Histamin-Pirat

Tipps & Rezepte zum Leben mit Histaminintoleranz

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Wenn die Hormone verrückt spielen …

Auf www.histaminintoleranz.ch ist es deutlich nachzulesen und auch ich habe diesen Teil so in etwa auf meiner Seite über Histaminintoleranz eingebunden:

Auch ein aus dem Gleichgewicht geratener Hormonhaushalt kann Histaminprobleme verursachen oder begünstigen. Die größte Rolle spielt hier vermutlich das Östrogen (weibliches Sexualhormon), wobei nicht die absolute Östrogenmenge, sondern das Verhältnis von Östrogen relativ zu bestimmten anderen Hormonen (Progesteron, Testosteron) entscheidend ist. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.

Zu den Störfaktoren im Hormonhaushalt gehören:

  • Weiblicher Zyklus (Menstruation)
  • Hormonelle Empfängnisverhütung (Antikonzeptiva, Antibabypille)
  • Wechseljahre (Klimakterium)
  • Pubertät
  • Östrogendominanz (bzw. Progesteron- oder Testosteronmangel)
  • Hormone und hormonähnliche Stoffe in natürlichen Lebensmitteln (z.B. Östrogen in Hopfen und Bier)
  • Hormonaktive Umweltschadstoffe: Stoffe mit (unbeabsichtigter) hormonähnlicher Wirkung in Alltagsprodukten wie Kunststoffen, Sonnencrèmen etc.
  • (Evtl. Hormone als Leistungsförderer in der Tierproduktion?)

Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Histamin und Hormonen:

Von HIT sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen und die Krankheit tritt oft mit dem Beginn der Wechseljahre auf.

Trotzdem muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich mich mit dem Thema Hormone und HIT bisher nicht näher befasst habe. Was hat mich eigentlich davon abgehalten? Dass ich hier zu Hause einen Mann und nicht etwa eine Frau mit HIT sitzen habe oder einfach weil ich mich an das Thema Endokrinologie (Hormonlehre) bisher mangels Kenntnisse nicht herangetraut habe?

Hormone? Was ist das eigentlich?

Und ist nicht auch Histamin ein Hormon? Trotzdem denken wir, wenn wir “Hormone” hören, zunächst nicht an Histamin, sondern vor allem an die wohl bekanntesten Vertreter, nämlich die sogenannten Sexualhormone: Östrogene (Östron, Östradiol, Östriol), Gestagene (Pregnandiol, Progesteron und Pregnenolon) und Androgene (Testosteron, Dehydroepiandrosteron/DHEA, Androstendion). Den Sexual- oder Steroidhormonen ist gemeinsam, dass sie allesamt auf Cholesterin als Baustein angewiesen sind. Außerdem werden diese Hormone im Gegensatz zum Gewebshormon Histamin alle in Drüsen wie der Schilddrüse, den Nebennieren, den Eierstöcken oder Hoden gebildet und dann in den Blutkreislauf gegeben. Histamin hingegen wird von spezialisierten Zellen produziert und in Mastzellen gespeichert und ist auf diese Weise bereits durch die Produktionsart an sehr unterschiedlichen Orten im Körper zugegen. Wie andere Hormone auch, entfaltet Histamin seine Wirkung durch das Binden an spezielle Rezeptoren. Je nach Rezeptorart, wirkt es dann als Hormon oder als Neurotransmitter. So kommt es, dass Histamin enorm viele Funktionen im Körper hat.

Bei den “herkömmlichen” Sexualhormonen ist das jedoch nicht wirklich anders. Die können nämlich auch weitaus mehr als unseren Sexualtrieb, die Schwangerschaft oder Samenproduktion steuern. Außerdem – und hier wird es dann wirklich interessant – hängen all diese Hormone eng miteinander zusammen und beeinflussen – Überraschung! – auch die Histaminfreisetzung auf die eine oder andere Weise.

Um das Ganze ein bisschen besser zu verstehen, was da so in unserem Körper passiert, vor allem wenn die Wechseljahre einsetzen, habe ich mir ein Buch* zukommen lassen. Als Histamin-Pirat wollte ich schließlich auch dieses Thema endlich kapern. Nicht zuletzt deswegen, weil ich immer wieder Zuschriften von Damen jenseits der 40 Jahre oder älter erhalte, die über typische HIT-Symptome aber auch über typische Wechseljahrbeschwerden klagen. Wir werden sehen, dass diese Symptome und Beschwerden ziemlich ähnlich sind. Andererseits gibt es Frauen, die mir schreiben, dass sie nun plötzlich HIT nach der Schwangerschaft bekommen hätten oder die Pille nicht vertragen oder seit Einsetzen einer Hormonspirale Probleme mit bestimmten Lebensmitteln hätten und immer wieder verfolgt mich der Hormonzusammenhang, zu dem ich bisher wirklich nicht viel sagen konnte außer: Ja, Östrogendominanz spielt eine Rolle bei HIT.

Ist das mit den Hormonen denn wirklich so kompliziert?

Betrachtet man das Hormonsystem ausschließlich im schulmedizinischen Sinne, neigt man dazu, die Zusammenhänge zwischen den sehr unterschiedlichen Hormonen zu ignorieren. Die zwei Autorinnen von “Natürliche Hormontherapie“* Annelie Scheuernstuhl und Anne Hild leiten hierzu beispielsweise mit dem “Mythos vom ungesunden Cholesterin” ein und schreiben:

Nicht nur als Ausgangsstoff unserer Steroidhormone ist [Cholesterin] für unseren Körper unverzichtbar, ebenso dringend wird Cholesterin zum Aufbau von Zellmembranen und Nervenschutzhüllen und bei der Energiegewinnung jeder Zelle gebraucht. Festzuhalten ist, dass ein Mensch nicht an einem “erhöhten” Cholesterinwert sterben kann – wohl aber an Medikamenten, den sogenannten Statinen, die den Cholesterinspiegel im Blut senken sollen. […] Im Übrigen finden sich bei krebskranken Menschen stark erniedrigte Cholesterinwerte, und japanische Studien zeigten, dass Menschen, die einen niedrigen Cholesterinspiegel haben, früher sterben als solche mit höheren Cholesterinwerten.

Natürlich sollte ein stark erhöhter Cholesterinwert als Alarmsignal gewertet werden. Jedoch sollten wir dann nicht das Alarmsignal mit Medikamenten ruhigstellen, sondern der Ursache für den zu hohen Cholesterinwert auf den Grund gehen.

So wird meist auch nicht darüber nachgedacht, warum Cholesterin angestiegen ist. Vielleicht durch eine Unterfunktion der Schilddrüse? Die ihrerseits wieder durch zu wenig Progesteron oder ein Zuviel an unbalanciertem Östrogen in der Unterfunktion ist?

Wie so oft, hegen wir natürlich den Wunsch, eine Tablette würde unser Leiden heilen. Doch genauso wenig, wie es die eine Pille gegen Histaminintoleranz gibt, gibt es die wundersamen Cholesterinsenker, die uns wieder gesund machen. Man muss der Sache auf den Grund gehen.

Der oder die Fehler im System

Leider fehlt in unserem ohnehin mehr und mehr zum Zwei-Klassen-System (wenn nicht mehr) veränderten Gesundheitssystem oft die Zeit für eine vernünftige Anamnese. Das Patientengespräch wird allzu oft im Rein-Raus-Verfahren innerhalb weniger Minuten abgeschlossen und endet allzu häufig mit einem simplen Rezept, das schlichtweg auf Basis der genannten, spürbaren und/oder sichtbaren Symptome verschrieben wird. Den Ärzten die Schuld dafür zuzuschreiben, ist verführerisch, aber so auch nicht richtig. In der Regel ist es ein bunter Mix aus in privat und öffentlich getrenntes Versicherungssystem, einer engstirnigen schulmedizinischen Ausbildung und dem nur verständlichen Wunsch, dass man nach gut acht Jahren Ausbildung vom Arztsein auch leben und nicht nur überleben möchte.

Um dieses Patientenzeit-Problem zu beheben, braucht es daher gar nicht mal unbedingt mehr Geld. Es müsste nur anders und besser verteilt werden. Außerdem müssten wichtige Erkenntnisse der Homöopathie, Ernährungsmedizin, orthomolekularen Medizin etc. endlich Eingang in die medizinische Ausbildung finden. Mittlerweile sind zahlreiche Studien zu diesen Gebieten erhältlich und die Zusatzausbildung ist längst möglich, aber nach wie vor freiwillig.

Doch zurück von der holistischen medizinischen Ausbildung, die erstrebenswert ist, zur holistischen Behandlungs- und Betrachtungsweise des Menschen – weg vom Pillenverschreiben hin zum Diagnostizieren.

Pillen ohne vernünftige Diagnose?

Wie bereits Julien Venesson in seinem Buch “Wie der Weizen uns vergiftet“* (Rezension hier) kritisierte, kommt es gar nicht so selten vor, dass Ärzte gar keine richtigen Diagnosen stellen und dennoch Medikamente verschreiben. Eins meiner liebsten Beispiele hierfür ist das sogenannte Reizdarm-Syndrom, was im eigentlichen Sinne keine Diagnose darstellt, sondern lediglich ein Symptomkatalog ist. Frei nach dem Motto: “Ah, Sie haben diese und jene Beschwerden. Das ist typisch für dieses und jenes Syndrom. Da verschreiben wir zur symptomatischen Therapie (Symptomunterdrückung) folgendes Medikament. Wir wissen aber eigentlich nicht, was wirklich mit Ihnen los ist.”

So wird beispielsweise auch die Histaminintoleranz zuweilen als psychosomatisches Phänomen abgetan und es wird mit Antidepressiva behandelt, was die Symptome häufig noch verschlimmert, weil diese Psychopharmaka schwerwiegend in den Neurotransmitterverkehr und Hormonhaushalt eingreifen.

Ein anderes Phänomen, das wir beispielsweise bei unseren zwei Katzen beobachtet haben, ist die “Volksdroge” Cortison. Als wir die zwei Racker 2013 bekommen haben, war ihr Fell in nur mäßigem Zustand und bald haben sie sich an den Ohren und anderen Stellen nahezu blutig gekratzt. Sie hatten Pickelchen und übergaben sich regelmäßig nach dem Essen. Also ab zum Tierarzt. Dort angekommen, meinte die Dame, so etwas hätte sie noch nie gesehen und verschrieb dennoch eine cortisonhaltige Salbe. Klar, die wirkte auch, solange man sie anwendete. Schließlich wirkt Cortison (ebenfalls ein Steroidhormon!) immunsuppressiv. Setzt man die Salbe jedoch ab, kehren die Beschwerden bald zurück. Schließlich hat man sich ja mit der Ursache nicht auseinandergesetzt. Kurzum habe ich auf eigene Faust eine Eliminationsdiät auch bei den Katzen durchgeführt und kam zu dem Ergebnis: Schwein und Reis im Katzenfutter wird nicht vertragen. Schwein wird als billiges Fleisch häufig ins Katzenfutter gemischt, um es zu strecken. Roh soll es ohnehin nicht gegeben werden. Reis ist generell ungesund für Katzen, da Getreide den pH-Wert des Urins verschiebt und dadurch Nierenkrankheiten fördert. Durch die Ernährungsumstellung ernähren sich Momo und Luna also generell gesünder. Seit die zwei Allergikermiezen nur noch hochwertiges, getreidefreies Katzenfutter bekommen, ist alles prima. Kein Jucken, kein Erbrechen nach dem Essen und keine Pickelchen.

Auch von Betroffenen von HIT lese ich immer wieder, dass sie über lange Zeit Cortison nehmen mussten (ohne dass vorher der Hormonstatus bestimmt wurde) und relativ bald nach Absetzen die Symptome zurückkehren und sogar schlimmer sind. Kein Wunder, wenn man dem Körper das Hormon regelmäßig künstlich zuführt, wird er die eigene Produktion drosseln! Aus dem gleichen Grund bin ich im Übrigen kein großer Fan von regelmäßiger Daosin-Einnahme. Denn auch hier tritt womöglich eine Gewöhnung ein und der Körper produziert (noch) weniger von diesem für den Histaminabbau wichtigen Enzym.

Die Autorinnen von “Natürliche Hormontherapie“* kritisieren ein ähnliches Verfahren auch in Ihrem Buch. So wird leider allzu häufig nach dem Erkennen von “typischen Wechseljahrbeschwerden” von Hitzewallungen bis Stimmungsschwankungen ein Hormonersatz verschrieben, leider oft ein synthetischer Östrogenersatz, ohne vorher überhaupt den Hormonstatus mittels Speicheltest zu überprüfen.

Warum ein Speicheltest?

Bisher ist die Bestimmung der Hormonwerte mittels Blutuntersuchung nach wie vor gängig. Auch diesen Umstand kritisieren die zwei Autorinnen in ihrem Buch.

[Der Speicheltest] hat eine höhere Aussagekraft als die bisher üblichen Blutuntersuchungen. Hormone werden im Körper in Drüsen gebildet und über den Blutstrom an ihren jeweiligen Bestimmungsort gebracht. Dazu brauchen die Steroidhormone, da sie aus dem Fettmolekül Cholesterin stammen, also fett sind, ein “Transportvehikel” (meist ein Eiweißmolekül, z. B. SHBG = sexual-hormon-binding-globulin) um durch das “wässrige” Blut schwimmen zu können. Wenn Blut zur Hormonbestimmung herangezogen wird, haben wir demnach als Ergebnis die Summe aller Hormone: Es werden sowohl die freien, die wirksam sind, nachgewiesen, wie auch die an das “Transportvehikel” gebundenen Hormone, die aufgrund dieser Bindung unwirksam sind.

Interessant und wichtig sind jedoch nur die ungebundenen Hormone, wie sie im Speichel vorliegen. Im Labor müssen bei Blutuntersuchungen also alle “Transportvehikel” bestimmt und rausgerechnet werden. Das Ergebnis wird dadurch wenig aussagekräftig und meist lassen sich nur grobe Ungleichgewichte im Hormonhaushalt mit diesem herkömmlichen Bluttest nachweisen. Der Speicheltest ist da empfindlicher und erlaubt so auch eine frühzeitige Therapie.

Warum gerät der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht?

Verschiedene Faktoren beeinflussen den Hormonhaushalt und können schließlich Ungleichgewichte hervorrufen. Ganz vorne mit dabei sind hormonell wirksame Kontrazeptiva wie die Pille, die Hormonspirale oder das Pflaster zur Verhütung.

