkte im Buch eher kritisch. Besonders schlimm wird es für den Leser, wenn sich der Autor selbst widerspricht, wahrscheinlich in dem Versuch, keine zu „krassen“ Aussagen zu treffen.

Offen gestanden war das einer der wichtigsten Punkte in dem kürzlich geführten Interview mit Frau Dr. Scheuernstuhl: dass sie eben kein Blatt vor den Mund genommen hat! Mit einigen ihrer Aussagen begibt sie sich jedoch, zumindest aus schulmedizinischer Sicht, auf Glatteis, obwohl es zum Beispiel für ihre Aussagen bezüglich der Schädlichkeit von hormonwirksamen Verhütungsmitteln mittlerweile einige Studien gibt. Hut ab für den Mut also! Ich werde demnächst auf dem Blog auf den Konflikt „Schulmedizin vs. Naturheilkunde“ noch genauer eingehen. Freut Euch drauf! 🙂 Für den Moment hat mich Herr Dr. Kneißl aber sehr ernüchtert. Ein paar Beispiele hierfür:

Denn so wie es „gute“ Fette und „schlechte“ gibt [was so übrigens auch nicht stimmt – das Verhältnis der Fette zueinander muss stimmen, Anmerkung], so gibt es „gute“ und „schlechte“ Kohlenhydrate.

Vier Seiten später heißt es dann aber:

Verzichten Sie schließlich möglichst ganz auf Kohlenhydrate. Das heißt, Ihre Kost besteht aus dem, wie sich über Hunderttausende von Jahren die Menschen immer ernährt und damit bestens überlebt haben. Als Sammler und Jäger: Sehr viel Salat (Wurzeln), Gemüse, Samen und Früchte. Dazu gelegentlich Eiweiß aus Fisch und Fleisch (oder besser: Sojabohnen) [Anmerkung im Original]. Morgens zum Frühstück ist ein Knäckebrot erlaubt, das Sie zum Beispiel mit frischem Obst genießen können.

“Erlaubt“ gefällt mir in diesem Zusammenhang (es geht um gesunde Ernährung im Allgemeinen, keine spezifische Intoleranz mit Einschränkungen) schon einmal gar nicht. Viel merkwürdiger finde ich aber, dass ein Mediziner mir einreden möchte, dass Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse keine Kohlenhydrate enthalten. So ein Quatsch! Ja, so ernährt man sich nach der Low-Carb-Diät, die aber ohnehin eigentlich „Better-Carb-Diät“ heißen sollte … Das hat er mir noch vier Seiten vorher selbst versucht zu erklären.

Auffällig sind anderer Stelle im Buch die konkreten Produktempfehlungen. So wird etwa die blaue Nivea-Creme uneingeschränkt empfohlen, als es darum geht, Weichmacher in Kosmetika zu vermeiden. Dabei zeigt zum Beispiel die BUND-App ToxFox, dass auch Markenhersteller wie Nivea durchaus mit diesen hormonwirksamen Substanzen in Sonnencreme, Lotionen usw. arbeiten – bei Herrn Dr. Kneißl fehlt diese Anmerkung jedoch. Auf S. 126 wird die Douglas-eigene Serie DAYTOX uneingeschränkt empfohlen. Ein kurzer Blick in die Zusammensetzung eines Duschbads war aufschlussreich genug für mich, hier nicht zuzugreifen. Auch die generelle Empfehlung von Sojaprodukten zieht sich durch das Buch, als gebe es keine anderen pflanzlichen Eiweißprodukte! Was ist zum Beispiel mit Erbsen? Die übrigens auch bei Histaminintoleranz in Maßen verträglich sind, weil sie im Gegensatz zu den meisten anderen Hülsenfrüchten theoretisch auch roh gegessen werden können (bei HIT aber bitte dünsten oder kochen).

Ebenfalls kritisch bewerte ich Aussagen über „eine verklemmte Sexualität“, die schließlich für Regelbeschwerden sorgen soll. Ähnliches gilt für Aderlass! Diese Zeiten, dachte ich, seien doch nun wirklich Geschichte. Aber nein, auf S. 155 wird er empfohlen. Tatsächlich ist es so, dass regelmäßiges Blutabnehmen bei bestimmten Erkrankungen Sinn machen kann. Aderlass ist jedoch immer eine unhygienische und gefährliche Angelegenheit und nicht dasselbe wie die Blutabnahme unter sterilen Bedingungen!

*

Auf S. 165 liest man den üblichen Satz, die Pille würde dem Körper vorgaukeln, er sei schwanger, weil eine progesteronähnliche Substanz enthalten ist. Frau Dr. Scheuernstuhl gibt in ihrem Buch* kurz und einleuchtend zu denken, wenn dem so sei, warum könne man dann mit der Pille abtreiben? Überhaupt macht das Thema „Pille“ eine Achterbahnfahrt im Buch mit. Sie belaste die Leber und dann spricht sich Dr. Kneißl doch für eine gestagenbetonte Pille aus. Die sei weniger schädlich als die östrogenbetonte. Einmal umgeblättert, heißt es dann, dass „das (falsche) synthetische Gestagen die eigenen Gelbkörperhormone ziemlich absenkt und es so zu einem relativen Östrogenüberschuss kommt.“ „Falsche“ oder „richtige“ Gestagene sind im Zusammenhang synthetischer „Hormone“ eine Illusion, ist (nicht nur) meine Meinung. Im Endeffekt – und das räumt an dieser Stelle selbst Dr. Kneißl bis zu einem gewissen Grad ein – führen sie mittel- bis langfristig alle zu einem Ungleichgewicht – zu einer Östrogendominanz. Auf S. 173 betont das Dr. Kneißl selbst noch einmal deutlicher:

Die weitverbreitete Pilleneinnahme [diesmal ohne „richtig“ oder „falsch“, Anmerkung] sowie Blockaden der Meridiane des Elements Holz sorgen dafür, dass das Progesteron im Körper abfällt und es dadurch zu einem relativen Östrogenüberschuss kommt. Gefährlich.

