Histamin-Pirat

Tipps & Rezepte zum Leben mit Histaminintoleranz

Schlagwort: Yin Yoga

Ganz entspannt ins neue Jahr …

Neben histaminreichen Nahrungsmitteln und solchen, die als Liberatoren wirken und dafür sorgen, dass der Körper eigenes Histamin ausschüttet, gibt es noch andere Faktoren, die sich bei Histaminintoleranz und Mastzellaktivierungsstörungen negativ auf den Histaminhaushalt auswirken können. Schlimmstenfalls kommt es zum Überschuss und somit zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, usw.

Einer dieser Auslöser, das liest man immer wieder, ist Sport. Jeder, der nach dem Motto „Sport ist Mord“ lebt, schlägt da vielleicht freudig in die Hände und denkt sich: „Ha, endlich eine gute Ausrede, nicht wie ein Hamster im Laufrad vor mich hin zu sporteln!“ Andere fragen sich vielleicht: „Aber Sport ist doch gesund?!“

Ist Sport für Betroffene von Histaminintoleranz dann also wirklich schädlich?

Dazu sollte man sich zunächst fragen: Was ist Sport eigentlich? Beim Sport denken wir vor allem in dieser Jahreszeit an Ski-Langlauf, Snowboarden und im Rest des Jahres an Badminton, Schwimmen, Sprinten, Stabhochsprung, Klettern, Joggen und auch Yoga. Daneben gibt es Cross-Fit, Hanteltraining und andere Kraftsportarten. Welche Sportarten gemocht werden, ist meist eine ziemliche Geschmacksfrage. Ich mag Badminton, Schwimmen und Yoga. Der Histaminer skatet gerne und spielt auch mal Badminton und mag ansonsten Kampfsport, allerdings alles in Maßen – nicht in Massen.

Viele Betroffene von histaminbezogenen Erkrankungen ertragen aber nicht einmal fünf bis zehn Minuten Training und lassen es stattdessen lieber ganz sein, wodurch nicht selten ein Mini-Teufelskreislauf in Gang gesetzt wird. Schließlich hat Sport viele Vorteile für unser Herz-Kreislauf-System. Sport hält „fit“ und verhindert, dass wir dick werden. Übergewicht ist schließlich ein Risikofaktor für verschiedene Krankheiten wie Diabetes.

Wer Probleme mit Histamin hat, muss nicht (und sollte auch nicht) ganz auf Sport verzichten. Wer sich körperlich betätigen will, muss nur wissen, wie.

Cardio-Training und Histamin

Alles, was in kürzester Zeit unseren Kreislauf auf Hochtouren bringen soll, ist nicht unbedingt zu empfehlen. Dazu zählen:

  • alle Arten von Cardio-Training
  • hochintensives Intervall-Training (HIIT) – HIIT ist nicht gut bei HIT (kann man sich gut merken)
  • Leistungssport: Sprinten, Marathon und alles andere, was wirklich sehr zehrt, schlaucht und dem Körper enorm viel Wasser entzieht
  • Bikra-Yoga (viel Schwitzen und damit Flüssigkeitsverlust)

Anders sieht das jedoch mit traditionellem Krafttraining aus. Für alle angehenden Bodybuilder unter Euch, aber auch für Yogis und Yoginis lautet die gute Nachricht: Ihr dürft!

Hanteln und Körpergewicht als Widerstand beim Krafttraining

Beim Krafttraining – ob nun mit Hanteln (Bodybuilding) oder mit dem eigenen Körpergewicht (Yoga, Pilates, etc.) – wird der Kreislauf geschont, wodurch der Körper weniger Histamin ausschüttet. Speziell für Yoga und verwandte Sportarten (Tai Chi, Meditation, Progressive Muskelentspannung, etc.) gilt, dass die dazu gehörenden Übungen sogar den Histaminspiegel senken können!

Aber Achtung: Wer aus Angst vor Sport (und den damit einhergehenden Histaminreaktionen) oder aus Faulheit oder Zeitmangel bisher ein Leben als Couch-Potato gefristet hat, sollte es langsam angehen lassen.