Vor allem die sogenannte Anti-Baby-Pille wird wie eine “Lifestyle-Droge” bereits jungen Frauen ab einem Alter von 13 Jahren verschrieben, um beispielsweise gegen Beschwerden wie “unreine Haut” vorzugehen (Auch ich habe das durch). Dabei wird selten auf die eklatanten Risiken der Pilleneinnahme hingewiesen, wie z. B. die stark erhöhte Thrombosegefahr, da der Blutfluss beeinflusst wird. Sehr erhellend war für mich im Zuge der Lektüre der Fakt, dass die Pille in Wahrheit weder “wirkliche” Östrogene noch Gestagene enthält, sondern lediglich Stoffe mit “hormonähnlicher Wirkung”, wie sie im Buch genannt werden. Stoffe wie Ethinylestradiol ähneln dabei dem Östradiol, sind aber nicht bioidentisch und erfüllen somit auch nicht alle Funktionen des körpereigenen Hormons. Selbst wenn die Quelle “natürlich” ist und etwa von Pferden kommt, handelt es sich nicht um Östradiol wie es im menschlichen Körper vorkommt. Ein weiteres Problem ist, dass unbalancierte Östrogene zwangsläufig zur Östrogendominanz mit den typischen Beschwerden wie

  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Depressionen
  • Herzprobleme
  • Wassereinlagerung im Gewebe
  • Aufgedunsensein
  • etc.

führen. Als Balance für die künstlichen Östrogene wird Progesteron benötigt. Und tatsächlich enthalten viele Anti-Baby-Pille solches, doch auch hier handelt es sich bei genauerem Hinsehen nur um einen künstlichen Ersatz, der absolut nicht das Gleiche ist. Die sogenannten Progestine wie Desogestrel, Levonorgestrel, Norethisteron und Dienogest lassen erschreckenderweise den körpereigenen Progesteronspiegel noch mehr absinken. Somit ist also auch die sogenannte Mini-Pille aus dem Rennen, da auch sie langfristig höchstwahrscheinlich zur Östrogendominanz führt, obwohl sie nur Progestine und keine künstlichen Östrogene enthält.

Während Progesteron das Schwangerschaftshormon ist, kann mit den meisten Ovulationshemmern/Pillen abgetrieben werden. Dies zeigt schon die eklatanten Unterschiede. […] Unter der Pilleneinnahme wird im Körper nur noch wenig natürliches Progesteron in den Nebennieren gebildet.

Alternativ bieten sich Kondome oder die symptothermale Methode zum Verhüten an. Sofern ein Progesteronmangel bzw. eine Östrogendominanz mit dem Speicheltest nachgewiesen wurde, kann dem Körper mithilfe von Yamswurzel-Präparaten wieder Progesteron, oder besser dessen Vorstufe Diosgenin, zugeführt werden. Hier haben wir übrigens einen weiteren Grund, warum vor allem Soja-Produkte nur schlecht bei Histaminintoleranz vertragen werden – unfermentiertes Soga enthält Phytoöstrogene und fermentiertes leider wiederum Histamin.

Speziell Soja und Sojaprodukte können außerdem den Schilddrüsenwechsel stören und die Produktion des aktiven Schilddrüsenhormons T3 verhindern. Sie greifen ausserdem [sic] auch hemmend in den Hormonregelkreis ein und sie können die Aufnahme der Mineralstoffe Calcium, Magnesium, Eisen und Zink und von Vitamin B12 im Darm behindern. Mit der Ausnahme von fermentiertem Soja, das diese unerwünschte Wirkung nicht hat.

Vor allem Zink, Magnesium, Calcium und B-Vitamine werden aber auch für den Histaminabbau benötigt. Dabei behandelt das Buch das Thema “Histaminintoleranz” per se gar nicht. Doch obwohl das Wort “Histamin” nur einmal im Buch vorkommt, ist es dennoch von eindeutiger Relevanz für Betroffene von HIT, wie diese Stelle zeigt:

Östrogene lockern aber auch das Bindegewebe und lagern dort Wasser ein, sie lagern Fett in die Zellen, erhöhen die Blutgerinnung, was zur Gerinselbildung führen kann, setzen Histamin frei, was Allergien begünstigt, verdicken die Gallenflüssigkeit und können so auch Gallenleiden hervorrufen.

Östrogene gelten als Histaminliberator. Das schreibt auch Johannes Huber auf seiner Website im Zusammenhang mit dem Leaky-Gut-Syndrom (welches sich im Übrigen häufig als Histamin- oder eine andere Intoleranz herausstellt):

Erhöhte Histaminwerte im Stuhl sprechen für hohe Stresseinwirkung und damit auch für ein vorliegendes leaky gut. Die lokalen Entzündungsreaktionen gehen mit einer ödematösen Veränderung der Dünndarmzotten einher.

ENDOKRINER ZUSAMMENHANG: Während ansonsten das Östradiol einen immunsuppressiven Effekt hat, wirkt es auf die Histaminsynthese und auf die Mastzellen stimulativ. Deswegen wird man hier auf die Antihistaminwirkung des Progesterons bzw. des Testosterons ausweichen.

Interessant ist, dass die Autorinnen auf S. 123 allesamt Mittel der orthemolekularen Medizin empfehlen, die auch bei Histaminintoleranz gängige Helferlein sind:

[…] [E]ine orthemolekulare Behandlung mit den Vitalstoffen Magnesium, Zink, verschiedenen B-Vitaminen, Vitamin C, Vitamin E und Biotin, Nachtkerzenöl oder Borretschkapseln kann ebenfalls helfen.

Für die Vitalstoffe gilt jedoch genau wie für die Hormone: Vorher den aktuellen Status und diesmal mittels Blutuntersuchung zu bestimmen. Nahrungsergänzungspräparate sind schließlich keine Bonbons, sondern auch Medizin.

An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, dass vor allem Hormonspiralen häufig Kupfer enthalten und Kupfer ist der Gegenspieler zum Spurenelement Zink, welches als DAO-Co-Faktor für den Histaminabbau benötigt wird.

Verschiedene Erkrankungen treten gehäuft mit Histaminintoleranz auf und womöglich könnte man auch hier einmal in Richtung Hormonhaushalt Überlegungen anstellen:

  • Erkrankungen der Schilddrüse (Über-, Unterfunktion sowie Morbus Basedow und Hashimoto)
  • Erkrankungen der Nebennieren
  • Osteoporose, Osteopenie (hier spielt natürlich auch das Prohormon Vitamin D eine Rolle!)
  • Endometriose
  • Reizblase
  • Regelbeschwerden
  • Fibromyalgie
  • Brustkrebs und andere Krebsarten der hormonbildenden Drüsen

Hinzu kommt die Verbesserung der Beschwerden mit der Schwangerschaft, weil die DAO-Produktion um ein Vielfaches steigt und dies natürlich auch mit dem veränderten Hormonhaushalt (mehr Progesteron) zusammenhängt.

Doch was, wenn man weder Pille noch Hormonspirale verwendet, kann es da auch zur Östrogendominanz kommen?

Dadurch, dass so viele Frauen mit diesem Produkt verhüten oder meinen, ihr Hautbild verbessern zu können, werden Östrogene mit dem Urin ins Abwasser gespült. Und trotz Kläranlage gelangen diese dann zumindest zum Teil zurück ins Trinkwasser. Doch selbst wenn dieser Ansatz als geringfügig abgetan wird, gibt es weitere Faktoren, die nachweislich zu Problemen führen können:

  • Sonnencreme mit hormonell wirksamen Substanzen als UV-Schutz (die im Übrigen im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen)
  • Deos mit Aluminiumchlorid, da Aluminium an die nahegelegenen Östrogen-Rezeptoren im Brustgewebe bindet und wahrscheinlich aufgrunddessen das Brustkrebs-Risiko fördert

Ich kann also nur jedem und jeder empfehlen auf solche Sonnencremes und Deos mit Aluminiumchlorid zu verzichten. Hier gibt es ein Rezept für natürliche Sonnencreme, das nach Belieben abgewandelt werden kann. Im Handel gibt es zahlreiche Deo-Alternativen – wir verwenden ein Deo-Spray von Alverde*.

Manchmal tritt die Östrogendominanz aber auch “spontan” auf und zwar kann dies ab etwa dem 35. Lebensjahr im Zuge der “Prämenopause” losgehen:

Prämenopause heißt die Zeit vor der eigentlichen Menopause, in der die Hormonproduktion, vor allem die Bildung des Gelbkörperhormons Progesteron immer mehr absinkt. In der Regel beginnt die Prämenopause zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr der Frau und dauert im Schnitt fünf Jahre bis zum Eintritt unregelmäßiger Zyklen, in denen immer häufiger die Ovulationen fehlen. Diese Phase kann auch deutlich kürzer sein oder sich über mehr als zehn Jahre erstrecken.

Da häufig die Progesteronproduktion schneller als die Östrogenproduktion abfällt, haben so viele Frauen Wechseljahrbeschwerden und entwickeln dadurch womöglich auch andere Beschwerden wie die Histaminintoleranz. Von den Wechseljahren sind übrigens nicht nur Frauen betroffen. Mittlerweile weiß man von der Andropause. Und in ähnlicher Form gelten daher die gemachten Angaben auch für den Mann, bei dem es ebenso zum Ungleichgewicht im Hormonhaushalt kommen kann. Beide Geschlechter verfügen über die gleichen Hormone (auch Frauen haben Testosteron und auch Männer haben Östrogene), nur die Verteilung ist freilich anders.

Fazit

Wenn die HIT bei Dir scheinbar plötzlich nach der Schwangerschaft, mit den Wechseljahren oder nach dem 35. Lebensjahr aufgetreten ist oder Du regelmäßig Regelbeschwerden oder Osteoporose oder die Vorstufe Osteopenie hast, kannst Du Dich mal zur Homepage von Annelie Scheuernstuhl klicken. Hier gibt es eine Übersicht mit Therapeuten im deutschsprachigen Raum, die sich mit der natürlichen Hormontherapie auskennen (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Ansonsten kann ich nur empfehlen, selber mal das Buch zu lesen oder es dem behandelnden (Frauen-)Arzt in die Hand zu drücken. Das Buch sollte zur Pflichtlektüre für Gynäkologen und andere Mediziner werden!

Kleine Nebenbemerkung noch zum Abschluss: Ich war positiv überrascht, zwei bekannte Namen im Buch zu lesen: Che Guevara, der bevor er sich einen Namen als Revoluzzer gemacht hat, Medizin studiert hat. Eins seiner Steckenpferde war offenbar damals schon das Thema Hormone. Bis heute gilt das kubanische Gesundheitssystem übrigens als absolut vorbildlich. Ich werde das in meinem Buch etwas genauer beleuchten.

Der andere Name, den Du gerne mal googeln kannst, der mir auch bereits vor der Lektüre von “Natürliche Hormontherapie“* geläufig war, ist Peter C. Gøtzsche. Der dänische Mediziner spricht sich (wie die Autorinnen) gegen “Big Pharma” aus und erklärt auch, warum:

Zusammenfassung:

  •  „Natürliche Hormontherapie“* von Annelie Scheuernstuhl und Anne Hild
  • 256 Seiten, Softcover
  • bioidentische Hormone vs. künstliche Hormone und ihr richtiger Gebrauch in der Medizin
  • relevant für verschiedene Krankheiten von Histaminintoleranz bis Osteoporose
  • 14,80 Euro, erschienen im J. Kamphausen-Verlag

Ich bedanke mich beim J. Kamphausen-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von den Autorinnen oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

„Plastikfrei für Einsteiger“ – in einfachen Schritten zu einem bewussten Umgang mit Plastik (Rezension)

»Sag mal, Oma, womit habt ihr euch eigentlich früher die Zähne geputzt?« – »Na, mit einer Zahnbürste aus Holz«, sagte meine Oma in selbstverständlichem Ton. Ich war überrascht.

Für meine Generation ist Plastik vollkommen normal. Wir sind damit aufgewachsen. Vom Babybreiteller bis zu Omas Kittelschürze – alles war aus Kunststoff. Schließlich ist Kunststoff günstig und super vielseitig. Da ist nur ein Problem: Das Zeug zersetzt sich nicht.

Tonnenweise aufgeriebene Plastiküberreste, sogenannte Mikroplastik, schwimmen neben anderem Kunststoffmüll im Meer herum. Bestimmt hast Du die verheerenden Bilder von, dank der Strömung, zu Bergen aufgetürmtem Plastikmüll schon einmal gesehen. Oder die fiesen Folgen von achtlos weggeworfenen Feuerzeugen, die ihren Weg in den Magen von Vögeln gefunden haben. Fest steht: Die Menschen sind seit dem Plastikboom Mitte des 20. Jahrhunderts viel zu achtlos mit dem haltbaren Material umgegangen.

Mittlerweile werden Maßnahmen ergriffen. Einige Supermärkte haben bereits Plastiktüten ganz verbannt und verkaufen stattdessen Papiertüten und Stoffbeutel für den Transport Deines Einkaufs. Ohne Zweifel, damit wir das große Problem in den Griff bekommen, ist die Industrie gefragt. Doch auch jeder von uns kann seinen Beitrag leisten und damit nicht zuletzt die Wirtschaft zum Nachahmen anstiften. Denn sind wir mal ehrlich, Supermärkte springen nicht aus Nettigkeit auf den Plastikfrei-Zug auf, sondern weil immer mehr Menschen das fordern und so leben.

Denn solange Plastikverpackungen nicht gesetzlich verboten werden, kann nur er [der Verbraucher] das Produkt verändern. Mach dir eins klar: Du als Verbraucher kaufst ein Produkt nur, wenn es dir gefällt.

Und auch die Politik wird erst tätig, wenn ein Großteil der Wähler und Wählerinnen sie dazu zwingt.

Plastikfrei für Einsteiger – so kannst Du beginnen

Kürzlich habe ich Christoph Schulzes Buch „Plastikfrei für Einsteiger“* zur Rezension bekommen. Bisher achte ich bereits hier und da darauf, nicht unnötig Plastikmüll zu produzieren. Das Schwierigste hierbei war tatsächlich der Anfang. Während es nur vorausschauendes Denken braucht, um zum Einkaufen einen Beutel mitzunehmen, erfordern andere Maßnahmen zur Plastikmüllvermeidung wesentlich mehr Denkarbeit.

Das liegt vor allem daran, dass der Kunststoff so normal und allgegenwärtig ist. Wir glauben er ist geradezu alternativlos, bis wir über clevere Alternativen stolpern. Ich hatte einen ähnlichen Aha-Moment wie der Autor, als ich realisierte: Wow, es gibt sowas wie Holzzahnbürsten! (siehe oben)

Aus Erzählungen meiner Eltern wusste ich, dass ich noch geradeso zur Generation Stoffwindel gehörte. Die Dinger gibt’s heute immer noch. Bequemer ist sicherlich das Aufreißen, Anlegen und Wegwerfen einer Einwegwindel, umweltfreundlicher das Wiederverwenden.

