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Tipps & Rezepte zum Leben mit Histaminintoleranz

Vegane Info-Wochen: Es geht los…

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Vegane Info-Wochen

Vegan, was ist das?

Den ganzen März hindurch soll es hier vegan zugehen. Vegan, das ist pflanzliche oder tierfreundliche Ernährung. Mittlerweile gibt es auch Siegel wie die Vegan-Blume oder das V-Label, die vegane Lebensmittel kennzeichnen.

Vegan-Blume der englischen Vegan Society

V-Label vegan (Europa)

Abgesehen von verschiedenen Logos bzw. Labels ist der Begriff „vegan“ aber gesetzlich nicht geschützt. Was darunter konkret verstanden wird, variiert mitunter auch, denn es gibt verschiedene „Vegan-Typen“, wenn man so will.

Grob gesagt, verzichten VeganerInnen nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auch auf Nebenprodukte vom Tier, wie z.B. Milchprodukte, Honig, usw.

Eine spezielle Form ist z.B. der Roh-Veganismus bzw. vegane Rohkost, wo zusätzlich zu den genannten Kriterien nur roh gegessen wird. Obst und Gemüse wird also nicht gekocht oder gebacken, sondern maximal bei geringer Temperatur gedörrt bzw. getrocknet und ansonsten frisch und roh genossen.

Unter Bio-Veganismus versteht man den Verzicht auf alles vom Tier mit dem Augenmerk auf ausschließlich biologische Produkte, also alles vom Apfel bis zur Zitrone in Bio-Qualität.

Eine Extremform des Veganismus‘ ist der Fruitarismus (von engl. „fruit“ und „vegetarian“) oder Fruganimus. Ziel ist es hier nur so zu essen, dass nicht nur den Tieren kein Schaden zuteil wird, sondern dass auch die Pflanze unversehrt bleibt. Gegessen werden also nur Pflanzenteile, die die Pflanze durch das Ernten nicht „umbringen“. Mitunter werden nur Teile gegessen, die die Pflanze selbst abgeworfen hat (z.B. Fallobst).

Veganismus verstehen die meisten AnhängerInnen aber nicht nur als Diät, sondern als Lebensstil. Es geht nicht nur um den Verzicht auf Tierprodukte im Essen, sondern genauso sind sich viele einig, sollte man kein Leder, Schurwolle, Rosshaar (z.B. für Geigenbogen) und dergleichen verwenden.

Dass für Pelz und Leder Tier sterben, ist allgemein bekannt und es gibt praktische Alternativen wie Kunstleder und Kunstpelz. Doch auch hier gab es schon Skandale mit Bommelmützen, die angeblich, so war es deklariert, aus Kunstpelz waren, aber dann doch aus Pelz waren. Ihr erinnert Euch vielleicht an den Mützenskandal bei der Drogerie Müller und Tom Tailor vor nicht allzu langer Zeit? Die Netzfrauen haben sich hier dazu geäußert und kritisieren diese, gar nicht so seltene Praxis des Falschdeklarierens, scharf.

Ich folge einem Strickblog auf WordPress, der mich übrigens erst darauf gebracht hat, dass Schurwolle mitunter eine recht blutige Angelegenheit ist. Bis dahin dachte ich, wie vielleicht viele andere, dass Schafe zwar geschoren werden, aber man tut ihnen ja nichts… Naja und ganz so einfach ist es nicht. Madame Flamusse von Wollerausch schreibt hier mehr dazu.

Es gibt also auch Betriebe, die mit ihren Schafen und anderen Tieren freundlicher umgehen als die Großindustrie. Man muss sich aber sehr genau informieren. Wer generell gegen das Halten von sogenannten „Nutztieren“ ist, für den sind auch das aber keine Alternativen. Pflanzliche Gewebe aber schon. Vieles kann man aus Leinen, Hanffasern, usw. aber mittlerweile ersetzen – komplett tierfreundlich.

Warum vegan?