Ähnlich problematisch verhält es sich mit der Kupferspirale, die zwar keine synthetischen „Hormone“ enthält, aber eben Kupfer. Was an sich nicht schädlich wäre, da sich die Spirale aber durchgehend im Körperinneren befindet und Kupfer der natürliche Gegenspieler zu Zink ist, ist auch hier langfristig ein Zinkmangel mit entsprechenden Folgen absehbar. Trotzdem wird sie im Buch empfohlen.

Meine nächste Kritik bezieht sich auf folgende Aussage:

Weil die Unterscheidung zwischen gutartiger Veränderung der Brust, Zyste und Krebs – durch Abtasten zum Beispiel – sehr schwierig ist, bedarf es anderer Methoden, um mehr Sicherheit zu gewinnen. Zum Beispiel durch die Ultraschalluntersuchung oder die wenig beliebte, aber recht aussagekräftige Mammographie.

Erstens geben weder Ultraschall noch Mammographie Auskunft darüber, ob Gewebsveränderungen gut- oder bösartig sind – sie zeigen allenfalls an, dass Veränderungen im Gewebe vorliegen. Auskunft darüber, ob es sich dabei tatsächlich um Krebs handelt, gibt lediglich eine Gewebeanalyse mittels Biopsie. Zweitens ist die „wenig beliebte“ Mammographie bekannt für falschpositive Ergebnisse, die Frauen in Angst und Schrecken versetzen können. Zudem erhöht das regelmäßige Scannen sogar das Krebsrisiko. Wie Dr. Kneißl wiederum mit Verspätung sieben Seiten später festhält:

Anders, als der Name glauben machen möchte, ist die Krebsvorsorge (nicht nur der Brust) [Anmerkung im Original], wie sie die Schulmedizin [und auch Dr. Kneißl sieben Seiten vorher] empfiehlt, gar keine Vor-Sorge, sondern (wenn man Glück hat) [Anmerkung im Original] die Feststellung einer Krebsgeschwulst in einem frühen Stadium.

In Bezug auf Sexualstörungen gibt Dr. Kneißl ab S. 248 (wahrscheinlich gut gemeinte) Ratschläge, wie das Sexualleben wieder aufzupeppen sei. Mit dabei ist auch dieser äußerst bedenkliche „Tipp“:

Selbst seriöse Modekataloge bieten inzwischen Vibratoren und Sexspielzeug an, die Sie sich gleichzeitig mit neuen Dessous diskret verpackt ins Haus liefern lassen können. Gleitmittel und Viagra sind schon lange kein Tabu mehr!

Gesundheitlich bedenklich ist Viagra dennoch nach wie vor.

Abschließend fällt mir meine anfängliche Frage wieder ein: Warum ausgerechnet ein Mann „Das sanfte Gesundheitsbuch für Frauen“* geschrieben hat? Mit welcher Intention? Liest man nicht nur den Fließtext der einzelnen Kapitel, sondern stets auch die angehängten Kästen mit Hinweisen zur „Selbsthilfe“, wie es bereits auf dem Cover heißt, fallen die Rundum-Kuren auf. So wird zur Einnahme einer ganzen Bandbreite von Präparaten geraten. Für ähnliche Beschwerden wird oft fast doe gesamte Palette der Schüßler-Salze empfohlen und natürlich jede Menge Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen. Warum? Nun, böse Zungen würden behaupten, es hat damit zu tun, dass Dr. Kneißl alleinvertretungsberechtigte Einzelperson, kurzum Geschäftsführer, der SAN-U-VIT GmbH ist, die ihres Zeichens ebensolche Nahrungsergänzungsmittel herstellt bzw. vertreibt.

Als Einführungsbuch ist das Werk aufgrund der zahlreichen Widersprüche und teils doch bedenklichen Tipps nicht zu empfehlen. Trotzdem soll dieser Ausreißer nicht bedeuten, dass die Naturheilkunde keine sinnvollen Chancen für Histaminintoleranz-Betroffene bietet. Vielmehr zeigt es, dass der Patient auch hier sehr wachsam sein muss, welche Angebote er nutzt und welche nicht. Allenfalls ist das Buch somit eine gute Gelegenheit, in sich selbst hineinzuhören. Denn tatsächlich wissen Betroffene instinktiv oft selbst, was ihnen guttut und was ihnen schadet. Diese innere Stimme zu stärken, ist in jedem Fall ein lohnenswertes Vorhaben. Daher wird es in nächster Zeit einige kritische Auseinandersetzungen mit der medizinischen Praxis geben, die Ihr als kritische wie vernünfte Denkanstöße nutzen könnt, um Euch für medizinische Themen zu sensibilisieren, denn Ihr habt nur diesen einen Körper und es ist am Ende Eure Verantwortung, ihn zu pflegen. Eine eigene, aber fundierte Meinung zu haben, ist daher nicht nur sinnvoll, sondern in meinen Augen sogar nötig.

Zusammenfassung:

Ich bedanke mich beim Kösel-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

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