Nicht jeder möchte diesen Aufwand betreiben, und das verstehe ich auch irgendwie. Trotzdem brachten mich die Stoffwindeln auf die Idee: Wenn es das für Babys gibt, wie sieht’s dann mit Stoffbinden für Frauen aus? Ja, auch die gibt es und ich bin längst umgestiegen*. Ein großer Vorteil, wenn man von den Pros für die Umwelt einmal absieht: Stoffbinden sind auf Dauer billiger. Ich persönlich finde sie auch angenehmer auf der Haut.

Wenn man so weit ist, hat man wirklich schon viel erreicht. Die Frage ist also: Wie plastikfrei möchtest Du leben?

Ist plastikfrei wirklich das Ziel?

Selbst wer auf die praktischen Einwegwindeln und abgepackten Damenbinden nicht verzichten möchte, kann etwas gegen die Müllberge für Jahrtausende tun. Zum Beispiel den Müll richtig entsorgen. Gebrauchte Windeln und Binden aus dem Wegwurfsortiment gehören trotz ihres hohen Kunststoffanteils nicht in die gelbe Tonne, sondern in den Restmüll. Umgekehrt kommen Joghurtbecher in die gelbe Tonne – am besten ungestapelt, weil sie so besser recycelt werden können.

Grundsätzlich finde ich, wie der Autor übrigens selbst, den Begriff „plastikfrei“ ein bisschen problematisch. Das klingt immer nach „entweder … oder …“, „alles oder nichts“, „schwarz oder weiß“. So ein Denken zwingt uns eine Entscheidung ab und klingt immer nach Verzicht. Das ist aufwändig, anstrengend … und schon steht der innere Schweinehund auf der Matte und kläfft: Darauf habe ich keinen Bock.

Wir versuchen nicht, plastikfrei zu leben, weil Plastik grundsätzlich schlecht ist, sondern weil wir lernen müssen, richtig damit umzugehen.

Für den Anfang fände ich daher einen Begriff wie „plastikarm leben“ treffender. Betroffene von Histaminintoleranz können damit sowieso gleich etwas anfangen. Histaminarm, das kennen wir. Tatsächlich braucht unser Körper Histamin. Ganz ohne geht nicht. Nur zu viel ist eben auch unerträglich. Jetzt brauchen wir Plastik nicht unbedingt, aber das wasserabweisende Material in allen möglichen Flexibilitätsstufen hat in gewissen Bereichen eben seine Vorteile. Man denke nur an den Operationssaal in Krankenhäusern mit Einweghandschuhen und allem Drum und Dran. Genauso finde ich wetterfeste Funktionskleidung durchaus praktisch. Nur im Essen oder auf der Haut brauche ich kein Plastik.

Außerdem hast Du bestimmt schon einige Utensilien zuhause, die aus Plastik bestehen. Sollst Du die nun einfach wegschmeißen? Das wäre ja Quatsch. Dann könnte ich diesen Blog-Artikel (auf meiner Plastiktastatur) zum Beispiel nicht schreiben.

Um den Einstieg zu erleichtern, solltest Du dort ansetzen, wo Du am meisten Wegwerfplastik produzierst. Die Einkaufstüten und Zahnbürsten* habe ich bereits erwähnt. Und die Joghurtbecher auch. Es gibt ja auch Joghurt im Glas. Dann sind da noch ganz andere Verbrauchsgegenstände, die in der Regel aus Plastik bestehen. Einwegrasierer, Strohhalme und – Convenience Food. Was Letzteres angeht, macht Dir wahrscheinlich ohnehin die Histaminintoleranz einen Strich durch die Rechnung. Fertiggerichte gehen gar nicht, schon allein weil da oft so viel Zusatzstoffe drin sind.

Plastikarm leben – eine Chance, auch bei Histaminintoleranz

Das Eindämmen von Plastikmüll birgt Vorteile, insbesondere für Betroffene von Histaminintoleranz.

  • Plastikfreie Alternativprodukte sind BPA-frei und damit hormonell nicht wirksam
  • Wer statt Fertiggerichte zu kaufen, selbst kocht (auch unterwegs – Stichwort: Meal Prep), weiß was drin ist

Christoph Schulz, der Gründer von CareElite, liefert in seinem Buch zahlreiche Tipps, wie und wo Du umdenken kannst, um bewusster mit Plastik umzugehen, das ja aus einem begrenzte Rohstoff – Erdöl – gewonnen wird. Übersichtliche Fragebögen fassen einen Teil jedes Kapitels nochmal zusammen und sorgen dafür, dass Du das „Um-die-Ecke-Gedachte“ gleich verinnerlichst. Dabei wirst Du merken, dass vieles ziemlich Oldschool ist und eigentlich nicht neu. Denn was hat denn Oma im (fast) plastikfreien Zeitalter gemacht?

Die Holzzahnbürste ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass wir mit dem plastikfreien Lebensstil einen wichtigen Schritt zurück zu unseren Wurzeln machen, um dann wieder einige feste, bewusste Schritte nach vorn zu gehen.

Weitere Ideen für Deinen Einstieg in einen bewussteren Umgang mit Plastik

  • Hast Du einen Unverpackt-Laden in Deiner Nähe?
  • Nö? Dann probier’s mal auf dem Wochenmarkt oder bei der türkischen Gemüsehandlung ums Eck.
  • Weniger wegwerfen: Wie sieht es mit Repair-Cafés aus?
  • Sag einfach Nein, wenn Dich der Barkeeper das nächste Mal fragt, ob Du zu Deinem Drink einen Strohhalm möchtest.
  • Du hast ein Smartphone? Informiere Dich über Apps wie ReplacePlastic, Refill, Regio-App und Too Good To Go.
  • Kaufe (und verkaufe) mehr second hand.

Was mir am Buch gefällt

Viele Tipps sind tatsächlich einfach umzusetzen und gehen, wie vom Autor versprochen, schnell in Fleisch und Blut über. Der clevere Kapitelaufbau sorgt für einen übersichtlichen Einstieg, ohne Dich gleich auf komplett plastikfrei bekehren zu wollen. Überhaupt, kommt das Buch prima ohne erhobenen Zeigefinger aus, sodass die Umstellung Spaß macht.

Ein Problem, das ich schon länger habe: Mülltüten ersetzen. Auch hierfür hat Christoph Schulz Ideen parat. Mit einer Faltanleitung zeigt er, wie man den Mülleimer so mit Zeitungspapier auskleiden kann, dass trotzdem nichts daneben geht. Das muss ich mal ausprobieren. Dann werde ich auch diesen Wegwerfartikel los.

Außerdem liefert Christoph Schulz praktische und umweltfreundliche Alternativen für Alltagsprodukte, von denen wir womöglich dachten, dass es sie nur aus Plastik gibt. Ja, es gibt Wasserkocher aus Borosilikatglas*. Hinzu kommen hilfreiche Apps – super für alle, die ein Smartphone haben, und es sinnvoll nutzen wollen. Richtig toll: Rezepte zum Selbermachen von Zahnpasta, Spülmittel & Co. Wow, Du kannst aus Efeu ganz einfach selbst Spüli machen!

Links zu Projekten und Organisationen, wo man sich engagieren kann, aber natürlich nicht muss, runden das Ganze ab.

Was mir nicht so gut gefällt

Ein paar Tipps im Buch verursachen mir dann aber doch Falten auf der Stirn, z. B. als Alternative zum Einwegrasierer empfiehlt der Autor neben dem Rasierhobel* noch eine Option: das Veröden der Haarwurzeln mittels Lasertherapie, ohne hierbei die Risiken einer solchen Behandlung auch nur anzudeuten.

Die Windelfrei-Methode als weitere Alternative neben den waschbaren Stoffwindeln. Das klappt wahrscheinlich nur bei Helikopter-Eltern, die rund um die Uhr zuhause sind, und ist damit alles andere als alltagstauglich. Ähnlich problematisch: Spielsachen ausleihen?! Irgendwie nicht so hygienisch, vor allem wenn man bedenkt, dass Kinder Spielsachen gerne mal in den Mund nehmen. Umgekehrt finde ich Nachbarschaftsportale, zum Beispiel zum Ausleihen von Werkzeugen, sinnvoll. Aber die Bohrmaschine nehme ich ja in aller Regel auch nicht in den Mund 😉

Zusammenfassung:

  • “Plastikfrei für Einsteiger”* von Christoph Schulz
  • Tipps zum persönlichen Eindämmen von Plastikmüll, Rezepte für Naturkosmetik und mehr
  • empf. VK-Preis: € 14,99
  • Taschenbuch, erschienen Februar 2019
  • ISBN: 978-3-86882-993-8

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Ich bedanke mich beim mvg-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.



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(c) Histamin-Pirat

21. Türchen

Histaminintoleranz im engeren Sinne meint stets eine enzymatische Abbaustörung, also zu viel Histamin, weil zu wenig DAO.

Der Überbegriff Histaminose hingegen bezeichnet alle Störungen rund um den Histaminhaushalt – ob nun zu viel oder zu wenig.

Eine Histaminose kann viele Ursachen haben, und ist öft Begleiterscheinung einer anderen Grunderkrankung. Sie kann aber genauso dazu führen, dass Du zu viel Histamin einfach nicht tolerierst, ohne dass es sich um eine Histaminintoleranz an sich handelt. Oft spielen Erkrankungen der Schilddrüse eine Rolle. Übrigens auch der Grund, warum der Frauenanteil bei den "Histaminern" so hoch ist.

Ich habe hier schon einmal darüber geschrieben, wie eine jede "Histaminintoleranz" etwas anders ist als die jeweils andere.


Heute soll es einmal um die Schilddrüse im Konkreten gehen. Suzy Cohen hat das Buch "Schlank und schön trotz Hashimoto"* geschrieben.

Klingt erstmal etwas reißerisch und steigt auch so in medias res ein. Auf den ersten Seiten bekommt man den Eindruck, eine Epidemie grassiere in den USA (Suzy Cohen ist US-Amerikanerin): Schilddrüsenerkrankungen.

Dass so viele übergewichtig sind, dass das Gesundheitssystem ineffizient ist – muss daran liegen, an Schilddrüsenerkrankunegen. Dabei spielen viele weitere Faktoren eine Rolle, die unerwähnt bleiben, etwa dass viele US-Amerikaner zu den sogenannten Working Poor gehören, auf Lebensmittelmarken angewiesen sind, und oft billiges Fast Food essen statt vitalstoffreiche, frische Kost.

Das führt auf Dauer unweigerlich zu Mangelernährung und ironischerweise oft zu Übergewicht.

 

Dazu wissen wir, dass eingelagertes Unterbauchfett irgendwann selbst zum hormonproduzierenden Organ wird und Östrogene ausschüttet. Mehr dazu hier. Die fein abgestimmte Hormonproduktion der Schilddrüse kann so aus dem Gleichgewicht geraten.

Und das Gesundheitssystem in den USA? Es ist eins der teuersten der Welt, wenn nicht das teuerste. Aber es ist enorm ineffizient, wenn es um die Patientenversorgung und Krankenvorsorge geht.

Die USA sind das eine industrialisierte, westliche Land ohne universelle Gesundheitsversorgung. Die Krankenversicherungen sind in privater Hand, stehen in Konkurrenz zueinander und sind, wie das in einem solchen System so ist, auf Profit aus. Darunter hat die Versorgung zu leiden.

Dann werden zum Beispiel nur die "Standardtests" von der Kasse übernommen. Bezogen auf Schilddrüsenerkrankungen (um zurück zum Thema und Buch zu kommen) kann das bedeuten: Viele Schilddrüsenerkrankungen werden nicht erkannt.

Tatsächlich wird oft nur die Hormonproduktion über den TSH-Wert überprüft, nicht aber ob die Hormone auch in den Zellen ankommen. Hierfür muss das aktive Schilddrüsenhormon T3 überprüft werden, auch T4 ist nur eine Vorstufe.

Der rote Faden, der sich durch Suzy Cohens Buch schlängelt, lautet: Selbst ein TSH-Wert im Normalbereich sagt nicht zwingend aus, dass mit der Schilddrüse alles normal ist.

Sie zeigt auch auf, dass Nebennieren und Schilddrüse ein Team sind. Ärzte sollten daher anhaltende Müdigkeit, depressive Verstimmungen, rasche Erschöpfung, Migräne und andere Symptome nicht nur auf ein Organ – Schilddrüse, Herz oder Nebennieren – projizieren, sondern diese zusammendenken. Schließlich sind die Organe keine Einzelkämpfer! Schon gar nicht sind solche Beschwerden auf die leichte Schulter zu nehmen und flugs in die "Psycho-Ecke" abzulegen. Man sollte schon genau hinsehen.

Leider lässt die Autorin diesen roten Faden hin und wieder fallen. Gedankensprünge, gekünstelte Wortspiele und abgedroschene Redewendungen machen das Buch zuweilen verwirrend und auch langatmig.

Das ist besonders problematisch, da sich das Buch selbst als Einführungsbuch versteht. Einsteiger ohne Vorwissen steigen nach der Lektüre jedoch womöglich verwirrter aus. Schade eigentlich. Mit ein wenig mehr Struktur wäre es ein praktischer Ratgeber für Betroffene geworden.

Zusammenfassung:

Ich bedanke mich beim mvg-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

12. Türchen

Ein Mantra bei der Therapie von Histaminintoleranz ist Frische, Frische und nochmal Frische. Das beginnt bei der Auswahl der Zutaten, geht über die richtige Lagerung – Stichwort Kühlkette einhalten – und endet mit der richtigen, schonenden Zubereitung.

Küchenhygiene steht daher im Zentrum des Kochens bei HIT. Doch was ist mit anderen Bereichen unseres Lebens?

Auch hier kommt es auf Hygiene an, zum Beispiel Schlafhygiene.

Viele HIT-Betroffene beklagen Ein- und Durchschlafstörungen. Das hat viel mit Hormonen zu, allen voran mit Melatonin.

Studien deuten darauf hin, dass von Melatonin eine mastzellstabilisierende Wirkung ausgeht, und dass es gegen Tinnitus helfen kann, ein Problem, mit dem sich HIT-Betroffene öfter konfrontiert sehen.

