Histamin-Pirat

Tipps & Rezepte zum Leben mit Histaminintoleranz

Schlagwort: Paleo

Paläo-Therapie – Essen gegen Autoimmunkrankheiten? (Buchrezension)

Buchrezension: Die Paläo-Therapie von Sarah Ballantyne

Ihr seid auf meinem Blog gelandet, nicht nur, weil Ihr HIT habt, sondern auch Morbus Basedow oder Hashimoto oder eine andere Autoimmunkrankheit? Ihr habt eigentlich schon fast aufgegeben, an Heilung zu denken? Hm, vielleicht bringt gerade Euch Sarah Ballantyne, auch bekannt als The Paleo Mom, auf andere Gedanken. Die Bloggerin hat ihr gesammeltes Wissen über die Paläo-Ernährung jetzt in einen dicken Wälzer mit dem Focus Autoimmunkrankheiten gepackt. Ursprünglich kam das Buch auf Englisch mit dem Titel „The Paleo Approach“ heraus. Jetzt ist die deutsche Übersetzung „Die Paläo-Therapie“ erschienen.

Für wen ist das Buch und was kann es?

Das 431 Seiten starke, großformatige Buch mag in seiner Wuchtigkeit den einen oder anderen erst einmal erschlagen. Es ist aber ein Fundus für alle, die an Autoimmunkrankheiten leiden und einen Weg aus der Krise suchen. Dabei vereint Sarah Ballantyne Tipps zur Ernährung, zum Lebenswandel und vieles mehr. Im ersten Teil wird erklärt, wie Autoimmunkrankheiten zustande kommen können und wie sie funktionieren. Die Liste der bekannten Autoimmunkrankheiten ist lang, hinzu kommen Leiden, die wahrscheinlich auf Autoimmunreaktionen zurückzuführen sind, wie jüngste Forschungsergebnisse andeuten, dazu zählen Krankheiten wie Alzheimer, Epilepsie und Schizophrenie. Nachdem die Ursachen erläutert wurden, geht es daran, Tipps zur Heilung zu geben. Sarah Ballantyne, die selbst an einer Autoimmunkrankheit litt, schaffte es mit der Paläo-Ernährung aus der Krise. Ihre Erfahrungen und auch ausgewählte Geschichten ihrer Blog-Leser teilt sie mit den Lesern dieses Buchs. Dabei sind die Erklärungen stets wissenschaftlich fundiert. Ab Seite 308 widmet sich Sarah Ballantyne auch der Histaminintoleranz. Viele weitere Nahrungsmittelintoleranzen, sowie Zölikie werden in dem Buch besprochen. Jeder, der an einer Autoimmunkrankheit, Intoleranz oder einer mit Autoimmunreaktionen assoziierten Krankheit leidet und seine Beschwerden verstehen möchte, um endlich etwas dagegen zu tun, ist mit diesem Buch bestens beraten.

Was nehme ich von dem Buch mit (bisher)?

Offen gestanden, ackere ich mich seit über einem Monat durch das Buch und habe es noch nicht ganz durch. Ich bin aber jetzt schon sehr angetan und möchte daher die Leseerfahrung mit Euch teilen. Das Buch steht exemplarisch und im positiven Sinne für populärwissenschaftliche Literatur, denn Sarah Ballantyne gelingt es, die komplexen Abläufe von Autoimmunkrankheiten dem Laien verständlich zu machen und jeder, der an einer solchen Krankheit leidet, weiß, wie wichtig das ist. Viele fühlen sich von Ärzten allein gelassen. Bücher wie dieses helfen, das eigene Leiden zu verstehen, um selbst handeln zu können. Details, die ich spannend fand und was ich bisher noch nicht wusste:

  • Dass Zöliakie eigentlich immer mit einem Zink- und einem Eisenmangel einhergeht
  • Dass nicht nur Weizen die Darmflora stört
  • Wie einige Hülsenfrüchte und manches Pseudogetreide die Darmflora stören (Warum nur glutenfrei nicht reicht)
  • Warum viele Zöliakie-Patienten auch keine Milch vertragen
  • Dass mehr Frauen als Männer an Autoimmunkrankheiten leiden (ca. 78 % sind weiblich), was vielleicht an einem hormonellen Zusammenhang liegt
  • und vieles mehr

Fazit

Das Buch hat mir vor allem geholfen, den Paläo-Ansatz besser zu verstehen. Ich stand der kategorischen Ablehnung gegenüber so vielen Lebensmittelgruppen bisher sehr skeptisch gegenüber und stellte mir die Frage: Was kann man dann noch essen? Ein bisschen ist davon geblieben, denn wenn man strikt paläo isst, fallen Hülsenfrüchte, Nachtschattengewächse, jegliches Getreide und laut Ballantyne auch Pseudogetreide ganz weg. Neben Obst und Gemüse bleibt nur noch Fleisch und Fisch. Jeder Vegetarier wird da verzweifeln.

Zum Glück erklärt das Buch sehr genau, warum dieses oder jenes nicht gut ist und man kann beginnen abzuwägen, was man wirklich ausschließen will und was vielleicht nur reduziert werden muss oder vorübergehend gestrichen werden sollte, bis sich der Darm wieder erholt hat.

Die Sache mit den Phytaten (v.a. in Hülsenfrüchten, Samen und Kernen) und Prolaminen (v.a. in Korn, Hülsenfrüchten und Pseudogetreide) fand ich sehr interessant, denn neben Gluten, genauer Gliadin, wirken sich auch Phytate und Prolamine negativ auf die Darmflora aus. Einerseits sah ich mich bestätigt, kein Soja zu essen. Andererseits machte mir das meine geliebten Kichererbsen etwas madig. Ich habe jedenfalls gelernt, dass Hülsenfrüchte, die roh gegessen werden können (wie Erbsen und Schoten) wesentlich harmloser sind und besser zu verdauen sind als solche, die lange eingeweicht oder gekocht werden müssen, um Giftstoffe unschädlich zu machen.

Samen und Kerne sollten laut Paläo am besten ganz gegessen werden (und nicht gemahlen). Durch das Zermahlen werden Stoffe frei, die den Darm durchlässiger machen können. Wie bäckt man dann paläo-tauglich? Da bleibt ja fast nur noch Kokos- und Mandelmehl. Und ich backe doch sooo gern 😉 Ich denke, dass eine strikte Paläo-Diät vor allem zu Beginn der Heilung Sinn macht. Sobald der Darm sich mal erholt hat, kann man einige Lebensmittel in Maßen wieder integrieren.

Zusammenfassung

  • 431 Seiten, Paperback mit farbigen Fotos und Grafiken
  • zahlreiche Erklärungen zu Nährstoffen, Funktionen des Immunsystems und mehr
  • eigener Teil über Histaminintoleranz
  • 29,99 Euro, erschienen im Riva-Verlag

Ich bedanke mich beim Riva-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Zwei Ernährungstrends im Vergleich…

Paläo vs. vegetarisch

Immer wieder versuche ich neue Informationen zusammenzutragen, die Dich im Umgang mit Deiner Histaminintoleranz unterstützen können. Da wir alle Individuen sind und keiner von uns hundertprozentig dem anderen gleicht, ist es eine Herausforderung allgemeingültige Aussagen für die individuelle Behandlung von Histaminintoleranz zu treffen.

Im Folgenden möchte ich Dir zwei Ernährungstrends im Vergleich vorstellen, die man immer wieder im Zusammenhang mit Histaminintoleranz findet, die aber eigentlich unterschiedlicher kaum sein könnten, so scheint es. Was ist dran an Paläo und dem Veggie-Trend?