Wird das Training zum Stress, steigt auch wieder der Histaminspiegel. Das wissen wir ja bereits: Stress sorgt dafür, dass wir Histamin ausschütten! Gute Vorsätze hin oder her, übertreibt es also nicht!

Außerdem sollte der gewünschte Traumkörper nicht auf Kosten des vorhandenen Körpers entstehen müssen. Was ich meine? Wer nur eine Ein-Kilo-Hantel bequem bewegen kann, sollte vorerst dabei bleiben und nicht größenwahnsinnig zur Fünf-Kilo-Hantel greifen. Dadurch wird nicht nur riskiert, dass die Bewegungen falsch durchgeführt werden, wodurch Fehlhaltungen entstehen und Verletzungen auftreten können, sondern auch, dass wiederum mehr Histamin ausgeschüttet wird. Der Grund? Beim Muskelaufbautraining sind minimale Muskelfaserrisse normal. Wenn der Körper diese repariert, wächst der Muskel; er wird stärker, aber im Körper entstehen währenddessen auch klitzekleine Entzündungsherde. Und Histamin als Entzündungsmediator ist auch hier wieder präsent. Muskelaufbau ja, aber langsam und maßvoll, lautet die Devise.

In der Vergangenheit habe ich bereits meine Trias der, meiner Meinung nach, besten Trainingsoptionen für Histamingeplagte auf dem Blog vorgestellt:

  1. Yoga
  2. Kampfsport
  3. Meditation

„Der Körper ist der Bogen, die Asanas im Yoga sind die Pfeile und die Seele ist das Ziel.“

Damit hat Yoga-Guru B.K.S. Iyengar eigentlich bereits auf den Punkt gebracht, worum es beim Yoga geht, nämlich darum, ganzheitliche Gesundheit zu erlangen.

Heute möchte ich noch einmal ein bisschen auf die Drei eingehen, um Euch einen guten und entspannten Start ins neue Jahr zu liefern. Von Bikram-Yoga einmal abgesehen, bietet Yoga eine Vielfalt an modernen Yoga-Stilen, die im Prinzip trotzdem alle auf das traditionelle Hatha-Yoga zurückgehen, aber verschiedene Schwerpunkte setzen:

  • Vinyasa-Yoga: sehr dynamisch und tänzerisch (Freude am Bewegen)
  • Iyengar-Yoga: anspruchsvoll, aber auf individuelle Bedürfnisse (z.B. Vorverletzungen) ausgelegt
  • Anusara-Yoga: in Anlehnung an Iyengar-Yoga sehr medizinisch auf individuelle Bedürfnisse ausgelegt
  • Restorative Yoga: sehr entspannt, mit viel Zubehör (Props), um angenehme Posen zur Meditation unter Berücksichtigung persönlicher Bedürfnisse einzunehmen
  • Yin-Yoga: ähnlich wie Restorative Yoga sehr ruhig, die Posen werden lange gehalten, zur Meditation und zum Faszientraining
  • Pilates: eigentlich kein Yoga-Stil, aber doch verwandt damit, Schwerpunkt: Bauchmuskel- und Beckenbodentraining

Weitere Yoga-Stile sind z.B.:

  • Forest-Yoga
  • Kundalini-Yoga
  • Jivamukti-Yoga
  • Sivananda-Yoga

Kurz vor dem Jahresende habe ich mich besonders auf das Buch „Gesund durch Yin Yoga“ von Stefanie Arend gefreut, schließlich ist Yin Yoga mit Sicherheit mein Lieblingsyogastil neben Vinyasa-Yoga. Ich wurde aber ein bisschen enttäuscht.

Was wir heute als Yin Yoga bezeichnen, war stets Teil des Hatha-Yogas. Das körperbetonte Training hat jedoch in der Moderne dazu geführt, dass die traditionellen Yin-Posen, die für das Ruhige, Kühle und Meditative stehen, nach und nach von Yang-Posen, die energetisch, warm und dynamisch sind, verdrängt worden sind. Allerdings finden wir davon in Stefanie Arends Buch kein Wort.