Nun spreche ich mich nicht zwingend dafür aus, Melatonin per Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen. Ob das notwendig ist, sollte, wenn überhaupt, nur ein Arzt oder eine Ärztin mithilfe passender Tests entscheiden.

Mir geht es an dieser Stelle darum, dass Du Deinen Melatonin-Haushalt natürlich selbst beeinflussen kannst – positiv wie negativ.

Zahlreiche Faktoren beeinflussen die körpereigene Melatoninproduktion. Ausreichend Tryptophan sowie Serotonin sind nötig, um ausreichend Melatonin zu produzieren. Umgekehrt brauchen wir Dunkelheit des Nachts, denn das ist der Zeitraum, in dem die Zirbeldrüse das "Schlafhormon" freisetzt. Licht, insbesondere mit hohem Blauanteil (wie das Sonnenlicht), hemmt die Melatoninausschüttung.

Neben der Sonne sind es künstliche Lichtquellen wie Smartphone-Displays, die blaues Licht abgeben. Im Gegensatz zum Sonnenlicht, das eine ausgewogene Blaukurve besitzt, haben solche Displays "Blauspitzen" und wirken sich daher besonders schlecht auf den Schlafrhythmus aus.

Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen heißt es daher frei nach Peter Lustig: Abschalten.

Küchenhygiene kennst Du – Schlafhygiene auch?

Außerdem solltest Du für gute Schlafhygiene elektrische Geräte, so weit es geht, generell aus dem Schlafzimmer verbannen, um Dich nicht in einem Magnetfeld hin- und herzuwälzen.

Abschalten – oder zumindest runterdrehen – kannst Du außerdem die Heizung. Eine Raumtemperatur von etwa 18° C ist optimal für den Schlaf.

Umgekehrt darfst Du anderes gerne mit ins Schlafzimmer nehmen: "Klimahelfer" zum Beispiel.

Während die meisten Zimmerpflanzen tagsüber Sauerstoff und nachts Kohlendioxid abgeben, was uns wortwörtlich die Luft zum Atmen raubt, gibt es ein paar Zimmerpflanzen, die anders ticken.

Sie filtern das CO2 nachts aus der Umgebungsluft und verbessern so das Klima im Schlafzimmer. Voraussetzung natürlich, dass die Erde nicht zu feucht ist und es nicht schimmelt.

Da die meisten solcher Pflanzen Sukkulenten sind, die trockenes Klima gewohnt sind, ist weniger Gießen oft mehr.


Gute Schlafzimmerpflanzen sind daher: Bogenhanf und Aloe vera (Letzteres mit vielen weiteren Anwendungsmöglichkeiten wie etwa bei Sonnenbrand). Darf es etwas mehr Farbe sein?

Auch Orchideen und Bromelien sind prima Schlafzimmerpflanzen.

Daneben bieten sich Pflanzen an, die Schadstoffe aus der Luft filtern, zum Beispiel Grünlilie und Bergpalme.

Tipp: Setze Deine Zimmerpflanzen in Blähton*, um Schimmelbildung auf der Erde zu vermeiden. Keinen grünen Daumen? Gießanzeiger* geben auf einen Blick Auskunft, wann Deine Pflanzen wieder Wasser brauchen.

7. Türchen

Hinter Türchen 3 habe ich ein wenig über mögliche Ursachen für HIT geschrieben. Gerade bei Frauen im Wechsel können die Hormone eine Rolle spielen. Doch häufig sind es tatsächlich Probleme direkt im Magen-Darm-Trakt, die für mehr als nur Bauchgrummeln sorgen. Verschiedene Tests wie ein Atemtest oder Darmfloraprofil geben Auskunft darüber, wie es um deine Körpermitte bestellt ist.

Bestätigt sich, dass die Darmflora aus dem Gleichgewicht ist, sollte das Problem bei der Wurzel gepackt werden. „Gute“ Darmbakterien ansiedeln (mit passenden Probiotika) oder füttern (mit Präbiotika) und die „schlechten“ ausmerzen – am besten auf schonende Weise, zum Beispiel mit Oreganoöl*.

Doch genau wie beim Thema gesunde Ernährung, wo es nicht den einen richtigen Weg für alle gibt, sondern individuelle Lösungen gefragt sind, kann man „gute“ und „schlechte“ Darmbakterien nicht einfach über einen Kamm scheren. In Bezug auf Histaminintoleranz gibt es durchaus „gute“ Darmbakterien wie Lactobacillus casei (zum Beispiel in Actimel und anderen probiotischen Produkten), die Histaminern Probleme machen können. Der Grund? Die Bakterien verstoffwechseln ihr präbiotisches Futter unter anderem in Histamin. Eine Faustregel gibt es aber trotzdem: In der Regel werden rechtsdrehende Kulturen bei HIT besser vertragen als linksdrehende, wie ich hier angerissen habe. Doch was heißt das jetzt im Klartext?

Probiotika, aber welche?

Ich habe eine kleine Übersicht der Bakterienstämme gebastelt, damit du maßgeschneiderte Probiotika für dich auswählen kannst.

Verträgliche
Bakterienstämme
Bedenkliche
Bakterienstämme
Bakterienstämme, die biogene
Amine freisetzen
alle Bifidobakterienstämme (vor allem infantis)Lactobacillus helveticus Enterococcus faecialis
Lactobacillus acidophilusLactobacillus reuteri Enterococcus faecium
Lactobacillus gasseriLactobacillus plantarumEscherischia coli
Lactobacillus rhamnosusLactobacillus bulgaricus
Lactobacillus salivariusLactobacillus casei
Lactobacillus sporogenesLactobacillus fermentum
Lactococcus lactis Streptococcus thermophilus

Du hast Dich für ein probiotisches Produkt entschieden? Dann gehe es langsam an. Wer es mit Prä- oder Probiotika auf einen Schlag übertreibt, kann seinem Darm tatsächlich zu viel des Guten tun. Lass Dich daher am besten von einem Diätologen bzw. Diätassistenten beraten, wie Du mit so einer Kur für den Darm am besten vorgehst.

Ist personalisierte Medizin auch persönlicher? (Rezension)

Ich erinnere mich an einen Film mit Matthias Schweighöfer und August Diehl, „Frau Ella“*, der sich eigentlich (wie so oft) um die Liebe dreht, aber ganz nebenbei ein anderes Thema anreißt. Das von der Arzt-Patient*innen-Beziehung. Matthias Schweighöfer mimt im tragikomischen Roadmovie den Medizinstudenten Sascha, der sich mit Taxifahren seinen Lebensunterhalt verdient. Einmal abgelenkt am Steuer, baut er einen Unfall und landet prompt neben Ella Freitag, bald liebevoll „Frau Ella“ genannt, im Krankenhaus. Sascha hatte Glück im Unglück und für Frau Ella wird er zum unerwarteten Schutzengel. Die alte Dame steht vor einem größeren Eingriff, dessen Risiko-Nutzen-Rechnung jedoch in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters der Dame und aufgrund ihres Herzleidens wohl kaum aufgehen wird. Mit diesem medizinischen Hintergrundwissen und nach einem Erklär-Crashkurs für Frau Ella ist die Entführung aus dem Krankenhaus beschlossene Sache. Ein Medizinstudent mit einer betagten Dame im Schlepptau – so das Sprungbrett für die weitere Handlung. Am besten schaust du selbst mal rein.

Von Frau Ella zu ELGA

Ich bleibe heute fürs Erste jedoch genau dort stehen. Am Punkt, als Sascha in Ella Freitags Behandlungsplan eingreift und sie schließlich entführt. Die Patientin hat nicht verstanden, welche Risiken auf sie zukommen, wofür die Operation eigentlich gut ist oder ob sie wirklich notwendig ist. Man möchte meinen, das kommt eher selten vor. Doch dem ist nicht so. Tatsächlich trauen sich viele Patient*innen nicht, den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin nach solchen Dingen zu fragen oder sie (vor allem ältere Menschen) möchten dem ohnehin gestressten Fachpersonal mit solchen Fragen nicht zur Last fallen oder sie wissen ganz einfach nicht, wonach sie fragen sollen.

Eng gestrickte Zeitfenster, scheinbar unter dem Deckmantel der Kostenoptimierung, sind hauptverantwortlich für die fehlende oder misslungene Kommunikation zwischen Arzt/Ärztin und Patient/Patientin. Es fehlt ganz einfach die Zeit dazu, unter anderem weil Ärzte und Ärztinnen immer mehr mit bürokratischen Aufgaben betraut werden, die sie zwischen Visite und Anamnese auch noch erledigen müssen. Moderne Technologien sollen ihnen die Arbeit erleichtern. Checklisten und Protokolle sollen helfen, Kosten zu minimieren und Standards zu garantieren. Doch ist dem wirklich so?

Kann man damit wirklich Geld sparen oder kommt es durch mangelnde Face-to-Face-Kommunikation zu Fehlmedikation und anderen Behandlungsfehlern, also zu Mehrkosten? Wie persönlich ist unsere Medizin noch?

„Personalisierte Medizin“ – das ist so ein Trendbegriff. Vielleicht ist er nicht in aller Munde, aber im medizinischen Bereich durchaus en vogue. Zahlreiche Kongresse und Symposien widmen sich der Digitalisierung in der Medizin. Im selben Atemzug fällt dann gerne auch der Begriff der personalisierten Medizin. Doch was ist das eigentlich? Und ist es wirklich dasselbe? Welche Bedeutung haben diese Trends für den Patienten?

ELGA, kurz für elektronische Gesundheitsakte, sammelt in Österreich digital Patienteninformation, etwa zu verschriebenen Medikamenten, die von Ärzt*innen und Patient*innen eingesehen werden können. Die vernetzte Datenbank ELGA ist damit ein Tool der digitalen Medizin. Hierzu gehören aber auch andere Technologien des digitalen Zeitalters vom digitalen Röntgen bis hin zu computerassistierten Operationen. So weit, so gut.

Doch machen solche Maßnahmen das Zusammentreffen von Arzt/Ärztin und Patient/Patientin auch persönlicher? Jeder, der einen am Smartphone klebenden Teenager zuhause hat, ist versucht zu sagen: Wohl eher nicht. Obwohl ständig in den sozialen Netzwerken unterwegs, wirkt der Nachwuchs irgendwie abwesend statt in Kontakt mit der Welt. Machen uns Technologien also nur abhängiger statt umgänglicher?

Personalisierte und digitale Medizin – ein Widerspruch?

Barbara Prainsack, Politikwissenschaftlerin mit medizinischem Background, hat dieser und anderen Fragen ein ganzes Buch gewidmet, das sich mit Problemstellungen moderner Bioethik befasst. „Personalized Medicine. Empowered Patients in the 21st Century?“* ist ein wissenschaftliches Buch, das jedoch so verständlich (aber auf englisch) geschrieben ist, dass es kaum Vorwissen voraussetzt. Ein gewisses Interesse für den Stoff sollte man als Leser oder Leserin dennoch mitbringen. Mit diesem Rüstzeug kann man sich auf einen wissenschaftlichen Exkurs freuen, der die Digitalisierung der Medizin mal aus einem ganz anderen Blickwinkel als nur dem der Technologie betrachtet.

Und das ist wichtig. Denn wie Cornel West zu sagen pflegt: „Die Handys können smart sein; doch wir sollten weise sein.“ Wann immer neue Technologien auftauchen, müssen wir uns daher einen Kopf darum machen, wie sie unser Leben und in weiterer Folge unsere Gesellschaft verändern. Personalisierte Medizin ist im Rahmen der medizinischen Digitalisierung zum „Buzzword“ geworden und meint in diesem Zusammenhang sowas wie maßgeschneiderte Medizin, weil sie auf individuelle Vorbedingungen einzugehen scheint. Vor einer Krebstherapie kann anhand spezieller Marker festgestellt werden, ob das Medikament auf den Tumor wirken wird oder nicht. Personalisierte Medizin setzt darüber hinaus auf das aktive Mitwirken des Patienten bzw. der Patientin, was oft als Stärkung der Patient*innenrechte oder als Aktivierung der Patient*innen besprochen wird. Beispielsweise erlauben spezielle Tools durch das Mitwirken von Menschen die Früherkennung von Krankheiten oder das schnelle Handeln im Notfall und können so zur Prophylaxe oder zur raschen Intervention beitragen, etwa indem ein Fitnessband zur Messung der Herzfrequenz getragen wird. Digitale Datenbanken fassen alle verschriebenen Medikamente an einem Ort zusammen und geben auf einen Blick frei, welche Vorerkrankungen vorliegen.

Elaborierte Gentests errechnen die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Krankheiten. Firmen wie 23andMe basieren ihr Geschäft darauf, solche Gentests anzubieten. Gegen einen Obolus und die Übermittlung des eigenen Genmaterials erhält man Auskunft über mögliche Krankheitsrisiken und Wahrscheinlichkeiten von Medikamentenverträglichkeit. Doch es handelt sich dabei eben nur um Tendenzen, keine in Stein gemeißelten Fakten. Denn die Gene mögen, metaphorisch gesprochen, zwar die Kugel in den Lauf legen, doch diverse Umwelteinflüsse entscheiden schließlich, ob der Abzug auch gedrückt wird. Aber nicht zuletzt wegen etwaiger Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Ausprägungen des MTHFR-Gens und Histaminintoleranz und Mastzellaktivierungserkrankungen erlangen solche Tests Aufschwung. Die Gefahr ist groß, dass man sich mit etwaig angebenden Normabweichungen am Ende nur verrückt macht.

Also wie persönlich sind solche Maßnahmen? Wie aktiv sind wir als Patient*innen tatsächlich in den medizinischen Prozess eingebunden? Die Idee personalisierter Medizin ist an sich so alt wie die Disziplin selbst. Schließlich musste das medizinische Personal schon immer nach individuellen Symptomen fragen, den Kranken oder die Kranke persönlich in Augenschein nehmen und schließlich eine passende Diagnose stellen.

Online-Plattformen zur Einsicht der verordneten Medikamente und andere Maßnahmen sollen Patient*innen mehr Kontrolle geben. Doch wie viel Macht erhalten sie wirklich? Und handelt es sich tatsächlich um eine Stärkung der eigenen Rechte, wenn die Mitwirkung an der Digitalisierung zum Zwang wird? Viele Maßnahmen laufen am Ende nur darauf hinaus, Kosten im medizinischen Sektor zu senken – und dazu gibt es die schöne Rhetorik über aktive Mitarbeit.

