Tipps & Rezepte zum Leben mit Histaminintoleranz

Superfood bei Histaminintoleranz …

Superfoods sind gerade in aller Munde. Dabei ist die Idee von „Lebens-Mitteln“, die gegen vorzeitige Alterung und beim Abnehmen helfen, die Konzentrationsfähigkeit oder generell das allgemeine Wohlbefinden steigern, gar nicht so neu, wie ich kürzlich gelesen habe.

Ursprung des Begriffs „Superfood“

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand der Begriff „Superfood“ Eingang in das Nachschlagewerk „Oxford Dictionary“. Gemeint waren bereits damals bestimmte Lebensmittel, die positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben oder präventiv gegen Krankheiten eingesetzt werden können. Superfoods sollen demnach aufgrund ihrer Nährstoffdichte mehr können als nur reguläre Lebensmittel.

Zur Messung, wie effektiv ein Lebensmittel ist, wird der sogenannte ORAC-Wert herangezogen. Das Kürzel steht dabei für Oxygen Radical Absorbance Capacity, was wörtlich heißen würde: Sauerstoff-Radikale-Aufnahmekapazität, sprich: Wie hoch ist die Konzentration von Antioxidantien?

Und hier werden Superfoods bereits für Betroffene von Histaminintoleranz interessant. Schließlich gelten eine Reihe von Antioxidantien als effektive Histamin-Helfer. Sie sind Mastzellstabilisator oder helfen beim Histaminabbau. Man denke nur an den wichtigen Mastzellstabilisator Quercetin oder an das histaminabbaufördernde Vitamin C – beide sind Antioxidantien.

Welche Superfoods kennen wir bereits, die bei Histaminintoleranz helfen?

Auf dem Blog habe ich in der Vergangenheit bereits eine Reihe von Superfoods vorgestellt, die auf die eine oder andere Weise recht hilfreich bei Histaminintoleranz sind. Manche davon kommen auch in Rose Marie Donhausers Buch* vor, das ich für diesen Artikel zur Orientierung heranziehe.

Allen voran, die allseits geliebten Chiasamen. Sie enthalten die DAO-Co-Faktoren Zink und Kupfer. Außerdem sind sie super Eiweißlieferanten und daher insbesondere für Vegetarier und Veganer interessant. Auch das Thema Matcha – zugegeben, bei Histaminintoleranz nicht ganz unumstritten – habe ich hier bereits einmal angerissen. Daneben waren auch die Kokosnuss, Kakao, Kurkuma und Hanfsamenöl schon mal auf dem Blog vertreten.

Ein paar dieser Vertreter der Superfoods möchte ich noch mal genauer unter die Lupe nehmen. Außerdem sollen noch weitere interessante Superfoods für HIT-Betroffene besprochen werden.

Fangen wir also gleich mal an.

Die Liste interessanter Superfoods

Maca – das habe ich schon so oft gelesen, aber zum Thema Histaminintoleranz noch nichts Eindeutiges gefunden. Was für die Knollenwurzel aus Südamerika spricht, ist, dass sie offenbar hormonausgleichend wirkt. Heute wird die Pflanze als natürliches Potenzmittel vermarktet. Problematisch ist jedoch, dass man hierzulande in der Regel die frische Knolle nicht zu kaufen bekommt und somit auf Pulver* oder schlimmer noch, Kapseln, zurückgreifen muss.

Schaut man sich Maca (Lepidium meyenii) einmal botanisch an, fällt sofort auf: Maca stammt aus der Familie der Kressegewächse (Lepidium). Optisch und auch ein bisschen geschmacklich erinnert die Wurzel an Radieschen. Tatsächlich sind die Inhaltsstoffe gar nicht mal so unähnlich. Wer bereits länger hier mitliest, hat vielleicht auch meine Buchrezension zu „Histamin-Intoleranz – Ein Leben ohne Netz und doppelten Boden“ gelesen. Die Autorin (mit Mastozytose) schwört in ihrem Buch einerseits auf Acerola* und andererseits auf Radieschen. Alternativ empfiehlt sich übrigens auch Kresse. Die beiden Letztgenannten haben wohl nicht die gleiche Nährstoffdichte wie Maca, aber zumindest doch ähnliche Inhaltsstoffe. Durch regelmäßigen Verzehr von Kresse und Radieschen könnte man also ähnlich positive Effekte auf den Hormonhaushalt erreichen, würde ich annehmen. Acerola hingegen ist eine super Vitamin-C-Quelle, die zu meiner Überraschung im Buch von Rose Marie Donhauser nicht einmal Erwähnung findet. Schade eigentlich.