Sie schreibt lediglich auf S. 12

Mein erster Yin-Yoga-Lehrer war Paul Grilley, ein Mentor, der mich in meiner persönlichen Yogapraxis stark inspiriert und sehr beeinflusst hat. Er hat Yin-Yoga zu dem gemacht, was wir heute darunter verstehen.

Dass Yin Yoga heute die Rolle in der Yoga-Praxis einnimmt, die ihm eigentlich immer zugestanden ist, verdanken wir allerdings ursprünglich einem anderen Mann als Paul Grilley, nämlich Paulie Zink. Der Kungu-Fu-Meister hat nur wenige Schüler in der Kunst des Yin-Yogas unterrichtet, dessen Posen ursprünglich dazu gedacht waren, buddhistischen Mönchen die langen Meditationsposen zu erleichtern. Dadurch besteht auch ein enger Bezug zwischen Yin-Yoga und Kampfsport wie Kung Fu.

Paul Grilley hat zwar in der Vergangenheit für etwa ein Jahr Unterricht bei Paulie Zink genommen, ist aber per se kein zertifizierter Yin-Yoga-Lehrer. Yin Yoga, das ursprünglich Taoist oder TaoYin oder Yin und Yang Yoga von Paulie Zink genannt wurde, ist mittlerweile zu einem enormen Geschäft geworden, wodurch sich vor allem Paul Grilley, der die Lehren, die ihm vermittelt worden sind, um seine eigene Philosophie ergänzt hat, ein goldenes Näschen verdient hat und nach wie vor in der ganzen Welt Kurse gibt.

Dabei sind vor allem die Kampfsportbezüge sowie die wichtigen Informationen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verloren gegangen. Yin Yoga nach Paul Grilley ist zur puren Form verblasst und das merkt man auch dem Buch von Stefanie Arend an.

Das halbesoterische Gefasel, das fälschlicherweise gerne mit TCM in Verbindung gebracht wird, weil wir in den traditionellen Büchern eine sehr metaphorische Sprache vorfinden, hat wenig mit medizinischer Kenntnis zu tun. Wenn in Büchern wie „Complete Book of Chinese Medicine“ von Wong Kiew Kit Sachen stehen wie:

„He is sick because he has no fire in his stomach“ and „The Physician cures the patient by using earth to give birth to metal“ […]

Dann sind ganz konkrete Dinge und genaue Prinzipien gemeint. Wenn ich aber Yoga-Lehrer höre, die davon reden, dass wir unser Herz „schmelzen“ sollen oder „durch die Füße atmen“ sollen, dann ist das einfach nur Unfug.

Entsprechend mit Vorsicht zu genießen sind medizinische Hinweise solcher Yoga-Lehrer. Stefanie Arend, die im Übrigen auch Ernährungsberaterin ist, schreibt beispielsweise zum Thema Allergien:

Bei Allergien ist es ratsam, auch eine Behandlung des Darms in Betracht zu ziehen, da er im Wesentlichen für unsere Immunabwehr verantwortlich ist. Betroffene sollten regelmäßig Darmreinigungskuren durchführen, zum Beispiel durch die Einnahme von Flohsamenschalen und Bentonit, aber auch durch Einläufe oder Colon-Hydro-Therapien, bei denen der Darm gespült wird.

Uff, also da ist nun viel durcheinander geraten. Gerade mich regen solche Aussagen besonders auf, da sie es Betroffenen von Mastzellaktivierungserkrankungen und von Histaminintoleranz noch schwerer als ohnehin schon machen, ihre Krankheit zu erklären. Sie bekommen dann nämlich rasch die Antwort von ihrem Gegenüber: Ah, du hast eine Allergie!

Nein, nicht alles, was mit Histamin zu tun hat, ist eine Allergie und nein, nicht bei jeder Allergie hilft eine Darmreinigung. Insbesondere von einer Ernährungsberaterin hätte ich doch eine differenziertere Aussage zu Darmfehlbesiedlung, Allergien (Medikamentenallergie, Heuschnupfen, etc.) und Intoleranzen erwartet.