Doch in Bezug auf neue Technologien zur Selbstoptimierung, allen voran durch freiwillige Selbstüberwachung durch Fitnessbänder, erhalten wir zwar Informationen über gelaufene Schritte, Herzfrequenz etc., doch welche Infos kommen am anderen Ende der Datenübermittlung, also beim Hersteller, an? Und was geschieht dort damit? Darauf haben wir keinen Einfluss. Wir können der Datenübermittlung zustimmen und das Gadget nutzen oder eben nicht.

As digital surveillance becomes less invasive and less intrusive […], the ways in which people contribute to the personalization of their health care becomes more passive. Patients become data transmitters who typically have very little influence over what data are collected from them and how they are used. (S. 73)

Hinzu kommt der Suchtfaktor solcher Geräte und auf der anderen Seite die Abhängigkeit, etwa wenn medizinisches Personal elektronischen Alarmsignalen mehr vertraut als der eigenen Erfahrung. Barbara Prainsack macht mit dem digitalisierten Trend der Selbstoptimierung durch Fitnessbänder und andere Geräte ein weiteres Problem ausfindig: die Schuldfrage. In Zeiten, in denen solche „Hilfsmittel“ relativ erschwinglich zu haben sind, das Netz voll von Informationen rund um „gesunde Ernährung“ ist usw., liegt es nahe, Kranke für ihr Gesundheitsdefizit persönlich verantwortlich zu machen. Hättest du nur mehr Sport getrieben oder besser gegessen! Völlig außer Acht gelassen werden dabei systemische Probleme, die unabhängig von individuellen Bewegungs- und Essvorlieben für gesundheitliche Beschwerden sorgen können.

Today, individuals are increasingly being called upon – and are calling upon themselves – to enhance themselves, by eating the right food, by keeping fit, or by taking genetic tests to determine disease ceptibilities or potential genetic issues of their unborn. (S. 84)
The stigmatization of obesity is an instructive example of the relationship between medical evidence, societal truth, and personal practices. […] [P]roblems that are associated with higher body mass […] include diseases such as diabetes, coronary heart disease, and respiratory problems. But this is not the whole story. […] Instead, he [scientist Eric Oliver] argues, obesity is mostly correlated with health problems because in America, poor and ill people are likely to have higher body mass. Moreover, that people eat a lot and exercise little […] is a manifestation of America’s consumer culture. As long as politics and culture will not change, overeating will not go away. (S. 85)
This prioritization of data-driven science and „new public health“ […] strategies aiming at behavior changem at the cost of more investment into improving the social determinants of health, is a reflection of a political economy where the failures and losses of corporate actors are collectivized – think bank bailouts with public money – while the supposed failures and mistakes of citizens are individualized. (S. 87)

Ein ganz anderes Problem ist in Bezug auf Histaminintoleranz interessant. Das Problem der Biomarker. Bereits in der Rezension von Anne Hilds und Annelie Scheuernstuhls Buch habe ich das Thema kurz angerissen. Damals ging es um zu hohe Cholesterinwerte, die durchaus ein Alarmsignal für einige Krankheiten sind – also ein Biomarker – jedoch nicht die Krankheit selbst ausmachen. Daher müsste man dem Grund für die erhöhten Cholesterinwerte aufspüren und nicht einfach das Cholesterin künstlich mit Statinen niedrig halten.

Doch Biomarker sind beliebt, vor allem wenn man sie in Zahlen ausdrücken kann. Sie gaukeln eine gewisse Verlässlichkeit vor. Wie in der Mathematik. 1 + 1 = 2. Sie sorgen außerdem dafür, dass wir Patient*innengespräche kurz halten und so Kosten senken können. Statt lange Gespräche zu führen, wird ein schneller Test gemacht.

In many instances, biomarkers have replaced other clinical parameters, especially nonquantified, narrative, or palpable characteristics and variables that reflect a patient’s functioning and wellbeing. (S. 97)

Solange es keinen anerkannten oder verlässlichen Test zur Diagnose von Histaminintoleranz gibt, der uns klare Zahlen für ja oder nein ausspuckt, wird die Krankheit weiterhin so umstritten sein wie in diesem Zeit-Artikel. Patient*innen werden daher mitunter immer noch nicht ernst genommen, selbst wenn sie beispielsweise ein minutiös geführtes Ernährungs- und Symptomtagebuch vorweisen können, aus dem hervorgeht, dass zwischen den Beschwerden, bestimmtem Essen und Stress ein Zusammenhang besteht, dem nachzugehen wäre.

Mit Doktor Google auf dem Vormarsch sind es aber auch Ärzte und Ärztinnen, die um ihre Position fürchten oder schlichtweg zu viel Unfug im Netz gesehen haben und daher wie allergisch auf besserwisserische Patient*innen reagieren. Trotzdem müssen wir insbesondere in Zeiten digitaler Medizin Wege finden, Patient*innen aktiv einzubinden.

This would require that we take patients seriously as contributors of information and knowledge for personalization, and that we find ways to systematically include their knowledge, values and preferences into our „tapestries of health data“ […]. (S. 154)

Barbara Prainsack schlägt daher unter anderem vor, sowas wie „soziale Biomarker“ einzuführen. Damit ist eine Leerstelle gemeint, die Patient*innen mit ihren Wünschen, Vorlieben und Kenntnissen füllen können, um ihre Gesundheitsversorgung zu personalisieren und zu optimieren.

[…] [W]e need more human touch and more emphasis on personal and collective meaning, not just better algorithms. (S. 157)

Ein interessantes Beispiel für die Verquickung von digitaler und personalisierter Medizin mit dem Patienten bzw. der Patientin im Mittelpunkt liefert die Autorin ab Seite 167: die niederländische Plattform Mijnzorgnet.nl, die Patient*innen nicht nur Zugriff auf ihre Patient*innenakte erlaubt, sondern auch ein Forum zur Diskussion bietet sowie die Möglichkeit bereitstellt, eigene Gesundheitsdaten zu ergänzen.

In jedem Fall muss es dem medizinisches Fachpersonal genau wie dem Patienten bzw. der Patientin möglich sein, den Computer zu überstimmen. Die Technologie soll die Behandlung unterstützen, jedoch nicht dominieren oder an sich reißen. Das heißt auch, dass wir uns vom Zahlenfetisch befreien müssen und einander als Menschen auch in der medizinischen Praxis vermehrt zuhören müssen statt nach Schema F zu arbeiten. Neue Technologien zur Diagnose und Behandlung sowie riesige Computer, die selbst enorme Datenmengen rasch verarbeiten können, sind nur dann eine Bereicherung in der medizinischen Praxis, wenn wir richtig damit umgehen. Sie können jahrelange medizinische Expertise nicht ersetzen, nur unterstützen.

Zusammenfassung:

  • Personalized Medicine. Empowered Patients in the 21st Century?“* von Barbara Prainsack
  • 271 Seiten, Taschenbuch
  • wissenschaftliches Werk zu bioethischen Fragen in Zeiten digitaler Medizin
  • Wie kann personalisierte Medizin in Zukunft aussehen?
  • Chancen und Risiken neuer Technologien im Fokus
  • 26,30 Euro, erschienen bei New York University Press

Ich bedanke mich bei Frau Prainsack für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

Natürlich gesund: Was hält die Natur-Apotheke für uns bereit? (Rezension)

Ich mache Zahnpasta selbst und achte darauf, jede Menge natürliche Helferlein, die den Histaminabbau ankurbeln oder die Histaminausschüttung vermindern, in den Speiseplan zu integrieren. Doch die „Kräuter-Liesel“ kann mir bestimmt noch mehr beibringen.

Liesel Malm ist die Kräuter-Liesel

Die begeisterte Kräuterfrau wurde 1933 geboren und lebt im Westerwald. Im Jahr 1985 bringt eine Krebsdiagnose ihr Leben durcheinander. Obwohl sie nie wirklich richtig ungesund gelebt hat, entscheidet sie sich, ein paar grundlegende Veränderungen der Gesundheit zuliebe vorzunehmen. Sie hat zwar, genau wie ich, nie viel Fleisch gegessen. Doch ab sofort ernährt sie sich konsequent ovolakto-vegetarisch – sie verzichtet ganz auf Fleisch, isst aber weiterhin Milchprodukte sowie Eier. Ihre vegetarische Vollwertkost ist zudem großteils frisch.

Außerdem setzt sie auf Vollkornprodukte. Die enthalten schließlich viele Ballaststoffe, was für eine gute Darmbeweglichkeit sorgt. Bei HIT und verwandten Problemen wie Reizdarm-Syndrom können Vollkornprodukte zuweilen Probleme machen. Denn neben Ballaststoffen enthält das volle Korn mit Schale auch natürliche Pflanzenabwehrstoffe, die bei empfindlichen Personen Beschwerden machen können. Ich habe hier schon einmal darüber geschrieben.

Reinschnuppern in die Natur-Apotheke

Beim Reinlesen fällt sofort die leicht verständliche und vielleicht auch etwas anachronistische Schreibweise der Kräuter-Liesel auf. Sie schreibt zum Beispiel nicht von so neumodischen Trends wie „Detox-Tee“. Stattdessen erfahren wir von einer „Kur mit Ausschwemmtee“. Vor allem jungen Menschen legt sie eine Fastenwoche nahe, bei der viel getrunken und weniger gegessen wird. Der beste Zeitpunkt zum Fasten ist laut Liesel Malm die Zeit des abnehmenden Mondes, „denn wenn er zunimmt, kann man nicht abnehmen.“ Klingt einleuchtend.

Doch nicht alles, was Liesel Malm aus ihren Notizbüchern im Buch „Die Natur-Apotheke“* zusammengetragen hat, kommt so einleuchtend daher. So schreibt sie auf S. 35:

Medizinische Untersuchungen haben gezeigt, dass Brennnesselpräparate allergische Symptome im Nasenbereich beseitigen können.

Leider fehlt der Verweis auf die angesprochenen „medizinischen Untersuchungen“. Im Gegenzug ist mir eine groß angelegte Vergleichsstudie 1 bekannt, die für den Zeitraum zwischen 1980 und 2003 alternativmedizinische Ansätze in Studien zu Allergien, Asthma und anderen immunologischen Problemen vergleicht, in der explizit auch die Brennnessel erwähnt wird, die eher negative Effekte haben soll. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass in Brennnesseln Histamin enthalten ist.

Umgekehrt berichtet die folgende Studie 2 davon, wie ein Brennnesselextrakt als H1-Antihistaminikum wirkt und die Mastzellen stabilisiert und so die Histaminausschüttung verhindern kann. Tatsächlich scheiden sich auch unter den Histaminern die Geister, ob Brennnesseltee gut oder schlecht ist. Wie so oft, ist dies womöglich nur individuell auszutesten.

Ein für viele jedoch bereits bekanntes Helferlein ist die Zistrose. Aus Kraut und Blüten wird ein Tee gebrüht, der nicht nur bei Allergien und Neurodermitis wirksam sein soll, sondern meines Wissens nach auch bei HIT.

Hinzu kommen weitere Gartenbewohner, von denen ich mitunter noch nicht gehört habe. Einer davon ist Jiaogulan, eine Rankpflanze, die unter anderem gegen freie Radikale wirken und damit auch für die Krebsbehandlung von Interesse sein soll.

Doch natürlich deckt das Buch weitaus mehr als Krebserkrankungen und Allergien in der Natur-Apotheke ab. Ein interessanter Hinweis, auch für die oft psychisch geplagten Histaminer, ist, magnesium- und kaliumreiche Kost zu sich zu nehmen. Als Beispiele führt die Kräuter-Liesel Portulak, Giersch und Thymian auf S. 47 an.

Umstritten dürften hingegen wiederum die Ausführungen auf S. 60 zur transdermalen Magnesiumaufnahme sein. Ob das sogenannte Magnesiumöl, das eigentlich ein mit Magnesium angereichertes Wasser ist, über die Haut aufgenommen werden kann, wird nach wie vor heiß diskutiert.

Ein weiteres interessantes Thema, das die Autorin in ihrem Buch aufgreift, ist Milchsäure. Speziell in der alternativmedizinischen Krebstherapie kommen rechtsdrehende Milchsäurebakterien seit einiger Zeit zum Einsatz. Kürzlich erreichte mich eine Mail einer Leserin zum Thema Joghurt. Sie beschrieb, wie sie Quark bzw. Topfen und andere gereifte Milchprodukte zwar vertrage, solange sie Bioprodukte kaufe, jedoch mache ihr Joghurt nach wie vor Probleme. Als möglichen Grund stieß ich das Thema der Bakterienstämme an. Denn so sehr Milchsäurebakterien oft als „gut für den Darm“ über einen Kamm geschert werden, gibt es hier doch Unterschiede. Auch in Bezug auf HIT sollte den rechtsdrehenden Kulturen der Vorrang gegeben werden. So gelten die überwiegend linksdrehenden Kulturen Streptococcus thermophilus und Lactobacillus bulgaricus beispielsweise als problematisch bei HIT, während die meist rechtsdrehenden Kulturen Lactobacillus acidophilus sowie Bifidostämme gemeinhin besser vertragen werden.

Und wo wir gerade bei Bakterienstämmen sind, können wir auch gleich über andere – ungewollte – Darmbewohner, also Parasiten sprechen. Denn auch diesem Thema widmet die Kräuter-Liesel ein Kapitel, wo sie unter anderem über Kubebenpfeffer sowie Cranberry-Muttersaft schreibt, um natürlich gegen die Eindringlinge vorzugehen.

Dass es sich bei ihrem Buch jedoch, ähnlich wie bei meinem eigenen Blog, um ein ideengebendes Medium, keineswegs eine Fachpublikation handelt, zeigt sich nicht nur daran, dass es kein Quellenverzeichnis gibt, sondern auch an Pauschalaussagen, wie in dieser Einleitung zum Thema Wechseljahresbeschwerden auf S. 232:

Wenn eine Frau in die Wechseljahre kommt, produziert der Körper weniger Östrogen und stellt langsam, aber sicher die Produktion ganz ein.

Dabei wissen wir längst, nicht zuletzt aufgrund des informativen Gesprächs mit Frau Dr. Scheuernstuhl, dass es vor allem der nicht-lineare Rückgang der Hormonproduktion ist, der für die sogenannten Wechseljahresbeschwerden sorgt. Soll heißen: Hitzewallungen und andere Probleme sind meist dadurch bedingt, dass die Progesteronproduktion schneller abnimmt als die Östrogenproduktion – und umgekehrt. Es geht also um das Verhältnis der verschiedenen sogenannten Sexualhormone zueinander, nicht nur um den bloßen Rückgang. Tatsächlich soll es Frauen geben, die relativ beschwerdefrei durch den Wechsel kommen – weil Progesteron und Östrogene recht synchron zueinander rückläufig in der Produktion werden.