 

Vegetarisch

Seit gut einem Jahrzehnt ist der Veggie-Trend Mainstream. Szenelokale, die diesen Hype bedienen, findet man mittlerweile in jeder Großstadt und auch die meisten „normalen“ Restaurants gehen nun auf die vegetarische Ernährung ein und der Gast kann aus mehr als nur der Salatkarte wählen, wenn er etwas Vegetarisches essen möchte. Ganze Produktserien wurden angepasst, ob das nun Gummibärchen oder Pudding sind. Und neue Produkte wurden geschaffen, z. B. Tofu und Sojamilch. Tierschützer und Weltverbesserer versammeln sich gleichermaßen unter dem Banner „Vegetarisch“. Einige Leute verzichten einfach auf Fleisch aus gesundheitlichen Gründen. Angesichts immer neuer Skandale wie BSE, Vogelgrippe, Pferdefleisch in der Lasagne, Gammelfleisch und Fleischkleber ein verständlicher Schritt.

Doch wie gesund ist vegetarisch?

Schon die alten Yogis, Gurus und Kampfkunstmeister bzw. buddhistischen Mönche wussten, dass eine vegetarische Ernährung gesund ist. Um die Flexibilität einiger Yogis oder Kung-Fu-Meister zu erlangen, ist eine vegetarische Ernährung unumgänglich. Zudem verlangt der buddhistische Glauben eine vegetarische Ernährung im Einklang mit allen Lebewesen.

Nur leider haben diese Konzepte nur noch sehr wenig mit den meisten Trend-Vegetariern heute zu tun. Ein Buddhist würde wohl jeden Soja-Coffee-To-go-Genießer uneingeschränkt darauf hinweisen, dass er damit die Welt zu einem schlechteren Ort macht (er wäre allerdings humorvoller und wahrscheinlich eloquenter als ich, wenn er’s tut). To-go hat ja schon mal nichts mit Spiritualität oder einer besseren Welt zu tun, ich hoffe, das muss ich nicht ausführen. Aber Soja ist das größere Übel. Nicht nur, dass die meisten Sojaprodukte (trotz Bio-Zeichen) zumindest geringe Mengen GMOs enthalten, sondern vor allem, dass der Regenwald und mit ihm seine Bewohner im großen Stil den Soja-Plantagen Platz machen müssen. Genau, für eine bessere Welt und für die Tiere und so …

Das Gleiche gilt im Übrigen für Palmöl. Landkarten zeigen das erschreckende Ausmaß der Monokulturen auf Madagaskar, die nicht nur die Lemuren, die es nur dort gibt, gefährden.

Veggie als Trend ist also nicht gleich automatisch umwelt- und tierfreundlich.

Um sich gesund vegetarisch zu ernähren, muss man mittlerweile auch genau auf die Herkunft der verwendeten Produkte achten. Nicht das Steak, sondern GMOs sind der neue Feind des Vegetariers. Wer sich aus spirituellen Gründen für diese Ernährungsweise entschieden hat, muss umso mehr die Praktiken der Hersteller hinterfragen und für diese Leute kommen weder GMOs noch Soja oder Palmöl in die (Papier-)Tüte.

Ein Problem, das kein Vegetarier gerne hört, bleibt jedoch. Vitamin B12 und das ist nur aus tierischer Quelle zu beziehen. Ausnahme: Bakterien produzieren ebenfalls gewisse Mengen Vitamin B12 (auch unsere Darmbakterien). Die Menge reicht jedoch oft nicht aus, vor allem dann, wenn die Darmflora gestört ist, wird es problematisch. Gegebenenfalls muss hier supplementiert werden. Andere Probleme sind Eisen und Eiweiß, die zwar z. B. in vielen Hülsenfrüchten enthalten sind, nur die fallen großteils weg bei einer „histamintauglichen“ Ernährungsweise. Außerdem wird tierisches Eisen besser vom Körper aufgenommen als pflanzliches.

Bei genau dieser Problematik setzt Paläo an.

 

Paläo

Wenn man sich nach dem Paläo-Konzept ernährt, gerne auch als „Steinzeit-Diät“ bezeichnet, ist Fleisch wiederum „erlaubt“.