Wer trotzdem den empfohlenen Yin-Yoga-Flow gegen Allergie durchführen möchte:

Interessant wird es, wenn wir zu Verdauungsbeschwerden kommen, denn dazu gibt es noch mal ein Extra-Kapitel:

Generelle Tipps wie „weniger Bläh- und mehr Ballaststoffe“ greifen doch ein bisschen kurz, können aber grundsätzlich mal bei Verdauungsbeschwerden nicht schaden. Doch das sind irgendwie auch nur Binsenweisheiten. Aber das Ganze auch noch so unglücklich und widersprüchlich zu formulieren, ist für den Leser und die Leserin nur noch verwirrend:

Ballaststoffe unterstützen die Darmfunktion und stecken vor allem in Obst, Salat, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Wichtig dabei: reichlich trinken! Blähungen werden oft durch Kohlgemüse und Hülsenfrüchte ausgelöst, einige Menschen reagieren aber auch auf ein Plus an Ballaststoffen. Hier gilt, auf den eigenen Körper zu achten. […] Ein wahrer Alleskönner sind Flohsamenschalen […]

Jemand, der beispielsweise Verdauungsbeschwerden aufgrund von Histaminintoleranz oder wegen einer Fructose-Malabsorption oder einer Laktoseintoleranz hat, kann mit diesem Allgemeinplätzchen wirklich nicht viel anfangen. Ganz davon abgesehen, dass Obst nur recht wenig Ballaststoffe liefert. Punkt ist, Verdauungsbeschwerden können diverse Ursachen haben. Verschiedene Krankheiten von Intoleranzen bis hin zu chronisch-entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen müssen unter Umständen in Betracht gezogen und vor allem ganz individuell abgewogen und schließlich ebenso individuell behandelt werden.

Im Klappentext steht das ja auch:

Als Ernährungsberaterin arbeitet sie ganzheitlich und integriert dabei verschiedene Ansätze in ihre Beratungen, abhängig davon, was der Einzelne gerade braucht.

Stefanie Arend, die im Buch fleißig Bezug zur TCM schlägt, wirft überraschend oft mit generellen Floskeln um sich. Dabei steht doch gerade in der traditionellen chinesischen (und auch in der traditionellen europäischen) Medizin der Patient im Ganzen (holistisch) im Fokus. Es werden nicht nur seine Beschwerden einzeln betrachtet und mit speziellen Pillen unterdrückt, sondern die Ursache soll gefunden werden.

Folgende Bewegungen emfiehlt Stefanie Arend bei Verdauungsbeschwerden:

Vor allem die „gestreckten Beine“ und das „Kamel“ wird jedoch nicht jeder mit Verdauungsbeschwerden bewältigen können.

Zusammenfassung:

  • „Gesund durch Yin Yoga“ von Stefanie Arend
  • 192 Seiten, Taschenbuch
  • Informationen über Yin Yoga
  • zahlreiche Posen und problemorientierte Trainingspläne
  • 19,99 Euro, erschienen im Südwest-Verlag

Ich bedanke mich beim Südwest-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Passender wäre eine Übung wie Beine gegen die Wand:

Darüber hinaus sind sanftere Flows wie diese zwei sehr sinnvoll (auch bei Histaminproblemen):

Wer etwas mehr Zeit zwischen den Jahren hat, um sich zu entspannen, dem empfehle ich eine meiner Lieblingsroutinen:

Wie immer gilt für Yin-Yoga-Flows: Decke nicht vergessen. Wer so viel liegt und Faszien stretcht, dem wird manchmal kalt. Noch mehr gute Yoga-Videos gibt es hier und hier.

Was (gerne auch abseits von Yoga, Meditation und Kampfsport) entspannt Euch am meisten? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Guten Rutsch und kommt entspannt ins neue Jahr!

(c) Histamin-Pirat

Körper, Geist und Seele (Teil 3)…

Tips

zum Thema Meditation und Entspannung

Dieser Beitrag gehört zur Serie „Körper, Geist und Seele“. Teil 1 setzte sich mit dem Thema Yoga auseinander und Teil 2 behandelte das Thema Kampfsport.