Vor allem bei HIT ist daher ein gut ausgebildeter und engagierter Heilpraktiker gefragt, wenn alternativmedizinisch interveniert werden soll. Doch wer lediglich einmal in die bunte Welt der Kräuter hineinschnuppern möchte, findet bei der Kräuter-Liesel einfache Anregungen, auch dafür, was vielleicht in der nächsten Saison noch im Garten ausgesät werden könnte. Ein besonderer Leckerbissen sind diese entspannenden Betthupferln – Lavendel-Einschlafkekse:

Zusammenfassung:

  • Die Natur-Apotheke“* von Liesel Malm
  • 304 Seiten, Hardcover
  • Rezepte und Tipps im Umgang mit Heilkräutern
  • einfache Einführung / Überblickswerk
  • leider kein Quellenverzeichnis mit den genannten Studien vorhanden
  • 14,99 Euro, erschienen im Bassermann Verlag

Ich bedanke mich beim Bassermann Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

Ich und mein Körper – warum meine Histaminintoleranz nicht wie Deine ist

Jede Histaminintoleranz ist ein bisschen anders. Bemerkbar macht sich das zunächst an unterschiedlichen Toleranzschwellen: Was den einen in geringen Mengen abschießt, kann der andere, zumindest in geringen Mengen, essen, ohne dass sich Beschwerden zeigen. Dann gibt es noch unterschiedliche Reaktionszeiten. Je nach dem, was gegessen wurde und wie es um den eigenen Histaminhaushalt steht, können Symptome zeitnah nach dem Verzehr histaminhaltiger Speisen auftreten oder teilweise doch mehrere Tage auf sich warten lassen. Allgemein treten verzögerte Reaktionen vor allem nach dem Verzehr sogenannter Histaminliberatoren auf. Selbst die Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen. Während manche vor allem mit Verdauungsbeschwerden zu kämpfen haben, klagen andere vermehrt über Herzstolpern und Kopfschmerzen oder Hautausschlag und Atemprobleme.

Auf einen wichtigen Unterschied kommen wir aber doch eher selten zu sprechen. Das sind die unterschiedlichen Ursachen.

Histaminintoleranz von Anfang an verstehen

Für viele ist es nicht einfach, die Ursache ihrer Beschwerden dingfest zu machen. Darin liegt auch keine Schande. Schließlich geht es vielen Ärzten nach wie vor genauso. So wird eine Histaminintoleranz (so wie die verwandten Mastzellaktivierungserkrankungen) meist erst im zweiten, dritten … Anlauf als solche identifiziert, wenn es einem Arzt gelingt, die Symptome sinnvoll zu einem Krankheitsbild zusammenzufügen und mithilfe labordiagnostischer Mittel bestätigen lässt.

Die Hürde besteht beispielsweise darin, festzustellen, dass das Herzstolpern nicht durch einen Herzklappenfehler oder ähnliches verursacht wird. Überweist der Hausarzt aufgrund dieser Symptomatik seinen Patienten zum Kardiologen und kann dieser nichts Organisches am Herzen finden, läuft man als Patient Gefahr, als eingebildeter Kranker abgestempelt zu werden. Das Gleiche gilt für den pochenden Kopfschmerz, für den es laut MRT oder CT keine Ursache zu geben scheint oder die zugeschnürte Brust, obwohl die Lunge organisch in Ordnung ist usw.

Dem Patienten hilft dann nur: hartnäckig bleiben und vor allem alles (!) erzählen. Ein Arzt muss beim Patientengespräch in die richtige Richtung gelenkt werden. Die vollständige Auflistung der Symptome – und scheinen sie dem Patienten und Arzt noch so unzusammenhängend – ist wichtig für den Denkanstoß. Denn zum Schluss fallen alle Puzzleteile doch zu einem sinnvollen Bild zusammen. Nur Geduld. Will der Arzt einen partout nicht ernst nehmen, hilft das Einholen der berühmten „zweiten Meinung“. Außerdem: Ein Arzt muss und kann nicht jede Krankheit kennen – da gibt es einfach zu viele. Auch deshalb macht der Ärztewechsel zuweilen einfach Sinn.

Wie Frau Dr. Annelie Scheuernstuhl im Interview mit mir erklärt hat, spielt es dabei nicht unbedingt eine Rolle, welchem Fachgebiet der Arzt zuzuordnen ist. Klar, die ganze Histaminsache ist eigentlich ein Problem der Inneren Medizin und auch der Immunologie. Doch zum Beispiel kennt sich auch unsere HNO-Ärztin überraschend gut mit dem Thema aus. Der Erfahrung nach sind es oft Dermatologen und Gynäkologen, die einem weiterhelfen können, sofern sich die „Götter in Weiß“ auch nach dem oder begleitend zum Studium weitergebildet haben. Eine naturheilkundliche Zusatzausbildung kann hier nicht schaden.

Die Auslöser für eine Histaminintoleranz sind bis heute noch nicht klar umrissen. Doch folgende Dinge scheinen eine wichtige Rolle zu spielen:

  • bakterielle Infektionen, Antibiotika, gestörte Darmflora
  • Pilzerkrankungen
  • Schwermetallbelastung
  • Nährstoffmängel, insbesondere Vitamin D, Zink, Magnesium und B-Vitamine
  • hormonwirksame Verhütungsmittel, gestörter Hormonhaushalt und Wechseljahre
  • bestimmte Vorerkrankungen der Schilddrüse, Krebs und andere

Schaut man sich die Liste an, kommt ein flaues Gefühl auf: Offenbar können eine Bandbreite von Problemen letztlich zur Histaminintoleranz führen, die, um es noch mal schwieriger für alle Beteiligten zu machen, auch noch so ein breit gefächertes Symptombild hat. Das liegt daran, dass das Gewebshormon Histamin, das an bestimmten Stellen im Körper auch wie ein Neurotransmitter wirkt, so viele Funktionen im Körper hat bzw. so viele unterschiedliche Prozesse beeinflusst. So steht Histamin nie für sich allein.

Um dem Problem auf die Schliche zu kommen, empfiehlt sich der holistische Blick eines naturheilkundlich ausgebildeten Arztes, der gleichzeitig mit den schulmedizinischen Diagnostikmethoden umzugehen weiß. Blut-, Urin- und Stuhlanalysen in der Kombination mit Tests wie dem 50-Skin-Prick-Test oder dem traditionellen Ernährungstagebuch erlauben dann doch eine eindeutige Diagnose: Histaminintoleranz ja oder nein.

Naturheilkunde trifft auf Schulmedizin: Das Beste aus Ost und West

Genau aus diesem Grund habe ich mich auf „Das sanfte Gesundheitsbuch für Frauen“* von Dr. med Georg Kneißl gefreut. Da geht es zwar nicht explizit im Histaminintoleranz, aber eben um „Frauenleiden“ und zwar aus naturheilkundlicher und schulmedizinischer Sicht in einem.

Zwar ist Histaminintoleranz kein reines „Frauenleiden“, doch wenn ich mir ärztliche Statistiken und auch das Feedback auf meinem Blog anschaue, sind es meist Damen, die daran erkranken bzw. die mir schreiben.

Doch da ich eine überaus kritische Leserin bin, hat das Buch noch vor der Lektüre die simple Frage aufgeworfen: Warum schreibt ein Mann so ein Buch? Doch darauf komme ich später noch einmal zu sprechen.

Eingangs liefert das Buch eine kurze Einführung in die 5-Elemente-Lehre und andere naturheilkundliche Prinzipien. Diese „Elemente“ sind dabei nicht als Stoffe, wie wir sie im chemischen Periodensystem finden, zu verstehen, sondern sie sind ein metaphorischer Ausdruck für bestimmte (Lebens-)Prinzipien. Sehr schön erklärt wird dies übrigens auch in Wong Kiew Kits Buch über Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)*. Für Kneißl ist die TCM-Lehre eine kraftvolle Hilfe bei der Diagnostik von Krankheiten, da hierbei eben der gesamte Patient (mit all seinen fünf Elementen) zusammengedacht wird.

Hat man es einmal über die 25 Einleitungsseiten hinaus geschafft, landet man beim ersten Element. Kneißl gliedert sein Buch in genau die fünf Elemente Metall, Erde, Holz, Feuer und Wasser, was logisch erscheint und mich ehrlich gesagt, sehr angesprochen hat. Je nach dem, welche Elementeschwächungen vorliegen, lassen sich bestimmte Krankheiten, aber eben auch deren Ursache erkennen. So wird im Gegensatz zur üblichen schulmedizinischen Herangehensweise nicht nur gegen die Symptome vorgegangen, sondern das vorliegende Ungleichgewicht möglichst beseitigt, um den Körper wieder in Einklang zu bringen.

Doch schon bald tun sich logische Schwächen im Buch auf. Hinzu kommen plumpe Generalitäten, die im Speziellen keine Gültigkeit haben müssen. So ist, ich habe darüber schon einmal geschrieben, Vollkorn nicht zwingend gesünder als Weißmehl. Kneißl sieht das anders und ist für einen naturheilkundlich ausgebildeten Arzt hier und da einfach zu salopp, zieht Allgemeinplätzchen dem holistischen Zugang, der stets auch ein individueller sein sollte, vor. Schade, liefert das Buch an anderer Stelle doch durchaus denkwürdige Anstöße:

  • Verzicht auf Lotionen, Cremes und Sonnenmilch mit Weichmachern (Phthalaten) wegen hormonähnlicher Wirkung
  • rhythmische Bewegungen und Tanzen zur Stärkung des Elements Metall
  • Verzicht auf Teflon-Pfannen (lieber Gusseisen oder hochwertiges Keramikkochgeschirr)
  • Verzicht auf Amalgam → erhöht das Allergierisiko (und auch das für Histaminintoleranz?)
  • generell kein Schweinefleisch essen
  • der Standard-28-Tage-Rhythmus der Anti-Baby-Pille muss nicht mit dem eigenen natürlichen Rhythmus übereinstimmen

Während ich die oben genannten Punkte so unterschreibe und davon ausgehe, dass mir viele naturheilkundlich geschulten Ärzte beipflichten würden, sehe ich viele andere Punkte im Buch eher kritisch. Besonders schlimm wird es für den Leser, wenn sich der Autor selbst widerspricht, wahrscheinlich in dem Versuch, keine zu „krassen“ Aussagen zu treffen.

Offen gestanden war das einer der wichtigsten Punkte in dem kürzlich geführten Interview mit Frau Dr. Scheuernstuhl: dass sie eben kein Blatt vor den Mund genommen hat! Mit einigen ihrer Aussagen begibt sie sich jedoch, zumindest aus schulmedizinischer Sicht, auf Glatteis, obwohl es zum Beispiel für ihre Aussagen bezüglich der Schädlichkeit von hormonwirksamen Verhütungsmitteln mittlerweile einige Studien gibt. Hut ab für den Mut also! Ich werde demnächst auf dem Blog auf den Konflikt „Schulmedizin vs. Naturheilkunde“ noch genauer eingehen. Freut Euch drauf! 🙂 Für den Moment hat mich Herr Dr. Kneißl aber sehr ernüchtert. Ein paar Beispiele hierfür:

Denn so wie es „gute“ Fette und „schlechte“ gibt [was so übrigens auch nicht stimmt – das Verhältnis der Fette zueinander muss stimmen, Anmerkung], so gibt es „gute“ und „schlechte“ Kohlenhydrate.

Vier Seiten später heißt es dann aber:

Verzichten Sie schließlich möglichst ganz auf Kohlenhydrate. Das heißt, Ihre Kost besteht aus dem, wie sich über Hunderttausende von Jahren die Menschen immer ernährt und damit bestens überlebt haben. Als Sammler und Jäger: Sehr viel Salat (Wurzeln), Gemüse, Samen und Früchte. Dazu gelegentlich Eiweiß aus Fisch und Fleisch (oder besser: Sojabohnen) [Anmerkung im Original]. Morgens zum Frühstück ist ein Knäckebrot erlaubt, das Sie zum Beispiel mit frischem Obst genießen können.

“Erlaubt“ gefällt mir in diesem Zusammenhang (es geht um gesunde Ernährung im Allgemeinen, keine spezifische Intoleranz mit Einschränkungen) schon einmal gar nicht. Viel merkwürdiger finde ich aber, dass ein Mediziner mir einreden möchte, dass Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse keine Kohlenhydrate enthalten. So ein Quatsch! Ja, so ernährt man sich nach der Low-Carb-Diät, die aber ohnehin eigentlich „Better-Carb-Diät“ heißen sollte … Das hat er mir noch vier Seiten vorher selbst versucht zu erklären.

Auffällig sind anderer Stelle im Buch die konkreten Produktempfehlungen. So wird etwa die blaue Nivea-Creme uneingeschränkt empfohlen, als es darum geht, Weichmacher in Kosmetika zu vermeiden. Dabei zeigt zum Beispiel die BUND-App ToxFox, dass auch Markenhersteller wie Nivea durchaus mit diesen hormonwirksamen Substanzen in Sonnencreme, Lotionen usw. arbeiten – bei Herrn Dr. Kneißl fehlt diese Anmerkung jedoch. Auf S. 126 wird die Douglas-eigene Serie DAYTOX uneingeschränkt empfohlen. Ein kurzer Blick in die Zusammensetzung eines Duschbads war aufschlussreich genug für mich, hier nicht zuzugreifen. Auch die generelle Empfehlung von Sojaprodukten zieht sich durch das Buch, als gebe es keine anderen pflanzlichen Eiweißprodukte! Was ist zum Beispiel mit Erbsen? Die übrigens auch bei Histaminintoleranz in Maßen verträglich sind, weil sie im Gegensatz zu den meisten anderen Hülsenfrüchten theoretisch auch roh gegessen werden können (bei HIT aber bitte dünsten oder kochen).

Ebenfalls kritisch bewerte ich Aussagen über „eine verklemmte Sexualität“, die schließlich für Regelbeschwerden sorgen soll. Ähnliches gilt für Aderlass! Diese Zeiten, dachte ich, seien doch nun wirklich Geschichte. Aber nein, auf S. 155 wird er empfohlen. Tatsächlich ist es so, dass regelmäßiges Blutabnehmen bei bestimmten Erkrankungen Sinn machen kann. Aderlass ist jedoch immer eine unhygienische und gefährliche Angelegenheit und nicht dasselbe wie die Blutabnahme unter sterilen Bedingungen!