Es gibt viele Gründe sich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden, einige habe ich hier aufgelistet:

  • körperliche Gesundheit
  • seelische bzw. psychische Gesundheit
  • Tierschutz
  • Umweltschutz

Nicht nur seit der umstrittenen China Study von T. Colin Campbell berichten mehr und mehr Leute von Verbesserung ihrer körperlichen und/oder seelischen Verfassung. Die Ernährungsweise nach der China Study betont u.a. noch den Verzicht auf zusätzlichen Zucker (soweit wie möglich), bezieht sich auf eine Diät mit kaum zusätzlich zugeführtem Öl und mehr. Diese spezifische Ernährungsweise weist also weit mehr Kriterien als lediglich „vegan“ auf. Ich werde etwas zur China Study in einem separaten Beitrag schreiben.

Mich persönlich hat die Doku „Kung Fu Quest“ (mit engl. Untertiteln) weitaus mehr beeindruckt. Durch die Dokumentation hat man die Möglichkeit die Shaolin-Mönche einmal zu besuchen. In der Doku fasst einer der Mönche die pflanzenbasierte Lebensweise so schön zusammen und sagt (übersetzt ins Englische):

Vegetables are easier to digest. Sheep and cattle are fed on grass. Yet, they have very enduring stamina. Meat gives you the power of meat. Grass gives you the power of nature. […]

When we took their [the animals‘] lives, what condition were they in? Rage.

(Gemüse ist leichter zu verdauen. Schafe und Rinder bekommen Gras zu fressen, dennoch haben sie ein starkes Stehvermögen bzw. viel Ausdauer. Fleisch gibt Dir die Kraft von Fleisch. Gras gibt Dir die Kraft der Natur. […] Wenn wir ihnen [den Tieren] das Leben nehmen, in welchem Zustand sind sie dann? Zorn oder Wut.)

Die Tiere sind unweigerlich in einem Stresszustand. Selbst Bio-Fleisch wird erst in der Großschlachterei „hergestellt“, also getötet. Kein Tier wird liebevoll zu Tode gestreichelt. Die Stresshormone, die ein Tier ausschüttet bevor es stirbt, während es in einer Schlange seinen Freunden beim Sterben zusieht, gehen ins Fleisch und wir essen sie mit. Das heißt das. Rüdiger Dahlke (Autor von z.B. Peace Food) weist in seinen Büchern auf diesen Zusammenhang auch hin.

Mich wundert es daher nicht, dass z.B. Betroffene von Depressionen nach dem Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung Milderung ihrer Symptome beschreiben.

Aber auch Herzkrankheiten und einiges mehr sollen durch eine pflanzliche Ernährung entweder verhindert oder gar gemildert werden.

Ob einem persönlich die pflanzliche Ernährung hilft, muss man individuell ausprobieren. Ich möchte niemanden bekehren. Es gibt außerdem speziell in der Kombination mit Histaminintoleranz einiges zu beachten – daher überhaupt dieses vegane Special.

Ist das wirklich gesund? ODER

Bekomme ich da nicht Mangelerscheinungen?

Wie bereits erwähnt, gibt es verschiedene „Veganismen“ oder Vegan-Typen – von Rohkost bis Bio. JedeR muss hier selbst eine Entscheidung treffen, was ihm oder ihr schmeckt und gut tut.

Klar ist auch, dass die sogenannten „SojapuddingveganerInnen“ nicht gesünder leben als irgendeinE „AllesfresserIn“. Gemeint sind die VeganerInnen, die Wurst mit Sojaschnitzel & Co einfach ersetzen und eigentlich essen wie vorher mit einigen Fleischsubstituten. Mittlerweile gibt es auch genug vegane Fertigprodukte – ja, das ist eben auch eine Industrie geworden – die alles andere als gesund sind, wenn man sich mal das Kleingedruckte zu Gemüte führt. In fertigen Aufstrichen, Käseersatzprodukten, usw. ist alles drin, von Zitronensäure (nicht -saft!) bis Feuchthaltemittel und Konservierunsgstoffe jeglicher Art (Sorbit usw.). Auch Agavendicksaft als gesunde Zuckeralternative ist ein Mythos – das ist eine Fruktosebombe sondergleichen. Nicht viel anders sieht es mit vielen anderen Zuckeralternativen aus – Xylitol ist so ein Fall. Im Fall von HIT ist der Zuckeralkohol ohnehin keine Alternative, aber so wird Xylitol oft mit aufwändigen, industriellen Verfahren erst hergestellt. Für Hunde ist der Stoff in kleinsten Mengen toxisch. Beim Menschen kann es zu Blähungen kommen. Xylitol wirkt außerdem abführend. Genutzt wird Xylitol vor allem in der Mundhygiene, weil er Karies vorbeugen soll.

