Stress ist für Betroffene von Histaminintoleranz und vor allem für Mastozytose-Patienten ein bekannter „Übeltäter“. Ob beruflich oder privat, Stress führt dazu, dass die histaminspeichernden Mastzellen den Stoff freisetzen.

Stress entsteht auch dann, wenn man sich wegen seiner Ernährung verrückt macht. Ein Fakt, der manchmal unter den Tisch fällt. Fragen wie „Habe ich was Falsches gegessen?“ oder Gedanken wie „Ich glaub, das steht auf der Liste XY und das darf ich dann ja gar nicht!“ sind zwar begründet, können im Übermaß jedoch Panik auslösen. Essen wird nicht mehr als wertvoller „Brennstoff“ für den Körper angesehen, sondern zum roten Tuch. Bei aller Genauigkeit, die man also bei der histaminarmen Ernährung an den Tag legen will, kann man mit den ständigen Gedankenspiralen genau das Gegenteil erreichen. Man stresst sich und führt seinem Körper so mehr Histamin zu!

Wie viel Vorsicht ist eigentlich nötig?

Vor allem direkt nach der Diagnose oder beim Ausprobieren bisher nicht gegessener oder zuvor einmal schlecht vertragender Lebensmittel ist die Verunsicherung groß. Geht das? „Darf“ ich das? Um das herauszufinden, dienen die verschiedenen Listen wie die der schweizerischen Interessensgemeinschaft als gute Inspiration, am Ende muss jeder jedoch seine eigene Liste anlegen. Und das geht mit einem Ernährungstagebuch. Am besten testet man sukzessive etwa alle zwei bis drei Tage stets ein „neues“ Lebensmittel aus, sofern keine schlimme Reaktion eintritt. Ansonsten empfiehlt es sich noch einen oder zwei weitere Tage abzuwarten, bevor weiter getestet wird.

Wer mit dieser stringenten Vorgehensweise nicht zurechtkommt, etwa weil die sehr einseitige Ernährung am Beginn der sogenannten Kartoffel-Reis-Diät zu Mangelerscheinungen führt bzw. weil man sich nur noch schlapp fühlt, kann auch mit mehreren Lebensmitteln in Rotation beginnen. Vorab sollten jedoch Allergien und eventuelle weitere vorhandene Intoleranzen bekannt sein. Ausschließlich ganz „harmlose“ Lebensmittel sollten in den Kanon aufgenommen werden. In der SIGHI-Liste sind die grün bzw. mit 0 markiert.

Die Dosis macht das Gift

Greift man dennoch einmal daneben, kommt es vor allem auf die Menge an. Die Histaminintoleranz ist keine Allergie (auch wenn die Symptome zuweilen ähnlich sind). Dementsprechend muss auch erst eine individuelle Toleranzschwelle überschritten werden, bevor es zu Kopfschmerzen, Übelkeit etc. kommt. Allergiker reagieren hingegen bereits bei geringen Mengen mit einer immunologischen Abwehrreaktion.

Dieser Fakt ist im Grunde beruhigend, aber auch tückisch. Einerseits sind Sofortreaktionen auf histaminhaltige Lebensmittel, sofern nur wenige Bissen gegessen wurden, selten, andererseits lässt sich so nicht immer feststellen, ob das Lebensmittel generell bzw. in größeren Mengen ebenso vertragen wird. Hinzu kommt, dass Reaktionen erst durch Kombination verschiedener Stoffe entstehen können – dann gerne auch mal zeitverzögert. Wieso eigentlich?

Die tickende „Histaminzeitbombe“ verstehen

Verschiedene Faktoren können zu einem mehr oder weniger großen „Histamin-Peng“ beitragen.

  • histaminreiche Speisen, weil die DAO mit dem Abbau von Histamin nicht nachkommt
  • andere biogene Amine, weil sie entweder zur Histaminausschüttung beitragen oder ebenfalls auf die DAO als Abbauweg angewiesen sind
  • DAO-Blocker wie Koffein, weil sie die DAO-Funktion einschränken, wodurch histaminreiche Speisen, die gleichzeitig gegessen werden, nicht vertragen werden
  • vor allem bei Mastozytose: überaktive Mastzellen, die bei bestimmten Reizen vermehrt Histamin ausschütten und die HNMT kommt mit dem Abbau nicht nach

Das Problem liegt darin, diese Faktoren zusammenzudenken.

Beispiel:

Ein histaminarmes Dinkelbrötchen mit Putensalami (mittel bis viel Histamin) wird zu einer Tasse Kaffee (DAO-Blocker/Liberator) gegessen.

Je nach Sensibilität bzw. DAO-Aktivität sind Symptome zu erwarten.

Anderes Beispiel:

Ein histaminarmes Dinkelbrötchen wird nach einem ausgiebigen Sonnenbad (UV-Strahlung als Histaminliberator) trotz histaminarmem Hüttenkäsebelag nicht vertragen.

Im Idealfall werden daher auch kurz Aktivitäten wie Sport, Aufenthalt in der Sonne etc. im Ernährungstagebuch notiert. Auf diese Weise lassen sich zuweilen scheinbar unerklärliche Reaktionen doch erklären. Darüber hinaus sollte bei dauerhaften Reaktionen trotz histaminarmer Ernährung an verschiedene mögliche Nährstoffmängel wie Vitamin D, Magnesium oder Zink gedacht werden. Ein gezielter Bluttest gibt Auskunft. Und ansonsten?

Einfach mal tief durchatmen

Entspannungstechniken gehören zum essentiellen Handwerkszeug bei Histaminintoleranz. Im Grunde ist alles, was entspannt auch erlaubt. Wen also Wandern entspannt, der geht raus in die Natur. Wer bei Musik die Seele baumeln lassen kann, legt die passende Lieblingsplatte auf usw.

Einige Techniken haben sich jedoch besonders bewährt:

Während Atemtechniken wie die obigen hervorragend sind, um Stress einfach auszuatmen, sind sie für manche aufgrund der begleitenden Bewegung zu intensiv bzw. zu anstrengend. Atemübungen können auch einfach im Sitzen auf einem Stuhl oder auf einem Sitzkissen durchgeführt werden. Ich persönlich experimentiere neuerdings sehr gerne mit verschiedenen Handzeichen (Mudras), um die Energie auf unterschiedliche Weise fließen zu lassen. Besonders angenehm finde ich im Moment das Hridaya (Herz) Mudra.

Meditation und die begleitenden Atemübungen können aber auch ganz anders angegangen werden. Buddhistische Mönche malen zum Beispiel auch:

Malen als Entspannungstechnik wird in letzter Zeit gerade wiederentdeckt. Stichwort: Malbücher für Erwachsene. Wer es selbst einmal probieren möchte, muss nicht unbedingt zu farbigem Sand wie die buddhistischen Mönche oder zu vorgefertigten Ausmalbüchern des neuen Trends greifen. Mit bunten Stiften und der Maltechnik „Zentangle“ können Motive auch einfach selbst kreiert werden. Dabei werden symmetrische Formen auf quadratisches Papier gebracht, um auf meditative Weise individuelle Muster zu erschaffen.

Zusammenfassung:

Ich bedanke mich beim Irisiana-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

(c) Histamin-Pirat