Was ist Meditation?

 

Seit Yoga, Pilates & Co zu Trendsportarten unserer Zeit geworden sind, hat auch Meditation Einzug in viele Wohnzimmer gehalten. Vielen erscheint ein Yogi im Lotussitz vor dem inneren Auge, wenn sie an Meditation denken. Für andere handelt es sich bei Meditation lediglich um eine ebenso esoterische Hippie-Praxis wie Horoskope erstellen und auslegen. Man kauert irgendwo auf dem Fußboden und versucht den Alltag bei beruhigender Musik zu vergessen. Da legen viele lieber gleich ein Mittagsnickerchen ein.

Tatsächlich hat Meditation viel mit Sport und Disziplin zu tun und ist weitaus mehr als einfach nur nichts-tuend herumzusitzen. Um zu meditieren braucht man auch nicht immer eine Stimme, die einem vorsagt, woran man gerade denken sollte. Dennoch kann ein Lehrer hilfreich sein, denn Meditation bedarf etwas Übung.

Dabei geht es nicht nur um Gedankensteuerung, sondern auch um physische Aspekte. Viele Yogaaspekte sind in traditionellen Kampfkünsten zu finden, deren Teil auch die Meditation ist. Das lange Verharren in bestimmten Positionen wie dem Lotussitz will trainiert sein. Ohne Vorbereitung ist es fast unmöglich in den Lotussitz zu kommen ohne sich Verletzungen oder Schmerzen zuzufügen. Daher ist auch hier schon mal Geduld gefragt. Meditation funktioniert nicht mit der Brechstange. Für Neulinge eignet sich daher vorerst sicher eine andere Position, um mit der Meditation zu beginnen, z.B. die Helden-Pose (Virasana) oder die Der-Festgehaltene-Winkel-/Schmetterlingspose (Baddha Konasana) oder die Totenstellung (Savasana). Wichtig ist es eine Pose zu wählen, in der man bequem länger sitzen und ruhig atmen kann. Mit der Zeit kann man dann auf den Lotussitz oder eine andere Pose hinarbeiten.

 

Viel wichtiger als beruhigende Musik ist es auf seinen eigenen Atem zu hören. Die wichtige Rolle von Pranayama (Atemtechniken) wurde bereits im Yoga-Artikel angesprochen. Es ist der Atem, der unseren Rhythmus auf so vielerlei Weise lenkt. Wenn wir aufhören zu atmen, was ist das Erste, das passiert? Wir verlieren das Bewusstsein. 

 

Eine gute Atemtechnik, um mit dem Meditieren zu beginnen, ist Ujjayi. Hier gibt es eine Anleitung dazu (in Englisch): 

 

 

Um Meditationsposen und Atemtechniken zu üben, eignet sich Yin Yoga besonders gut, aber jeder sollte nach seinem Geschmack seinen Yoga- oder Kampfsportstil finden. Einführend zum Thema Yin Yoga empfehle ich die DVDs von Paulie Zink und/oder die Bücher von Paul Grilley und Bernie Clark:

  Yin Yoga Basics with Master Paulie Zink

The Complete Guide to Yin Yoga

Yin Yoga: Principles and Practice

Die geradezu meditativen Yin-Yoga-Flows von Master Paulie Zink strahlen bereits beim Anschauen eine starke innere Ruhe, aber auch Kraft und Grazie aus:

 

Neben sitzender Meditation – was wir allgemein unter dem Begriff Meditation verstehen – gibt es also noch andere Meditationsformen. Genau genommen, fließt Meditation in Form von mindfulness in jedes Training, sei es nun Yoga oder Kampfsport, ein. 

 

Even if you practise regularly and diligently, if you do not put your heart, or mind, into what you are practising, you are unlikely to get good results. Being mindful of whatever you do is a fundamental teaching in all schools of Buddhism. In Theravada temples, for example, every day monks practise walking meditation – in which they become acutely aware of the very moment when and the very spot when their feet touch or leave the ground – in order to cultivate such mindfulness.