Apropos Vitamin-C, ein paar andere tolle Ascorbinsäure-Lieferanten sind durchaus im Buch zu finden, die obendrein noch „histamin-tauglich“ sind.

Am wenigsten exotisch sind hierbei die guten alten Blaubeeren, die auch bei mir im Garten wachsen.

Etwas exotischer wiederum ist Moringa.

Moringa enthält eine ganze Menge Vitamin C und kann so den Histaminabbau verbessern. Außerdem wirkt es wohl als Mastzellstabilisator und verhindert so, dass körpereigenes Histamin ausgeschüttet wird. Im Handel gibt es Moringa vor allem als Tee* und Pulver* zu kaufen.

Außerdem im Buch: Hanf.

Wir nutzen vor allem Hanfsamenöl und Hanfsamen für Salat und Brot. Der nussige Geschmack ist mal was anderes, vor allem wenn bei HIT die meisten Nüssen vom Speiseplan gestrichen werden. Außerdem zeichnet sich Hanfsamenöl durch ein sehr gutes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren aus, was sehr gesund ist. Für HIT-Betroffene kommt hinzu, dass Hanfsamen reich an Antioxidantien sind (deshalb haben sie es auch in die Liste geschafft), entzündungshemmend wirken und Magnesium enthalten. Magnesium wird bei HIT ganz gerne unterschätzt, hilft aber bei vielen Beschwerden von Muskelzittern über Krämpfe bis hin zu Kopfschmerzen.

Außerdem interessant: Das im Hanf enthaltene Cannabidiol (CBD), was im Gegensatz zu Tetrahydrocannabidiol (THC) nicht „high“ macht, wirkt als Mastzellstabilisator.

Ein weiteres Superfood, das hier und da mal Erwähnung auf dem Blog fand und auch im vorliegenden Buch vorkommt, ist Aloe Vera.

Wir haben Aloe Vera bisher vor allem äußerlich angewendet. Es gibt sozusagen keine bessere Apré-Sun-Lotion. Das in den Blättern enthaltene Gel kühlt die Haut, kann bei leichten Verbrennungen und auch bei Sonnenbrand aufgetragen werden. Wir haben hier zu Hause einen richtigen Aloe-Vera-Dschungel seit Shaolin, unser kätzischer Krebspatient, im letzten Winter von uns gegangen ist. Das Gel war die grüne Apotheke unserer Katze. Neben einem Sirup aus der Rinde der Rotulme hat sie ab und an Aloe-Vera-Gel zum Essen bekommen. Aufgrund eines inoperablen Nierentumors hatte sie zuweilen Magen-Darm-Beschwerden. Das Gel wirkte beruhigend, kühlend sowie entzündungshemmend und half, wenn Shaolin nicht richtig essen wollte oder sich öfter übergab. Diese zwei Geheimwaffen (der Sirup und das Gel) haben dafür gesorgt, dass Shaolin entgegen tierärztlicher Prognose noch gut 3 Jahre mit dem Tumor lebte und das weitgehend beschwerdefrei – in Aussicht gestellt waren, als sie zu uns in Pflege kam, ein bis 3 Wochen. Achso, ja und Hanfsamenöl und Lachsöl hat sie auch bekommen! Da flutscht alles gleich besser 😉

Was Histaminintoleranz angeht, haben wir die innerliche Anwendung von Aloe Vera beim Menschen aber noch nicht erprobt. Vorsicht ist auf jeden Fall bei gleichzeitiger Salicylatintoleranz geboten. Außerdem muss unbedingt die Haut entfernt werden. Nur das durchsichtige Gel wird verwendet. Der gelbe Saft, der bei Verletzung der Blätter austritt, ist reizend und in größeren Mengen giftig. Ich habe für Shaolin auch stets die Blätter fein säuberlich „filettiert“.

Neben den genannten Superfoods werden im Buch von Rose Marie Donhauser noch eine Reihe anderer essbarer Kraftpakete vorgestellt. Ich finde die obige Auswahl für Histaminintoleranz jedoch besonders interessant.