Problematisch hierbei sind vor allem die Bezugsquellen. Wo bekommt man heutzutage einwandfreies Fleisch zu kaufen? Lebt man in einer ländlichen Region lässt sich dieses Problem eventuell noch bewerkstelligen. In der Stadt gestaltet sich der Fleischkauf meist schwieriger.

Lebensmittel wie Getreide und Milch werden, wenn man sich nach Paläo ernährt, gemieden. Immer wieder sind diese Lebensmittelgruppen in der Diskussion, inwiefern sie sich überhaupt für den menschlichen Verzehr eignen. Ein Hauptargument ist auch hier die Produktionsweise von Milchprodukten und Getreide. Was man heutzutage als „Weizen“ zu kaufen bekommt, hat nur noch sehr wenig mit Weizen an sich zu tun. Weizen ist hochgezüchtet und findet sich mittlerweile in so vielen abgepackten Lebensmitteln, dass wir uns, wenn wir nicht dezidiert auf eine ausgewogene Ernährung achten, einseitig ernähren. Das Gleiche gilt zum Beispiel auch für geputzten Reis, wie wir ihn hauptsächlich zu kaufen bekommen. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Milch beispielsweise die Calciumaufnahme behindert. Von den Praktiken der Milchindustrie (Hormoneinsatz etc.) ganz zu schweigen. Insbesondere Kindern wird ja immer wieder geraten, Milch zu sich zu nehmen, um ihren Calciumbedarf zu decken. Hierfür eignen sich allerdings zahlreiche andere Lebensmittel, darunter viele Gewürze und Kräuter wie Kresse, Basilikum und Petersilie, aber auch Gemüse wie Brokkoli oder Pastinake.

Auf pflanzliche Fette wird zu einem Großteil verzichtet, abgesehen von Oliven- und Kokosöl. Grundsätzlich gilt es auch hier, darauf zu achten, kalt gepresstes und natives Öl zu kaufen.

Darüber hinaus wird auf Zucker verzichtet. Das freut nicht nur die Zähne.

Damit diese Ernährungsform ihrem Spitznamen Steinzeit-Diät gerecht wird, wird auch auf Fertigprodukte wie Aufbackwaren, Tütensuppen etc. verzichtet.

Um Paläo mit unserer derzeitigen Lebensweise vereinbar zu machen, bedarf es sicherlich etwas Aufwand. Insbesondere das Unterwegs-Essen wird hier zur Herausforderung. Vieles muss man wieder selbst zubereiten und das ist natürlich zeitaufwändiger.

Fazit

Betrachtet man beide Ernährungstrends nun vor dem Hintergrund der „Histamintauglichkeit“, eignen sich eigentlich beide Formen für eine histaminarme Ernährung. Was man nun bevorzugt, ist einerseits Geschmackssache, andererseits eine Frage persönlicher Prinzipien. Wer keine Tiere töten will, kann sich schlecht nach Paläo ernähren. Wer Eisen nicht supplementieren will, steht mit einer rein vegetarischen Ernährung bei Histaminintoleranz vor einer Herausforderung.

Egal, wie man sich nun entscheidet, beide Ernährungsformen müssen für eine histaminarme Ernährung modifiziert werden. Nicht alle Gemüse- und Obstsorten werden gleich gut vertragen – das gilt für die vegetarische Ernährung genauso wie für Paläo. Nicht alle Fleisch- und Fischsorten werden gleich gut vertragen. Dies ist bei der Ernährung nach Paläo zu beachten.

In einigen Punkten treffen sich Paläo und der Veggie-Trend aber auch. Beide Ernährungsformen sind darauf ausgerichtet gesund zu sein. Bei beiden sollte man auf hochwertige Lebensmittel (wie eigentlich immer) achten. Die Kokosnuss beispielsweise und alle daraus gewonnenen Produkte – Milch, Fett, Öl und Wasser – spielen sowohl bei Paläo als auch bei der vegetarischen Ernährung eine große Rolle.

Paläo-Vegan ist übrigens der neueste Trend. Mehr dazu erfährst Du hier.


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