*

Auf S. 165 liest man den üblichen Satz, die Pille würde dem Körper vorgaukeln, er sei schwanger, weil eine progesteronähnliche Substanz enthalten ist. Frau Dr. Scheuernstuhl gibt in ihrem Buch* kurz und einleuchtend zu denken, wenn dem so sei, warum könne man dann mit der Pille abtreiben? Überhaupt macht das Thema „Pille“ eine Achterbahnfahrt im Buch mit. Sie belaste die Leber und dann spricht sich Dr. Kneißl doch für eine gestagenbetonte Pille aus. Die sei weniger schädlich als die östrogenbetonte. Einmal umgeblättert, heißt es dann, dass „das (falsche) synthetische Gestagen die eigenen Gelbkörperhormone ziemlich absenkt und es so zu einem relativen Östrogenüberschuss kommt.“ „Falsche“ oder „richtige“ Gestagene sind im Zusammenhang synthetischer „Hormone“ eine Illusion, ist (nicht nur) meine Meinung. Im Endeffekt – und das räumt an dieser Stelle selbst Dr. Kneißl bis zu einem gewissen Grad ein – führen sie mittel- bis langfristig alle zu einem Ungleichgewicht – zu einer Östrogendominanz. Auf S. 173 betont das Dr. Kneißl selbst noch einmal deutlicher:

Die weitverbreitete Pilleneinnahme [diesmal ohne „richtig“ oder „falsch“, Anmerkung] sowie Blockaden der Meridiane des Elements Holz sorgen dafür, dass das Progesteron im Körper abfällt und es dadurch zu einem relativen Östrogenüberschuss kommt. Gefährlich.

Ähnlich problematisch verhält es sich mit der Kupferspirale, die zwar keine synthetischen „Hormone“ enthält, aber eben Kupfer. Was an sich nicht schädlich wäre, da sich die Spirale aber durchgehend im Körperinneren befindet und Kupfer der natürliche Gegenspieler zu Zink ist, ist auch hier langfristig ein Zinkmangel mit entsprechenden Folgen absehbar. Trotzdem wird sie im Buch empfohlen.

Meine nächste Kritik bezieht sich auf folgende Aussage:

Weil die Unterscheidung zwischen gutartiger Veränderung der Brust, Zyste und Krebs – durch Abtasten zum Beispiel – sehr schwierig ist, bedarf es anderer Methoden, um mehr Sicherheit zu gewinnen. Zum Beispiel durch die Ultraschalluntersuchung oder die wenig beliebte, aber recht aussagekräftige Mammographie.

Erstens geben weder Ultraschall noch Mammographie Auskunft darüber, ob Gewebsveränderungen gut- oder bösartig sind – sie zeigen allenfalls an, dass Veränderungen im Gewebe vorliegen. Auskunft darüber, ob es sich dabei tatsächlich um Krebs handelt, gibt lediglich eine Gewebeanalyse mittels Biopsie. Zweitens ist die „wenig beliebte“ Mammographie bekannt für falschpositive Ergebnisse, die Frauen in Angst und Schrecken versetzen können. Zudem erhöht das regelmäßige Scannen sogar das Krebsrisiko. Wie Dr. Kneißl wiederum mit Verspätung sieben Seiten später festhält:

Anders, als der Name glauben machen möchte, ist die Krebsvorsorge (nicht nur der Brust) [Anmerkung im Original], wie sie die Schulmedizin [und auch Dr. Kneißl sieben Seiten vorher] empfiehlt, gar keine Vor-Sorge, sondern (wenn man Glück hat) [Anmerkung im Original] die Feststellung einer Krebsgeschwulst in einem frühen Stadium.

In Bezug auf Sexualstörungen gibt Dr. Kneißl ab S. 248 (wahrscheinlich gut gemeinte) Ratschläge, wie das Sexualleben wieder aufzupeppen sei. Mit dabei ist auch dieser äußerst bedenkliche „Tipp“:

Selbst seriöse Modekataloge bieten inzwischen Vibratoren und Sexspielzeug an, die Sie sich gleichzeitig mit neuen Dessous diskret verpackt ins Haus liefern lassen können. Gleitmittel und Viagra sind schon lange kein Tabu mehr!

Gesundheitlich bedenklich ist Viagra dennoch nach wie vor.

Abschließend fällt mir meine anfängliche Frage wieder ein: Warum ausgerechnet ein Mann „Das sanfte Gesundheitsbuch für Frauen“* geschrieben hat? Mit welcher Intention? Liest man nicht nur den Fließtext der einzelnen Kapitel, sondern stets auch die angehängten Kästen mit Hinweisen zur „Selbsthilfe“, wie es bereits auf dem Cover heißt, fallen die Rundum-Kuren auf. So wird zur Einnahme einer ganzen Bandbreite von Präparaten geraten. Für ähnliche Beschwerden wird oft fast doe gesamte Palette der Schüßler-Salze empfohlen und natürlich jede Menge Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen. Warum? Nun, böse Zungen würden behaupten, es hat damit zu tun, dass Dr. Kneißl alleinvertretungsberechtigte Einzelperson, kurzum Geschäftsführer, der SAN-U-VIT GmbH ist, die ihres Zeichens ebensolche Nahrungsergänzungsmittel herstellt bzw. vertreibt.

Als Einführungsbuch ist das Werk aufgrund der zahlreichen Widersprüche und teils doch bedenklichen Tipps nicht zu empfehlen. Trotzdem soll dieser Ausreißer nicht bedeuten, dass die Naturheilkunde keine sinnvollen Chancen für Histaminintoleranz-Betroffene bietet. Vielmehr zeigt es, dass der Patient auch hier sehr wachsam sein muss, welche Angebote er nutzt und welche nicht. Allenfalls ist das Buch somit eine gute Gelegenheit, in sich selbst hineinzuhören. Denn tatsächlich wissen Betroffene instinktiv oft selbst, was ihnen guttut und was ihnen schadet. Diese innere Stimme zu stärken, ist in jedem Fall ein lohnenswertes Vorhaben. Daher wird es in nächster Zeit einige kritische Auseinandersetzungen mit der medizinischen Praxis geben, die Ihr als kritische wie vernünfte Denkanstöße nutzen könnt, um Euch für medizinische Themen zu sensibilisieren, denn Ihr habt nur diesen einen Körper und es ist am Ende Eure Verantwortung, ihn zu pflegen. Eine eigene, aber fundierte Meinung zu haben, ist daher nicht nur sinnvoll, sondern in meinen Augen sogar nötig.

Zusammenfassung:

Ich bedanke mich beim Kösel-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat

 

Experteninterview: Dr. Annelie Scheuernstuhl beantwortet Eure und meine Fragen

Wie angekündigt, habe ich ein Experteninterview mit Frau Dr. Annelie Scheuernstuhl, einer der Autorinnen vom Buch “Natürliche Hormontherapie”*, geführt. Wenn Du das Buch noch nicht gelesen hast, gelangst Du hier zu meiner Rezension, um einen ersten Eindruck zu bekommen, worum es eigentlich geht und um nachzulesen, was das Thema “Hormone” mit einer Histaminintoleranz zu tun hat bzw. haben kann.

Vorab möchte ich mich für den interessanten Austausch noch einmal bei Frau Dr. Scheuernstuhl bedanken. Ich danke aber auch Euch für Eure interessanten Fragen.

Ohne Umschweife steigen wir direkt ein. Im Folgenden kannst Du das ganze Gespräch nachlesen:


Ich hatte Ihnen geschrieben, dass es auf meinem Blog um Histaminintoleranz geht und ich würde daher gerne die Nachfragen zu Ihrem Buch „Natürliche Hormontherapie“ stets mit der Histaminintoleranz im Hinterkopf stellen, auch wenn das nicht direkt Thema war.

Es ist ja so, dass die Pille ebenfalls so wirkt, dass die Histaminintoleranz schlimmer werden kann oder überhaupt erst entsteht.

Genau darum soll es unter anderem gehen. Fangen wir doch direkt an. Mir haben zahlreiche Betroffene in Zuschriften beschrieben, wie sie erst eine lange Ärzte-Odyssee hinter sich bringen mussten, bis sie die Diagnose Histaminintoleranz bekommen haben. In Ihrem Buch schildern Sie etwas Ähnliches, dass entweder falsch therapiert wurde oder überhaupt, die Diagnose erst gar nicht richtig gestellt wurde. Woran liegt das eigentlich, dass das immer noch so ist?

Also in der Ausbildung für uns Ärzte kommt so etwas nicht vor. Da gibt es, in dem Sinne, keine Intoleranzen, sondern richtig „schlimme Krankheiten“. Diese ganzen Befindlichkeitsstörungen und Intoleranzen, die zwar sehr schlimme Beschwerden machen können, die kommen nicht vor. Wenn, dann in der Naturheilkunde und das ist nicht Teil der Ausbildung der Uni.

Ja, das ist leider immer noch freiwillig. Wenn man den Verdacht hat, dass eine Hormonproblematik besteht, an welchen Arzt, also welche Fachrichtung, wendet man sich dann am besten?

Auf jeden Fall an jemanden mit naturheilkundlicher Ausbildung. Egal, ob Internist oder Allgemeinmedizin … das ist alles nicht so wichtig. Wichtig ist die naturheilkundliche Ausbildung, damit dieses Bild überhaupt vorkommt. In Österreich haben Sie es ja ohnehin leichter, weil viel mehr Ärzte naturheilkundlich ausgebildet sind als in Deutschland.

Das stimmt, aber wenn ich hier jemanden suche, dann finde ich oft nur Privatärzte. Also da Kassenärzte zu finden …

Also da brauchen Sie gar nicht glauben, dass es hier anders wäre. Das sind alles Sachen, die Sie privat zahlen müssen. Was zahlt denn die Kasse heute noch? Ein Kopfwehpulver oder ein Antidepressivum, einen Fettsenker, an dem man sterben kann, aber doch nichts, was Sinn macht.

Das stimmt leider. Welche Rolle spielt denn die Ernährung bei einem unausgeglichenen Hormonhaushalt? Macht es Sinn, dass man bei einer Östrogendominanz eine Ernährungsumstellung beginnt und wenn ja, wie?

Die Zerealien weglassen, also vor allem die Einfachzucker wie Weißmehl, insbesondere Weizen. Dass man mal wirklich all diese Nahrungsmittel, die „leer“ sind, die dem Körper keine Vitamine, Mineralien und Spurenelemente geben, aus der Ernährung streicht und dafür auf Obst, Gemüse und auch Fisch sowie Fleisch setzt, je nach dem, ob man sich vegan, vegetarisch oder rundum ernährt. Dass man die Ernährung dahingehend ändert, dass man ganz viel Frisches, also wirklich Lebensmittel zu sich nimmt – und nach Möglichkeit viel bio.

Das ist ja auch bei Histaminintoleranz wichtig: Frische.

Genau, ja.

Kann man die Progesteronbehandlung, wenn denn schon eine begonnen wurde, womöglich mit Nahrungsmitteln unterstützen?

Es ist zum Beispiel so, dass alle frischen Kräuter hormonell wirksam sind und so kann der Körper selbst regulieren, ob nun mehr Progesteron oder Östrogen gebraucht wird. Die sind schon mal sehr hilfreich. Dann gibt es natürlich auch jede Menge Tees, die das unterstützen können. Dann gibt es Pflanzen, die progesteronartig wirken. Heutzutage ist das ja gar kein Problem mehr, so etwas im Internet nachzusehen.

Im Internet ist es nicht immer einfach, zuverlässige Hinweise von Humbug zu unterscheiden. Daher dachte ich, Sie können vielleicht etwas Konkretes empfehlen.

Ja, das stimmt schon. Zink und Omega-3-Fettsäuren ist das, was am meisten fehlt. Das fehlt, sozusagen, fast allen. Und wenn die Pille dann genommen wurde, der Nova-Ring oder die sogenannte „Hormon“-Spirale, die Dreimonatsspritze oder das Stäbchen – wenn irgend so ein medikamentöser Eingriff ins Hormonsystem passiert ist, dann fehlen meist auch B-Vitamine, die wichtig sind zur Hormonbildung. Am besten nimmt man ein Rundumpräparat, wo alles drin ist von den Vitaminen über Mineralien bis hin zu den Spurenelementen.

Ein wichtiger Faktor ist auch das Vitamin D. Bei einem Mangel reicht es nicht, einfach in die Sonne zu gehen. Außerdem fehlt bei einem Vitamin-D-Mangel auch dem Immunsystem etwas. Intoleranzen können zum Teil schon dadurch verschwinden, wenn Vitamin D, Multivitamine und Mineralien durch a) die Ernährung und b) auch durch Substitution in ausreichender Menge vorhanden sind.

Das stimmt. Man muss nur prüfen, ob und was fehlt, denn einfach so „ins Blaue“ kann man natürlich nichts geben.

Genau, so ist es. Und der Darm ist ebenfalls verursachend oder mitverursachend, indem zum Beispiel durch Antibiotikagabe alle Darmbakterien im Ungleichgewicht sind. Dann wäre eine Darmsanierung angezeigt. Daher wendet man sich am besten an eine naturheilkundliche Ärztin oder einen naturheilkundlichen Arzt.

Eine Leserin fragt konkret: Was halten Sie von DIM (Diindolylmethan) und Calcium-D-Glucarat zur begleitenden Behandlung bei einer Östrogendominanz?

Naja, es gibt Moden und die sind natürlich auch im Internet. Ich halte davon jetzt erst einmal gar nichts.

Weil das, Ihrer Meinung nach, auch etwas Künstliches ist?

Ja, da halte ich es für sinnvoller, dass man die Bedingungen verändert und nach den Ursachen sucht. Man schaut dann also besser erst einmal: Wie sieht es mit der Ernährung aus? Wird die Pille oder irgendein anderes Medikament zur Verhütung genommen? Denn das sind ja Medikamente und keine Hormone, die unseren eigenen Hormonkreislauf bzw. -haushalt völlig durcheinanderbringen. Dann, dass man schaut, dass man den Darm saniert. Dass man sich jemanden sucht, der naturheilkundlich ausgebildet ist, wo man mal sich selber und sein Leben in Ordnung bringt. Das ist nur ein Mittel, das jetzt gerade publiziert worden ist und – es gibt keine Wundermittel.

Also, Sie sehen das mehr als einen Trend?

Ja, schon.

Eine andere Leserin möchte mehr zur Hormonmessung erfahren. Wann ist der beste Zeitpunkt? Wie geht man am besten vor?