Etwas übel aufgestoßen ist mir beim Lesen nicht nur, dass Acerola in der Auflistung fehlt und überhaupt, vermehrt exotische Superfoods vorgestellt werden (Oder war das nur mein persönliches Empfinden?), sondern vor allem S. 13:

Hier wird die „psychische Störung“ Orthorexie vorgestellt, die im Endeffekt zu den Essstörungen gerechnet werden kann. Das Konzept hinter der Krankheit ist wie folgt: Menschen entwickeln ein zwanghaftes Verlangen danach, sich gesund zu ernähren, wodurch beim Verzehr von ungesundem Essen Schuldgefühle etc. auftreten. Das Verhältnis zum Essen wird demnach gestört. Der Name ist auch begrifflich an die Anorexie angelehnt.

Problematisch an der Orthorexie ist vor allem: eine Fehldiagnose. Außerdem störe ich mich an der Begrifflichkeit: Etwas, das „orthos“ (griech. „richtig“) ist, kann eigentlich nicht falsch sein. Daher würde ich diese Ess- oder Zwangsstörung am liebsten anders benannt wissen. Der Begriff selbst ist nämlich in meinen Augen irreführend. Mein eigentliches Problem mit dieser recht neuen psychischen Erkrenkung: Eine Fehldiagnose kann vor allem für Betroffene von Intoleranzen zum Problem werden. HIT-Patient*innen haben ohnehin meist einen langen Leidensweg hinter sich, auf dem sie selten richtig ernst genommen werden. Es dauert meist Jahre, eine*n kompetente*n Ärzt*in zu finden, der oder die schließlich die richtige Diagnose stellt und einen nicht in die Hypochonder- oder Psycho-Ecke steckt. Ich habe es so oft in E-Mails gelesen und auch bei uns war es nicht anders …

Allzu häufig ist daher sowas wie die Orthorexie höchstwahrscheinlich kein psychisches, sondern ein physisches Problem. Betroffene schränken ihren Speiseplan ein, weil sie merken, dass sie bestimmte Lebensmittel einfach nicht vertragen – nur warum, wieso und weshalb gerade jetzt auf einmal, das wissen sie nicht und auch Ärzt*innen können es ihnen oft nicht beantworten. Kurzum kommt also der Stempel „Orthorexie“, „psychosomatisch“, „Magersucht“ oder sogar „Hypochonder“ auf die Patient*innen.

Und was ist nun mit dem Buch?

Es war interessant zu lesen, greift mir jedoch an vielen Stellen zu kurz. Zahlreiche Infos, die Du hier im Beitrag liest, entstammen meiner zusätzlichen Recherche, darunter etwa die ganzen Hinweise zum Thema Mastzellstabilisation. Wer ein wenig die Suchmaschinen im Netz bemüht, findet im Grunde auch alles heraus, was in diesem Buch steht. Ob man daher das Geld ausgeben möchte?

Umgekehrt ist es immer mal ganz praktisch, ein handliches Kompendium zum Anfassen zu haben – nicht nur eine wilde Link-Sammlung im Browser. Die allgemeinen Hintergrundinformationen waren für mich zum Beispiel sehr erhellend. Ich wusste nicht, dass der Begriff „Superfood“ bis ins 19. Jahrhundert zurückzuverfolgen ist! Außerdem finde ich es schön, dass bereits Rezeptvorschläge geliefert werden.

Für alle, die also ganz neu mit dem Thema „Superfoods“ einsteigen, ist dieses Büchlein eine hervorragende Einführung. Wer sich jedoch schon auskennt, wird womöglich enttäuscht.

Zusammenfassung:




Ich bedanke mich beim Südwest-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

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5 Kommentare

  1. Livia Jozsa

    Da ich selbst histaminunverträglich bin und seit ca 2 Jahren alles lese, was helfen könnte, freue ich mich über diese Infos.
    Habe für mich das ägyptische Schwarzkümmelöl entdeckt: Sowohl für die irritierte Haut als auch zur innerlichen Einnahme. Seit 1 Woche nehme ich täglich 2 Teelöffel zu Mahlzeiten zu mir und benetze die irritierte Hautstellen dünn. Es wirkt! Die geröteten Hautstellen werden blasser, Quaddelbildung geht stark zurück. Mal sehen, wie es über längere Zeit wirkt.
    Viele Grüsse

    • Eva

      Wir haben ähnlich gute Erfahrungen mit Schwarzkümmel und Schwarzkümmelöl gemacht.