Vielen pflanzlichen Milchalternativen wird Zucker (oder Agavendicksaft) zugesetzt, oft sind Bindemittel enthalten und relativ wenig Mandeln, Hafer, Reis oder was immer die Hauptzutat (neben Wasser) eigentlich sein soll.

Wer eigentlich nur frittiertes Gemüse isst, wird auch nicht gesund leben. Klar, kann man immer mal sündigen, aber die Mischung macht es eben.

Seiten wie The Unhealthy Vegan (Der ungesunde Veganer) machen Spaß und bieten auch mal leckere Rezepte, aber Ausgewogenheit muss eben sein.

Generell ranken sich einige Mythen um Mangelerscheinungen der VeganerInnen. Wer sich aber biologisch und ausgewogen ernährt, ist – außer was Vitamin B 12 angeht – meist besser versorgt als einE reguläreR EsserIn.

  • Mythos #1 – Calcium

Wer keine Milch trinkt und keinen Käse isst, muss doch einen Calciummangel erleiden, oder?

Stattdessen begünstigt Milch die Übersäuerung des Körpers. Zu viel Phospor in Milch sorgt außerdem dafür, dass der Calciumhaushalt gestört wird. Alles deutet daraufhin, dass Milch eigentlich gar kein Calcium-Booster ist, wie viele glauben.

Calcium kommt in vielen Lebensmitteln vor – v.a. in grünem Gemüse wie Brokkoli, (Spinat), Mangold, diverse Kräuter, Mandeln, usw.

Auch der Vitamin-D-Pegel sollte stimmen, damit Calcium gut aufgenommen werden kann.

  • Mythos #2 Protein/Eiweiß

Allgemein handelt es sich auch hier um einen Mythos. Denn Hülsenfrüchte, Nüsse und auch einige Gemüsesorten und auch Getreide enthalten Protein. „Normale“ VeganerInnen haben also gar kein Protein-Problem.

Wer jedoch an einer Histaminintoleranz leidet, verträgt Hülsenfrüchte und Nüsse mitunter nur begrenzt. Am besten in kleinen Mengen austesten, was und wieviel geht. Auch Kerne und Samen wie Kürbiskerne, Hanfsamen, Sesam und auch Macadamianüsse stellen hier womöglich gute Alternativen dar.

  • Mythos #3 Eisen

Das ist nicht sooo ganz ein Mythos, denn pflanzliches Eisen wird vom Körper tatsächlich schlechter aufgenommen. Vitamin C kann die Aufnahme aber steigern.

Viel Eisen ist z.B. in Hirse, Kürbiskernen oder Sesamsamen, Linsen, Pfirsich und Spinat. Und auch in Petersilie, Fenchel, Kresse und Karotten.

Vitamin C ist z.B. in Petersilie, Brokkoli, Paprika und Feldsalat enthalten.

Vitamin-C-reiche und Eisen-reiche Lebensmittel kombiniert man also am besten in einer Mahlzeit.

  • kein Mythos – Vitamin B 12

Wer ganz auf tierische Produkte verzichtet, riskiert ohne gezielten Ersatz einen Vitamin-B-12-Mangel. Das kommt nämlich wirklich nur in tierischen Produkten vor. Jetzt sind wir aber auch „tierische Produkte“ und können Vitamin B 12 auch selbst herstellen, vorausgesetzt, wir haben eine gesunde Darmflora. Es ist ratsam als VeganerIn zusätzlich Vitamin-B-12-Quellen zu finden und zu sich zu nehmen.

Mikroorganismen, die man z.B. auf ungewaschenen Obst und Gemüse findet, enthalten Vitamin B 12. Das Gemüse bzw. Obst sollte dann aber auf jeden Fall von Bio-Qualität – im Idealfall aber aus dem eigenen Garten – sein.