Da scheiden sich die Geister. Eigentlich hat der Speicheltest den Vorteil, dass er unabhängig vom Labor ist und dass Sie ihn jederzeit machen können, am besten eben morgens nach dem Aufstehen. Ein Speicheltest gibt Aufschluss über alle wichtigen Hormone. Die Schulmedizin sagt sehr häufig noch: Ja, für Cortison schon, aber für die anderen Hormone nicht. Das verstehe ich nicht ganz, weil es unlogisch ist. Viele Schulmediziner meinen, dass man einen Bluttest machen sollte. Wenn man einen Bluttest macht, dann sollte man schauen, an welchen Zyklustagen man ihn macht, genauso wie beim Speicheltest auch.

Den Speicheltest macht man am besten in der zweiten Zyklushälfte, wenn das Progesteron naturgemäß hoch sein sollte, also zwischen dem 20. und 25. Zyklustag bzw. am 22. +/- zwei Tagen. Einen Bluttest sollte man ebenfalls genau in der zweiten Zyklushälfte machen und nicht irgendwann. Gleichzeitig kann man, wenn man Blut abnimmt, auch die Steuerhormone testen, also follikelstimulierendes (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH), die Schilddrüse anschauen, nach Vitamin D3 schauen und so weiter.

Das heißt, idealerweise kombiniert man Speichel- und Bluttest, um sowohl die Steroidhormone als auch die Steuerhormone sowie den Vitamin-D-Status usw. zu bestimmen?

Das ist nicht immer notwendig, aber ideal ist es sicher.

Zu viel oder zu wenig von bestimmten Hormonen zu haben, ist das eine Problematik, die auch bei Kindern vorkommen kann und wenn ja, was kann man tun?

Man kann sie mit Globuli behandeln in der Potenz D4 oder D6. Aber die brauchen dann ebenfalls ein Multivitaminmineral. Der Körper braucht nicht nur einen Stoff. Er muss immer ins Lot kommen.

Also man müsste auch das wiederum ganzheitlich angehen. Aber man kann grundsätzlich schon etwas machen?

Ja.

Man kann jedoch jetzt nicht etwa künstliche „Hormone“ draufschmeißen …

Nein, um Gottes Willen, nicht sogenannte „Hormone“, die keine sind! Das sind Medikamente mit Hormonein- oder -auswirkung.

Auch als Ausblick auf Ihr neues Buch „Pille, Spirale & Co“* bietet sich die folgende Frage an.

Sie sprechen sich im Buch „Natürliche Hormontherapie“* gegen „hormonelle“ Verhütungsmethoden aus. Viele Betroffene von Histaminintoleranz erleben nach der Pilleneinnahme (oder durch ein anderes hormonell wirksames Verhütungsmittel) eine Verschlechterung, während manche eine Verbesserung feststellen. Würden Sie letzteren dennoch von der Einnahme abraten? Und gibt es sichere, gesundheitlich unbedenkliche Verhütungsmethoden?

Ja, das sind die modernen Zykluscomputer zur Verhütung. Die sind so zuverlässig wie die Pille, zum Beispiel Daysy*. Das ist der Zykluscomputer, den Natalie Rechberg, die Tochter von Hubertus Rechberg, dem „Erfinder“ des Zykluscomputers Lady-Comp* bzw. Pearly, weiterentwickelt hat. Sie lebt in der Schweiz und hat diesen Daysy * herausgebracht. Das ist für mich derzeit das Tollste, was es an Verhütungscomputern gibt und das Gerät ist von mehreren Unis getestet worden und ist genauso sicher wie die Pille.

Wenn jetzt junge Frauen die Pille nehmen, weil sie zum Beispiel ständig Schmerzen bei der Periode haben oder zu heftige Blutungen haben oder Migräne … – dann zeigt das doch nur, dass das ganze Hormonsystem nicht im Lot ist. Und dann einfach die Pille zu geben, ist wie, wenn Sie Auto fahren und ein Lämpchen aufblinkt, um Ihnen anzuzeigen, dass das Öl fehlt und was machen Sie? Sie nehmen das Lämpchen raus, statt Öl nachzufüllen!

Das heißt, auch da müsste man ursächlich an das Thema herangehen und ganzheitlich behandeln?

Ja.

Das heißt, auch hier sollten Betroffene die Pille am besten absetzen und schauen, dass alles erst einmal wieder ins Lot kommt – am besten auf ganzheitlicher bzw. naturheilkundlicher Basis?

Genau. Die momentane Schulmedizin ist eine „Reparaturmedizin“ – eine „Symptombehandlungsmedizin“ – und die Pharma-Industrie begrüßt das natürlich, aber für die Menschen ist das nicht gut.

Ja, eben, weil man so besser Medikamente verkaufen kann.

Ja, und wenn wir Nebenwirkungen haben, dann verkaufen wir noch eins gegen die Nebenwirkungen.

Genau, wie Herr Gøtzsche es beschreibt (mehr dazu hier).

Ja, dann kommt ein Problem mit der Schilddrüse, dann bekommen Sie ein Schilddrüsenmittel. Dann werden Sie depressiv, dann bekommen Sie ein Antidepressivum. Dann haben Sie Herz-Rythmus-Störungen, dann bekommen Sie einen Beta-Blocker. Wir könnten das endlos so weitermachen.

Ja, das stimmt. Wo wir gerade bei Ursachen- statt Symptombekämpfung sind … Eine andere Leserin fragt, ob Sie etwas dazu sagen können: Wenn man kälteempfindlich ist oder eine Sonnenallergie hat, kann man dem ursächlich begegnen?

Na, klar. Kälteempfindlichkeit hängt sehr häufig mit einem Progesteronmangel und einer Schilddrüsenunterfunktion zusammen. Und die Sonnenallergie ist ein Zeichen von Vitamin-D-Mangel.

Aha, das ist ja sehr spannend.

Ja, ist es. Wenn man den Dingen erst einmal auf den Grund gegangen ist, sieht man, wie simpel das alles ist. Aber das ist nicht im Interesse der Pharma-Industrie.

Ja, dann komme ich eigentlich schon zu meiner letzten Frage. Da können wir vielleicht etwas umfassender diskutieren und zwar: das Fibromyalgie-Syndrom. Das kann ja offenbar auch im Zusammenhang mit Hormonen und auch Histaminintoleranz stehen. Ich habe überlegt, ob es sich beim Fibromyalgie-Syndrom ähnlich wie mit dem Reizdarm-Syndrom verhält. Das „Syndrom“ im Namen ist ja immer ein Anzeichen dafür, dass es sich nicht um eine klar umrissene Krankheit, sondern eher um einen Symptomkatalog handelt.

Julien Venesson schreibt in seinem Buch „Wie der Weizen uns vergiftet“ auch, dass oft die korrekte Diagnose fehlt, zum Beispiel Zöliakie oder eben Histaminintoleranz … Reizdarm-Syndrom wäre demnach nur ein Symptomkatalog, aber keine vollständige Diagnose. Trifft dies auch auf das Fibromyalgie-Syndrom zu?

Ja, Fibromyalgie-Syndrom ist sehr häufig Hormonmangel, Vitamin-/Mineralstoffmangel, Vitamin-D-Mangel und jetzt ist die Frage: Ist die Histaminintoleranz zuerst da oder das Fibromyalgie-Syndrom? Was ist die Henne, was ist das Ei? Ja, was kam zuerst?

Ja.

Das ist schwer zu sagen. Es ist nur so, dass es auffällig ist, dass es mehr Frauen als Männer betrifft, dass es oft an den Hormonkreislauf gekoppelt ist, dass es oft nach jahrelanger Einnahme der Pille kommt oder nach langen Phasen von Stress.

Aber Sie würden auch sagen, dass Fibromyalgie-Syndrom noch keine richtige Diagnose ist? Da müsste man dem auch noch auf den Grund gehen, nicht wahr?

Im Prinzip ist es nur eine Beschreibung.

Das deutet ja der Wortteil „Syndrom“ an.

Syndrom heißt immer: Viele Beschwerden fassen wir zusammen bzw. gehören zusammen, aber genau genommen, wissen wir nicht warum.

OK, dann habe ich das richtig verstanden und wäre damit auch schon am Ende des Interviews angelangt …

Also ich finde, das Wort „autoimmun“ gehört zu dieser Begriffsproblematik auch dazu. „Autoimmun“ heißt „aus sich selbst heraus“. Eine Hashimoto oder … wieso sind Sie jetzt plötzlich histaminintolerant, naja, Ihr Körper spinnt halt. Das ist dann „autoimmun“.

Achso, eine Frage habe ich noch und zwar noch einmal ganz konkret zur Histaminintoleranz, obwohl das Wort „Histamin“ ja nur einmal in Ihrem Buch vorkommt. Jetzt hat es mich interessiert, ob Sie Histaminintoleranz schon öfter gewissermaßen „ganz nebenbei“ behandelt haben, weil Sie eben eine Östrogendominanz behandelt haben. Also plötzlich ist auch das Problem verschwunden und die Betroffenen konnten wieder mehr Lebensmittel essen, als zuvor.

Aber ja. Es bleibt aber natürlich trotzdem so, dass die Menschen eine unterschiedliche Konstitution haben. Wenn man jetzt meinetwegen Lachs mit Spinat und vielleicht vorher ein bisschen Pizza mit Salami isst und dann vielleicht noch ein Schokoladeneis hinterher, dann braucht man sich nicht zu wundern. Am besten noch ein Glas Rotwein dazu … Jeder hat da seine individuelle Toleranzschwelle und so kann es also dennoch Probleme geben. Aber allein, wenn die Menschen wieder ins Lot kommen, ihr Immunsystem funktioniert und der Vitamin- und Mineralstoffhaushalt sowie der Hormonhaushalt stimmen – also ihr System wieder im Lot ist, verschwindet vieles, ob nun Fibromyalgie, Multiple Chemical Sensitivity oder wie auch immer man es nennen mag – es ist dann kein Thema mehr oder nur noch gelegentlich in abgeschwächter Form.


Ich hoffe, Du konntest wertvolle Informationen aus dem Gespräch für Dich mitnehmen. Für mich waren insbesondere die Antworten von Frau Dr. Scheuernstuhl zum Thema Fibromyalgie-Syndrom und Sonnenallergie interessant. Welche Antworten waren für Dich besonders erhellend?

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(c) Histamin-Pirat

Interview mit Dr. Annelie Scheuernstuhl – Eure Fragen sind gefragt …

An apple a day keeps the doctor away, heißt es so schön. Für Betroffene von Histaminintoleranz ist es jedoch mit dem täglichen Apfel nicht getan. Tatsächlich kann der, je nach Sorte, sogar dazu führen, dass man im Wartezimmer landet, weil man sich schließlich gar nicht mehr mit dem eigenen Körper auskennt.

Was Äpfel angeht, werden alte Traditionssorten wie Boskup meist besser vertragen als neue “Supersorten” wie Gala. Außerdem: Schälen und/oder erhitzen hilft (Stichwort Apfelmus) und wer trotzdem auf Äpfel reagiert, sollte an eine Allergie (Stichwort Kreuzallergie) oder eine Salicylatintoleranz denken. Was den Doktor angeht, haben viele Betroffene von HIT schlechte Erfahrung mit den “Göttern in Weiß” gemacht, zum Beispiel weil ihre Beschwerden lange keiner Krankheit zugeordnet werden konnten oder schlimmer noch, schlichtweg nicht ernst genommen oder als psychosomatisch abgetan wurden.

Von der Ärzte-Odyssee zur Iatrophobie – und zurück

Dabei ist auch ohne Ärzte kein Auskommen. Wenn sich nach der Ärzte-Odyssee vielleicht sogar Anflüge einer Iatrophobie (Ärzteangst) zeigen, wird das Leiden noch verdoppelt. Denn sind wir ehrlich: Es sind Ärzte, die die Medizin voranbringen und uns am Ende des Tages helfen. Doch sind das nicht irgendwelche Ärzte, sondern solche, die entweder selber leiden oder sich nicht zu fein sind, vom hohen Ross der Götter in Weiß abzusteigen, um dem Patienten auf Augenhöhe zu begegnen. In der Zusammenarbeit können sehr fruchtbare Ergebnisse zutage treten.

Daher belächele ich die Ärzte, die hier mitlesen (ja, die gibt es!) keineswegs. Das sind nicht etwa Fachleute, die in der Uni in Anatomie II gepennt haben, sondern das sind oft sogar die, die den Kurs mit einem Sehr Gut abgeschlossen haben. Viel wichtiger jedoch: Sie haben nie den Blick für den Patienten verloren, trotz aller bürokratischen Bürden, die ihnen enge Zeitpläne und enge Patientenbudgets auferlegen.

Was wären wir ohne solche Ärzte? Wahrscheinlich seit der Entdeckung des Histamins 1910 kaum einen Schritt weiter. Daher ist es wichtig, zwar eine gesunde Skepsis zu behalten, doch dabei nicht alle Ärzte (z. B. wegen schlechten Erfahrungen) zu verteufeln. Es gibt a) Ärzte, die sich für ihre Patienten engagieren und b) sich auch mit HIT auskennen. Manchmal muss man sie nur erst finden.

In Austausch treten

Da der sachliche Austausch für beide (!) Seiten so wichtig ist, habe ich mir gedacht, es wäre eine feine Sache, mal den direkten Dialog zu suchen. Ich freue mich sehr, dass sich Frau Dr. Annelie Scheuernstuhl dazu bereit erklärt hat, mir in ein paar Tagen Rede und Antwort zu stehen.

Die Fachärztin für Allgemeinmedizin und Diplom-Psychologin mit naturheilkundlicher Ausbildung hat zusammen mit Anne Hild das Buch „Natürliche Hormontherapie“* geschrieben, das ich an dieser Stelle bereits vorgestellt habe. Obwohl es in dem Buch nicht explizit um Histaminintoleranz geht, sind dennoch einige wertvolle Informationen enthalten, die verstehen helfen, warum zum Beispiel häufig nicht nur Hitzewallungen zu den Beschwerden der Wechseljahre zählen , sondern auch eine Histaminintoleranz auftreten kann.

Da ich als Histamin-Pirat dieses Schiff nicht alleine lenke, sondern bereits sehr viel aus Euren Kommentaren und Zuschriften lernen durfte, wende ich mich vor dem Interviewtermin an Euch:

Welche Fragen sind für Euch nach der Rezension offen geblieben? Was möchtet Ihr über Histamin & Co erfahren?

Bitte hinterlasst Eure Fragen unten im Feld “Flaschenpost”. Ich werde versuchen, alle Fragen im Interview mit Frau Dr. Scheuernstuhl unterzubringen, habe aber auch selbst ein paar vorbereitet 🙂

In den nächsten Wochen wird es dann die Zusammenfassung auf dem Blog zum Nachlesen geben.

(c) Histamin-Pirat

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