  2. Ariana

    Während das Abschieben von tatsächlich Lebensmittelintoleranten in die Psychoecke absolut ein Problem ist, Orthorexie gibt es und sie kann ebenso viel Schaden anrichten.
    Meine Histaminintoleranz ist im Rahmen einer generellen Ernährungsumstellung deutlich geworden und meine Symptome wurden auf meine zuvor bekannten Depressionen geschoben obwohl ich ganz deutlich merkte, dass es etwas anderes und physisches ist. Alles wird bei mir ständig auf die Psyche geschoben, demnach kann ich deine Frustration durchaus verstehen. Trotzdem sollte Orthorexie zum Teil als begleitende Problem, zum Teil Hauptproblem ernstgenommen werden. Menschen die ohne jedes Symptome alle möglichen Dinge meiden und Panikattacken bekommen weil sie etwas gegessen haben, von dem sie irgendwo gelesen haben, dass es schädlich sein könnte… Die haben ein Psychisches Problem und daraus wird mit der Zeit ein physisches werden denn kaum etwas ist so ungesund, wie Dauerstress. Im Idealfall ist eine möglichst diverse Diät die gesündetste, wer ohne jeden Sinn unnötig viele Lebensmittel streicht, dessen Darmflora verarmt.
    Auch jemand der tatsächlich eine physische Erkrankung hat, die es nötig macht Dinge zu meiden, kann zusätzlich an Orthorexie erkranken, denn wäre eine Psychotherapie zum Thema Angst zusätzlich zu etwa einer Ernährungsberatung sinnvoll.
    So wie immer alles auf die Psyche zu schieben schädlich ist, ist es auch kontraproduktiv ihre Gesundheit zu vernachlässigen.

  3. Piet

    Danke für die Zusammenfassung und den Hinweis auf das Buch! Da ich gerade erst in mein Leben mit HIT einsteige super! Wie auch schon Ariana geschrieben hatte, ist mir allerdings der Teil zur Orthorexie zu leichtfertig. Gerade in der veganen Bewegung haben sich einige Strömungen breit gemacht, die manche Lebensmittel zum Feind machen. Hier ist der Entstehung dieser Krankheit Tür und Tor geöffnet, und es IST eine psychische Erkrankung, genauso wie Bulimie, Magersucht, etc. Wenn Menschen fast einen Kollaps bekommen, weil sie sehen, dass jemand ihren Bratling in etwas Kokosöl braten will (HCLF) oder nur noch mit Inhaltsstoffen von Lebensmitteln beschäftigt ist und nur noch danach isst, dann ist das durchaus ernst zu nehmen. Viele gestehen im Nachgang ein, dass es eine reale Krankheit war, die sie in ihrem Leben extrem eingeschränkt hat und insgesamt auch nicht als gesund zu werten ist. Die Vorgänge, Verhaltensmuster und Auswirkungen sind denen anderer Essstörungen gleich zu setzen. Gerade durch influencer auf sämtlichen Kanälen verbreitet sich diese auch vor allem in jüngeren Generationen und sollte auf keinen Fall verharmlost werden. Wir sprechen hier nicht von Menschen, die darauf achten Bio zu kaufen, gerne vieles selbst zubereiten und begeisterte Sprossenzüchter sind…

    • Eva

      Hallo Piet,
      natürlich ist Orthorexie eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die eben auch schwere physische Schäden nach sich ziehen kann. Ich sehe da wie du besonders die sozialen Medien als Gefahr, wo sich Influencer*innen runterhungern oder Lebensmittel auf irgendwelche roten Listen setzen, obwohl man selbst kerngesund ist. Mir geht es eher darum, dass HIT-Betroffene allzu oft zu schnell in die „Psycho-Ecke“ gestellt werden, als gebe es HIT nicht und als würden sie es sich nur einbilden. Menschen mit HIT brauchen medizinische Hilfe und eine fundierte Ernährungsberatung durch Diätassistent*innen bzw. Diätolog*innen. Manchmal kann ein*e Psychotherapeut*in helfen, vor allem wenn man nach gewisser Zeit Angst vor dem Essen entwickelt hat, weil einem immer wieder übel geworden ist. Der Unterschied ist aber: Sie bilden sich nicht etwa ein, einige Lebensmittel schlecht oder gar nicht zu vertragen, sondern sie vertragen welche wirklich nicht. Durch die richtige Unterstützung gelingt es diesen Menschen dann mitunter auch wieder, Dinge beschwerdefrei zu essen, die sie vorher gemieden haben. Gerade deshalb ist es bedenklich, wenn sie mit „Oh, Sie haben Orthorexie“ abgefrühstückt werden.

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