Nori- und Chlorella-Algen sind auch eine gute Vitamin-B-12-Quelle. Hier unbedingt auf Bio-Qualität achten. Veganes Sushi ist also immer mal wieder eine gute Idee (Nori-Blätter).

Fazit:

Eine rein vegane Ernährung bei Histaminintoleranz bedarf sehr genauem Wissen um Nährstoffe, um eventuellen Mängeln aus dem Weg zu gehen. Die Reduktion von Fleisch, insbesondere von Schweinefleisch, rate ich jedoch unbedingt an.

Wer bereits vegan lebt, sollte sich genau informieren und regelmäßige Kontrolluntersuchungen einhalten, um die Nährstoffversorgung sicherzustellen.

Für alle, die die pflanzenbasierte Ernährung einmal ausprobieren wollen, gibt es dieses Monatsspecial. Ob ihr dabei bleibt, ist natürlich Euch überlassen. Vielleicht wird es eine Art Kompromiss, wie z.B. beim Blog Just about vegan („fast vegan“ oder „so ziemlich vegan“) oder hier bei uns. Was genau wir essen, dazu mehr in einem eigenen Beitrag.

(c) Histamin-Pirat

3 Kommentare

  1. Super Beitrag. Beschäftige mich schon länger damit und habe gemerkt das es nur in kleinen Schritten geht eben weil ich wert lege auf Real Food, also kein Pseudofleisch oder Kunstkäse..und mir bei den Veganern die ich kenne auch zuviel Soja Saitan und Hefe im Essen ist. Aber ich will auch keine toten Tiere essen, weil ich ein mitfühlendes Wesen bin. Und alleine die Vorstellung des Tötungsstressen und des vielen Antibiotikas im Grunde mir schon reicht um zu sagen No meat. In meienr Kindheit war das sehr verpönnt kein Fleisch zu essen, dabei mochten viele Kinder kein Fleisch. Wurst etc is ja noch komplizierter weil weniger mit dem Tier zu identifizieren…naja aufjdenfall merke ich das es viel erfordert sich neue Ernährungsgewohnheiten zuzulegen weil man eben kein Gericht einfach mal so ersetzen kann sondern neue Gerichten erfinden „muss“. Und um gut versorgt zu sein auch viel Abwechslung braucht die manchmal im Supermarkt gar nicht so einfach zu bekommen ist. Ich leide übrigens an einer Anämie, wahrscheinlich schon lange. Und Vitamin D Mangel haben sehr sehr viele Menschen in unseren Breitengraden und Eisenmangel auch, egal ob Fleischfresser oder reiner Bioesser etc. ich hab noch nicht rausgefunden warum aber ich führe es auf Stress zurück und auf zuwenig Natur.

    Liebe Grüße und DANKE fürs verlinken, das freut mich das der Artikel deine Aufmerksamkeit bekommen hat.

    • Eva

      6. März 2015 at 6:21

      Ja, man muss ganz anders in der Kueche kreativ werden. Dabei entdeckt man aber auch viele Lebensmittel neu – war bei mir jedenfalls so, z.B. Chiasamen. Und „ehemalige Feinde“ werden zu Gaumenfreunden. So erging es mir zum Beispiel mit Fenchel. Das haette ich frueher nie gegessen. Man entwickelt auch irgendwie einen anderen Geschmack, sobald man mal auf „Real Food“ und „No Meat“ umgestiegen ist. Mir wuerde Fleisch gar nicht mehr schmecken. Neulich habe ich aus Faulheit eine Tiefkuehlpizza gemacht… was im Grunde ewig nicht vorgekommen ist und die hat auch einfach richtig mies geschmeckt. Frueher hab ich Spinatpizza der Marke gemocht. Jetzt, nie wieder! Ja, Vitamin D Mangel ist recht weit verbreitet, quer durch die Ernaehrungsgewohnheiten hindurch. So viel Sonnenlicht wie wir brauchen, kriegen wir bei unserem modernen Lebenswandel meist nicht.

      • Ja genau, is bei mir auch so, auch mit dem fenchel, hihi, und sonst bin ich grade sehr auf Entdeckungsreise 😀
        Und es geht auch jetzt erst besser wo ich weiß es heißt Essen anders denken…kann mich deinen Beschreibungen total anschließen!

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