Dass Meditation mehr als nur Herumsitzen ist, habe ich bereits erwähnt. Es ist aber auch noch mehr als konzentriert Dasitzen und Atmen. Meditation entstammt einer philosophischen Tradition. Die Wurzeln finden sich im Buddhismus und Taoismus. Der Begriff Meditation ist eng verknüpft mit Zen (japan.) bzw. Chan (chines.) bzw. Dhyana (Sanskrit). Ein umfassendes und tiefgehendes Werk zum Thema hat Wong Kiew Kit mit „The Complete Book of Zen“ verfasst, aus dem auch das obige Zitat stammt.

The Complete Book of Zen

Was ist Zen?

[…] [T]he word ‚Zen‘ has at least three different, though related, meanings […]. First, it means meditation. Zen is the Japanese term for the Chinese ‚chan‘, which in turn is transcribed from the Sanskrit ‚dhyana‘. In Pali it is ‚jhana‘. This is the lowest meaning of the term […]. In its highest meaning, it is the name for the Ultimate Absolute or Supreme Reality, ‚which is beyond all names‘. The middle meaning is a mystical experience of the Absolute – ‚a flash of awareness, out of time and beyond limitations of personal consciousness, of the Ultimate from which all the world we know has derived‘. This mystical experience is usually called awakening, or ‚wu‘ in Chinese, and ’satori‘ or ‚kensho‘ in Japanese.

Zen ist dadurch aber kein rein asiatisches Konzept, genauso wenig wie Meditation. Dazu schreibt Grandmaster Wong Kiew Kit:

Although ordinary followers may not realize it, all the greatest spiritual experiences of various religious teachers were achieved in moments of deep meditation – though they might have called it something else.

Er zitiert den Christen Augustinus:

[…] Introversion concentrates the mind on its own deepest part in what is seen as the final step before the soul finds God.

Und er zitiert auch den Propheten Mohammed:

An hour of meditation is better than sixty years of acts of worship.

Damit wird bereits deutlich, dass es sich bei Zen zwar um ein recht abstraktes Konzept handelt, dass jedoch durchaus erfahrbar und universell ist. Viele von uns haben es schon einmal erfahren, würden es aber vielleicht nicht gerade „Zen“ nennen.

Zen has contributed tremendously to life and civilization. All great human achievements, for example the timeless works of Pythagoras, Chuang Tzu, Sankara, Avicenna, Leonardo da Vinci, Beethoven and Edison, were created in inspired moments of Zen experience (even though they might not have heard of the word ‚Zen‘), when they were in a deep meditative state of mind distinctly different from their ordinary consciousness.

Wir nennen es dann womöglich ‚Inpiration‘ oder auch ‚Kontemplation‘. Es gibt verschiedene Formen Zen zu praktizieren.

Immer wieder hört man auf Meditations-CDs oder beim Yogakurs: „Lass Deine Gedanken los“ oder Ähnliches. Was soll das eigentlich heißen? 

Wong Kiew Kit erklärt ‚Non-Thought‘ und hebt es ab von ‚No-Thought‘ – dem Unterdrücken von Gedanken:

Non-thought of phenomena means to see all phenomena but not be attached to any phenomena, to be everywhere but not be attached anywhere. […] Non-thought is neither thought nor no-thought. Thus, non-thought transcends dualistic thinking. […] In this meditative state, we let our six kinds of consciousness (of sight, sound, taste, smell, touch and thought) emerge from our six sense organs (eyes, ears, tongue, nose, body, mind) but the consciousness is not contaminated by the distortion of reality caused by our six senses. When the flow of consciousness coming from our perception or going out from our sense organs is free from delusion, we have attained the samadhi of prajna, the meditative state of enlightenment derived from the application of higher wisdom. In other words, when other people look at an enlightened person sitting in meditation, they see him and the physical objects around him in the usual way, but the enlightened person experiences himself and the surrounding objects as pure consciousness, without any differentiation. This is spontaneity – cosmic reality in its unconditional state, or detachment from phenomena.

Da das alles furchtbar abstrakt ist, wissen sich auch die buddhistischen Mönche mit Veranschaulichungen zu helfen. Eine Methode sind kurze Erzählungen, sogenannte Gong-Ans, die auf meist sehr humorvolle Weise dem Schüler aufzeigen, was ihm zur Erleuchtung noch fehlt. Auf den ungeübten Leser wirken diese Anekdoten meist einfach nur verwirrend oder paradox, z.B.:

Here’s the eye of true teaching, the marvelous mind of enlightenment, reality with no characteristics, techniques of subtle amazement, not recorded in language and words, transmission beyond the tradition, directly pointing at the mind, enter buddhahood in an instant.

Meditation ist also ein Weg Zen zu praktizieren und Erleuchtung zu erlangen. Nicht jeder schafft es in diesem Leben Erleuchtung zu erlangen. Darum soll es im Rahmen dieses Blog-Beitrags aber auch nicht gehen.

Meditation als Heilungs- bzw. Therapieform

Mit westlichem Hintergrund sind wir es gewohnt, Disziplinen voneinander zu trennen, beispielsweise: Biologie ist nicht Chemie, aber beide gehören zur Gruppe der Naturwissenschaften. Im Normalfall studieren wir eine Disziplin, also entweder Biologie ODER Chemie – um beim Beispiel zu bleiben. Im fernen Osten trennt man diese Disziplinen traditionellerweise so nicht voneinander. Natürlich ist Meditation nicht Kung-Fu, aber sie müssen beide beherrscht werden, wenn man buddhistischer Mönch sein möchte. Mehr noch: Um lange meditieren zu können, muss man gewisse Techniken des Kampfsports erlernt haben und umgekehrt, um Kung Fu richtig auszuüben, muss man auch das richtige Mind-Set haben, das man u.a. durch Meditation schult. Shaolin Kung Fu wird aber nicht nur mit dem Einsatz von Meditation und Kampftechniken trainiert, sondern bedarf auch eines profunden medizinischen Wissens, in erster Linie um zu verhindern, dass man sich oder andere verletzt. 

Dieses profunde, traditionelle, medizinische Wissen kann uns heute noch – auch bei Histaminintoleranz – zugutekommen.

 

According to Chinese medical philosophy, the emotions are intimately connected with both internal energy flow and the mind (which the Chinese call the heart). For example, the meridian system of the heart is connected with the feeling of joy, that of the liver with anger, and that of the stomach with anxiety. Zen cultivation promotes harmonious energy flow through the meridians. This explains why Zen practitioners are always cheerful, amiable and relaxed – not as a result of any extrinsic moral instruction they have received but because of qualities developed intrinsically as part of the training process. Zen practice is therefore an excellent method of stress management. Anyone – in whatever walk of life – who is exposed to stress will derive much benefit from practising Zen.

Da Stress auch ein Auslöser für gesteigerte Histaminausschüttung darstellt, kann es nur sinnvoll sein diesen Aspekt besser kontrollieren zu können. Hierzu muss man jedoch keiner der buddhistischen Mönche werden – jedoch kann man sich vieles von ihnen abschauen. 

 

Tatsächlich haben viele westliche Mediziner die Vorteile von Meditation, Entspannung und körperlichen Übungen längst erkannt. Man kann Physiotherapie bei bestimmten körperlichen Einschränkungen verschrieben bekommen. Yoga-Kurse und Angebote für Pilates und Progressive Muskelentspannung gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt, etc. Einige dieser Kurse kann man sich mittlerweile zum Teil sogar durch die Krankenkasse erstatten lassen. Immer mehr Hausärzte erwerben Zusatzkompetenzen in alternativer Medizin, wie z.B. Akupunktur. 


Ich hoffe, die kleine Asien-Exkursion hat Euch gefallen und Ihr konntet ein paar Anregungen mitnehmen.

Auf jeden Fall wünsche ich Euch noch eine entspannte Restwoche!

(c) Histamin-Pirat

 

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